Wirtschaft schöpft Hoffnung
Leon
Leon
| 05-11-2026
Wissenschaftsteam · Wissenschaftsteam
Die Bundesregierung rechnet für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Damit blickt sie deutlich optimistischer auf die wirtschaftliche Entwicklung als noch im Frühjahr.
Damals war sie lediglich von einem Wachstum von 0,5 Prozent ausgegangen.
Die Bundesregierung erwartet einen spürbaren Aufschwung der deutschen Wirtschaft.
Wirtschaft schöpft Hoffnung
Wie das Ministerium von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Donnerstag mitteilte, wurde die Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 1,3 Prozent angehoben. Noch im April hatte die Regierung ihre Erwartungen nach unten korrigiert und lediglich mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet. Die Einschätzung fällt nun also deutlich positiver aus.
Die Folgen des Iran-Krieges und der starke Anstieg der Energiepreise hatten die Wirtschaft zunächst erheblich belastet. Allerdings habe sich die deutsche Wirtschaft widerstandsfähiger gezeigt als erwartet, erklärte das Wirtschaftsministerium.
Als wichtigste Wachstumstreiber nannte das Ministerium die Exporte, staatliche Investitionen und die gestiegenen Verteidigungsausgaben.

Ein wichtiges Signal für Deutschland

„Wir haben die Talsohle hinter uns gelassen, die deutsche Wirtschaft wächst wieder“, erklärte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. „Das ist ein wichtiges Signal, aber erst der Anfang.“
Nun gehe es darum, aus der wirtschaftlichen Erholung eine nachhaltige Wachstumsdynamik zu entwickeln.
„Unser Anspruch ist klar: deutschland muss wieder an die Spitze“, betonte die CDU-Politikerin. Dafür seien weitere Reformen notwendig.
Die deutschen Exporteure profitierten im zweiten Quartal von einer besonderen Entwicklung: angesichts globaler Lieferengpässe seien die Lagerbestände bei energieintensiven Gütern aufgestockt worden, die in Deutschland produziert wurden.
Gleichzeitig zeigten sich bereits positive Effekte des Sondervermögens für Verteidigung und Infrastruktur.

Deutschland muss seine Hausaufgaben machen

Bereits einen Tag vor der Veröffentlichung der sogenannten Herbstprojektion hatte Bundeswirtschaftsministerin Reiche auf die Notwendigkeit struktureller Reformen hingewiesen.
Im Bundestag erklärte die CDU-Politikerin, dass das Wachstum weiterhin auf unsicherem Fundament stehe. „Die Lage bleibt fragil“, warnte sie.
Deutschland werde durch externe Krisen wie den Konflikt im Iran belastet. „Aber wir haben auch unsere eigenen Hausaufgaben zu machen – und zwar vor allem.“
Reiche forderte, bestehende Hemmnisse abzubauen. Dazu zählte sie flexiblere Arbeitszeiten, eine Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge, weniger Bürokratie und wettbewerbsfähige Energiepreise.
Auf die schwarz-rote Koalition kommen damit entscheidende Wochen zu. Vor allem Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt und die geplante Rentenreform sind politisch umstritten.

Auch für 2027 bessere Aussichten

Für das Jahr 2027 hob das Wirtschaftsministerium seine Wachstumsprognose ebenfalls an: statt der bisherigen 0,9 Prozent werden nun 1,1 Prozent erwartet.
„Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hängt maßgeblich vom Verlauf der geopolitischen Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine ab“, erklärte das Ministerium.
Eine nachhaltige Lösung dieser Krisen, die gleichzeitig zu sinkenden Energiepreisen führen würde, könnte die wirtschaftliche Erholung zusätzlich beschleunigen.
Allerdings dürften die hohen Preise Unternehmen und private Haushalte weiterhin belasten. Für 2028 rechnet die Bundesregierung derzeit nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent.

DIHK warnt vor übermäßigem Optimismus

Angesichts der verbesserten Wachstumsprognosen warnte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) vor überzogenen Erwartungen.
„Die Entwicklung der Exporte entfaltet weiterhin keine eigene Dynamik. Handelspolitische Unsicherheiten und strukturelle Standortnachteile bremsen die Exportwirtschaft erneut aus“, kritisierte Volker Treier, Außenwirtschaftschef der DIHK.
Auch DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov äußerte sich kritisch: „Dieser Aufschwung ist teuer erkauft.“
Das Wachstum beruhe vor allem auf steigenden Exporten in den EU-Binnenmarkt und schuldenfinanzierten Staatsausgaben.
„Ohne tiefgreifende wirtschaftspolitische Reformen wird diese Erholung nur von kurzer Dauer sein“, warnte Melnikov.
Notwendig seien niedrigere Kosten, weniger Bürokratie, schnellere Verwaltungsverfahren und eine modernere Infrastruktur.
Wirtschaft schöpft Hoffnung

Schnitzer: Auch die Privatwirtschaft muss investieren

Die Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Monika Schnitzer, betonte in einem Interview mit den Tagesthemen, dass dauerhaftes Wachstum nur möglich sei, wenn nach dem Staat auch die Privatwirtschaft verstärkt investiere.
Dafür brauche es verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und strukturelle Reformen.
Schnitzer forderte grundlegende Veränderungen, um die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest zu machen. Besonders dringlich seien Reformen im Gesundheits- und Pflegebereich.
Zudem kritisierte sie, dass der Staat an vielen Stellen weiterhin Geld für die falschen Maßnahmen ausgebe.
Als Beispiele nannte sie den neuen Tankrabatt der Bundesregierung und die Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie.
Solche Maßnahmen, die kurzfristig Wirkung entfalten, seien ihrer Einschätzung nach kaum geeignet, die Wirtschaft nachhaltig anzukurbeln.
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