Dauerstress
Louis
Louis
| 06-11-2026
Wissenschaftsteam · Wissenschaftsteam
Stress gehört für viele Menschen inzwischen selbstverständlich zum Alltag. Eine neue US-Umfrage zeigt, wie stark finanzielle Sorgen, gesellschaftliche Unsicherheit und Zukunftsängste das Leben der Amerikaner beeinflussen.
Gleichzeitig ziehen sich viele Menschen aus sozialen Aktivitäten zurück und suchen zunehmend Unterstützung bei künstlicher Intelligenz.

Stress wird zur neuen Normalität

Für immer mehr Amerikaner gehört ein hohes Stressniveau mittlerweile zum Alltag. Das geht aus der aktuellen Studie „Stress in America 2026“ der American Psychological Association (APA) hervor.
Die Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen nicht nur unter anhaltendem Druck stehen, sondern sich zunehmend damit abfinden, dass Stress ein fester Bestandteil ihres Lebens ist.
Fast drei Viertel der Befragten (72 Prozent) stimmten der Aussage zu, dass Stress etwas sei, mit dem sie leben müssten. Ebenso viele gaben an, dass schlechte Nachrichten sie inzwischen weniger erschüttern als früher. Weitere 68 Prozent erklärten, sich mittlerweile an ein Leben mit ständiger Unsicherheit gewöhnt zu haben.
Doch sich an chronischen Stress zu gewöhnen, bedeutet nicht automatisch, gesund damit umzugehen. Darauf wies Arthur C. Evans Jr., Geschäftsführer der APA, hin.
„Chronischer Stress kann die körperliche und psychische Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Wir sollten diese Belastung nicht als unvermeidlichen Bestandteil des täglichen Lebens akzeptieren“, erklärte Evans.
Dauerstress

Finanzielle Sorgen belasten besonders

Die Umfrage macht deutlich, welche Faktoren den Alltag der Amerikaner besonders stark beeinflussen. Die steigenden Lebenshaltungskosten sind mit 77 Prozent die am häufigsten genannte Stressquelle.
Viele Menschen haben Schwierigkeiten, ihre Miete zu bezahlen oder die Ausgaben für Lebensmittel und Kinderbetreuung zu bewältigen.
Auch die Zukunft des Landes bereitet zahlreichen Befragten Sorgen. 74 Prozent bezeichneten sie als bedeutende Belastung.
59 Prozent der Befragten hatten das Gefühl, trotz aller Bemühungen nicht voranzukommen. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) gab außerdem an, die eigenen Erwartungen an das zu reduzieren, was sie im Leben erreichen können.

Immer mehr Menschen ziehen sich zurück

Die Folgen des Dauerstresses zeigen sich nicht nur im persönlichen Wohlbefinden, sondern auch im sozialen Leben. Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) erklärte, sich im vergangenen Jahr aufgrund von Stress, Unsicherheit oder Überforderung aus mindestens einer sozialen Aktivität zurückgezogen zu haben.
Besonders auffällig ist die zunehmende Rolle künstlicher Intelligenz. Unter den Befragten, die KI nutzen, hatten 49 Prozent bereits Gespräche mit einem Chatbot geführt, als wäre dieser ein Freund. Weitere 47 Prozent nutzten solche Anwendungen in einer Funktion, die mit der Unterstützung durch einen Fachmann für psychische Gesundheit vergleichbar ist.
Allerdings gaben nur zehn Prozent an, sich bei Ratschlägen stärker auf künstliche Intelligenz als auf Freunde und Familienmitglieder zu verlassen.

KI kann menschliche Unterstützung nicht ersetzen

Dass Menschen in belastenden Situationen auf KI zurückgreifen, ist laut Evans nachvollziehbar. Solche Anwendungen bieten schnelle und leicht zugängliche Unterstützung, wenn jemand nicht weiß, an wen er sich wenden soll.
Dennoch müsse zwischen guter Erreichbarkeit und tatsächlicher fachlicher Kompetenz unterschieden werden. KI könne eine ergänzende Rolle spielen, aber weder das klinische Urteilsvermögen eines qualifizierten Fachmanns noch die menschliche Nähe innerhalb von Familie und Freundeskreis ersetzen.

Wie sich Stress besser bewältigen lässt

Die APA betont, dass Menschen nicht jede Unsicherheit in ihrem Leben kontrollieren können. Sie können jedoch lernen, ihre eigenen Ressourcen zu stärken und gesündere Wege im Umgang mit Belastungen zu entwickeln.
Dazu gehört zunächst, bewusst Zeit mit Freunden, Familienmitgliedern und Menschen aus dem eigenen Umfeld zu verbringen. Auch regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Achtsamkeitsübungen können das allgemeine Wohlbefinden unterstützen.
Darüber hinaus empfiehlt die Organisation, Herausforderungen realistisch einzuschätzen, ungünstige Denkmuster zu erkennen und eine ausgewogenere Perspektive auf schwierige Situationen zu entwickeln.
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So wurde die Umfrage durchgeführt

Für die Untersuchung wurden zwischen dem 29. Juli und dem 24. August 2026 insgesamt 3.132 Erwachsene ab 18 Jahren in den USA online befragt. Die Erhebung wurde im Auftrag der American Psychological Association durchgeführt.
Die angegebene Fehlermarge liegt bei plus/minus 2,5 Prozentpunkten. Insgesamt zeichnen die Ergebnisse das Bild einer Gesellschaft, in der anhaltender Stress zunehmend als unvermeidlicher Teil des Lebens betrachtet wird.
Finanzielle Belastungen, Zukunftsängste und soziale Veränderungen beeinflussen dabei nicht nur das persönliche Wohlbefinden, sondern auch Beziehungen und langfristige Lebensziele.
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