Industrie im Aufschwung

· Wissenschaftsteam
Die Industrie in der Eurozone hat im September 2026 deutlich an Fahrt gewonnen. Eine stärkere Nachfrage, eine steigende Produktion und mehr Exportaufträge sorgten für positive Impulse.
Die aktuelle Unternehmensumfrage deutet darauf hin, dass Europas Fabriken nach einer längeren Phase industrieller Schwäche wieder vor einer vielversprechenderen Entwicklung stehen.
Industrie erreicht höchsten Stand seit vier Jahren
Der S&P Global Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone stieg im September auf 52,9 Punkte, nachdem er im August bei 52,7 Punkten gelegen hatte. Damit erreichte er den höchsten Wert seit Mai 2022 und verzeichnete bereits den dritten monatlichen Anstieg in Folge.
Der Einkaufsmanagerindex misst anhand von Befragungen unter Einkaufsmanagern die Geschäftslage in Unternehmen. Ein Wert über 50 Punkten signalisiert Wachstum, während ein Wert unter 50 Punkten auf einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität hindeutet.
Das aktuelle Ergebnis spricht somit für ein anhaltendes Wachstum der Industrieproduktion und nicht für eine Rückkehr zu rückläufigen Geschäftsbedingungen.
Auch der Produktionsindex, der die Entwicklung der Fertigung erfasst, legte zu und erreichte mit 53,6 Punkten den höchsten Stand seit 55 Monaten. Das deutet darauf hin, dass die Fabriken ihre Produktion angesichts der verbesserten Nachfrage ausgeweitet haben.
Allerdings lässt ein höherer PMI nicht unmittelbar erkennen, um wie viel Prozent die tatsächliche Industrieproduktion gestiegen ist. Vielmehr zeigt er die Richtung und Verbreitung der von Unternehmen gemeldeten Veränderungen und gilt damit als wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung.
Mehr Aufträge und Exporte treiben die Produktion an
Eine der auffälligsten Entwicklungen im September war der deutliche Anstieg der Neuaufträge. Das Auftragswachstum erreichte den höchsten Wert seit Anfang 2022. Dies deutet darauf hin, dass die Hersteller mehr Bestellungen für Waren und Ausrüstung erhielten.
Auch die Auslandsnachfrage entwickelte sich deutlich positiver. Das Exportwachstum erreichte den stärksten Wert seit mehr als viereinhalb Jahren.
Eine steigende internationale Nachfrage kann die Auslastung der Fabriken verbessern, die Umsatzplanung erleichtern und Unternehmen dazu bewegen, ihre Produktionskapazitäten auszubauen.
Die Niederlande verzeichneten das stärkste Industriewachstum innerhalb der Eurozone. Auch Deutschland meldete eine solide Expansion, während Frankreich, Italien und Spanien moderatere Zuwächse erzielten.
Diese breite Verbesserung ist besonders wichtig, da die Industrie in der Eurozone stark von miteinander vernetzten Lieferketten abhängig ist. Eine höhere Nachfrage in einem Land kann auch Zulieferern, Herstellern von Bauteilen und Logistikunternehmen in anderen Teilen Europas zugutekommen.
Investitionsgüter treiben die Erholung voran
Die Nachfrage nach Investitionsgütern, darunter Maschinen und Industrieanlagen, leistete einen wichtigen Beitrag zum Aufschwung.
Unternehmen kaufen solche Produkte, um ihre Produktionskapazitäten zu erweitern, ihre Fertigungsanlagen zu modernisieren und ihre Effizienz zu steigern.
Zusätzliche Impulse kommen von der wachsenden Nachfrage nach Ausrüstung für KI-Infrastrukturen. Davon profitieren insbesondere Hersteller, die fortschrittliche Technologien und dazugehörige Industriekomponenten liefern.
Allerdings verläuft die Erholung nicht in allen Produktkategorien gleich stark. Die Nachfrage nach Konsumgütern bleibt schwach, da die gestiegenen Lebenshaltungskosten die Kaufkraft vieler Haushalte belasten.
Dadurch entsteht eine deutliche Lücke zwischen den Unternehmensinvestitionen und den alltäglichen Konsumausgaben.
Hersteller, die hauptsächlich Geschäftskunden beliefern, können daher von einer stärkeren Auftragslage profitieren als Unternehmen, deren Geschäft vor allem von der Nachfrage privater Haushalte abhängt.
Diese Unterscheidung ist wichtig, um einschätzen zu können, welche Industriezweige besonders gute Chancen haben, vom aktuellen Aufschwung zu profitieren.
Mehr Neueinstellungen, aber steigende Kosten bleiben ein Risiko
Nach drei Jahren mit anhaltendem Stellenabbau stellten die Industrieunternehmen im September erstmals wieder in moderatem Umfang neue Mitarbeiter ein.
Die verbesserte Auftragslage scheint einige Unternehmen dazu veranlasst zu haben, ihre Belegschaft angesichts des steigenden Produktionsbedarfs aufzustocken.
Dennoch steht die Erholung am Arbeitsmarkt noch am Anfang. Viele Unternehmen dürften weiterhin zurückhaltend sein, wenn es um größere Neueinstellungen geht, solange nicht klar ist, ob die stärkere Nachfrage von Dauer sein wird.
Eine weitere Herausforderung sind die steigenden Kosten. Im September meldeten die Hersteller sowohl bei den Einkaufspreisen als auch bei den Verkaufspreisen stärkere Zuwächse.
Höhere Ausgaben für Rohstoffe, Energie und andere Vorleistungen können die Gewinnmargen belasten, wenn Unternehmen diese Mehrkosten nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben können.
Steigende Verkaufspreise wiederum könnten Verbraucher und Geschäftskunden dazu veranlassen, ihre Ausgaben stärker einzuschränken.
Einschätzung eines Experten
Chris Williamson, Chefvolkswirt für Unternehmensforschung bei S&P Global Market Intelligence, wies trotz der positiven Entwicklung in der Industrie auf die anhaltende Schwäche der privaten Konsumnachfrage hin:
„Die Nachfrage nach Konsumgütern geht weiterhin zurück ... Die gestiegenen Lebenshaltungskosten bremsen die Ausgaben der privaten Haushalte.“
Die Industrie in der Eurozone hat im September 2026 deutlich an Stärke gewonnen. Der Einkaufsmanagerindex stieg auf 52,9 Punkte, während Produktion, Neuaufträge und Exporte spürbar zulegten.
Besonders die Niederlande und Deutschland entwickelten sich positiv. Zudem begannen die Industrieunternehmen wieder in moderatem Umfang, neue Mitarbeiter einzustellen.
Dennoch bleiben steigende Produktionskosten und die schwache Nachfrage nach Konsumgütern wichtige Herausforderungen.
Wie nachhaltig die Erholung ausfällt, wird davon abhängen, ob die Fabriken das Wachstum ihrer Auftragsbücher aufrechterhalten, ihre Kosten unter Kontrolle halten und die stärkere Nachfrage dauerhaft in eine höhere Produktion und zusätzliche Investitionen umwandeln können.