Europas Schuldenberg
Ines
Ines
| 04-11-2026
Wissenschaftsteam · Wissenschaftsteam
Die öffentlichen Finanzen Europas geraten zunehmend unter Druck, da die staatliche Verschuldung weiter steigt.
Neue Zahlen, die Eurostat am 21. Oktober 2026 veröffentlichte, zeigen, dass die Staatsverschuldung im Euroraum im zweiten Quartal 88,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichte.
Dabei entwickeln sich die europäischen Volkswirtschaften sehr unterschiedlich. Während einige Länder ihre Schuldenlast schrittweise verringern, steigen die Verbindlichkeiten in anderen weiter an. Gleichzeitig verteuert sich die Kreditaufnahme, sodass Regierungen vor schwierigen Entscheidungen über künftige Ausgaben stehen.

Wie hoch sind Europas Staatsschulden?

Die Gesamtverschuldung der 21 Länder des Euroraums belief sich zwischen April und Juni 2026 auf rund 14,44 Billionen Euro. Die Schuldenquote stieg von 88,4 Prozent im ersten Quartal auf 88,8 Prozent. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte sie noch bei 87,3 Prozent gelegen.
In der gesamten Europäischen Union erhöhte sich die Quote auf 82,9 Prozent. Im zweiten Quartal 2025 hatte sie 81,4 Prozent betragen.
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Der fiskalische Rahmen der EU sieht Referenzwerte von 60 Prozent des BIP für die Staatsverschuldung und drei Prozent für das jährliche Haushaltsdefizit vor. Mehrere Mitgliedstaaten liegen jedoch weiterhin deutlich über diesen Grenzen.

Italien nähert sich Griechenlands Schuldenquote

Griechenland weist mit 140,8 Prozent des BIP weiterhin die höchste Staatsschuldenquote innerhalb der Europäischen Union auf. Italien folgt mit 139,9 Prozent dicht dahinter. Der Abstand zwischen beiden Ländern beträgt damit weniger als einen Prozentpunkt.
Trotz seiner weiterhin hohen Verschuldung hat Griechenland deutliche Fortschritte erzielt. Innerhalb eines Jahres sank die Schuldenquote um 11,2 Prozentpunkte. Dies spiegelt die Verbesserung der öffentlichen Finanzen wider.
In Italien verlief die Entwicklung anders: Dort stieg die Quote allein im zweiten Quartal um 1,3 Prozentpunkte.
Besonders auffällig ist der Vergleich mit dem Jahr 2022. Damals lag Griechenlands Staatsverschuldung noch bei 177,8 Prozent des BIP, während Italien einen Wert von 138,4 Prozent verzeichnete.

Frankreich gerät zunehmend unter Druck

In Frankreich entsprach die Staatsverschuldung 119,1 Prozent des BIP. Damit belegt das Land innerhalb des Euroraums den dritten Platz bei der höchsten Schuldenquote.
Im zweiten Quartal stieg der Wert um 1,4 Prozentpunkte. Gleichzeitig erhöhten sich die Finanzierungskosten.
Höhere Renditen auf Staatsanleihen können die Aufnahme neuer Kredite verteuern. Auf längere Sicht bleibt Regierungen dadurch möglicherweise weniger Geld für Infrastruktur, Gesundheitsversorgung und andere öffentliche Dienstleistungen.
Auch Belgien verzeichnete mit 110,2 Prozent eine hohe Schuldenquote. Spanien folgte mit 101,4 Prozent.

Welche Länder haben die geringste Verschuldung?

Nicht alle europäischen Volkswirtschaften stehen vor denselben finanziellen Herausforderungen.
Estland wies mit 26,1 Prozent die niedrigste Staatsschuldenquote in der EU auf. Dahinter folgten Dänemark mit 27,1 Prozent, Luxemburg mit 28,2 Prozent und Bulgarien mit 28,7 Prozent.
Eine geringe Verschuldung allein garantiert jedoch noch keine finanzielle Stabilität. Auch das Wirtschaftswachstum, die staatlichen Einnahmen und künftige Ausgabenverpflichtungen beeinflussen, wie gut ein Land seine Kredite verwalten kann.
Im zweiten Quartal verzeichnete Polen mit einem Anstieg um drei Prozentpunkte den stärksten Zuwachs der Schuldenquote. Zypern erzielte dagegen mit einem Rückgang um drei Prozentpunkte die größte Verbesserung.

Warum eine steigende Verschuldung problematisch ist

Staatliche Kredite können wichtige Investitionen ermöglichen. Wenn die Verschuldung jedoch dauerhaft zunimmt, können auch die Zinsausgaben steigen und der finanzielle Handlungsspielraum der Regierungen schrumpfen.
Besonders schwierig wird die Situation, wenn gleichzeitig das Wirtschaftswachstum schwach bleibt oder die Kreditkosten steigen.
Die europäischen Regierungen müssen deshalb notwendige Investitionen mit glaubwürdigen Plänen zur Kontrolle künftiger Ausgaben in Einklang bringen.
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Wie geht es weiter?

Die aktuellen Zahlen zeigen unterschiedliche Entwicklungen innerhalb Europas. Während Griechenland seine Schuldenlast verringert, stehen Italien und Frankreich unter zusätzlichem finanziellen Druck.
Ob die öffentlichen Finanzen langfristig tragfähig bleiben, wird unter anderem vom Wirtschaftswachstum, den Kreditbedingungen und der Fähigkeit der einzelnen Länder abhängen, ihre künftigen Haushaltsdefizite zu begrenzen.
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