Wetter im All
Lars
Lars
| 02-11-2026
Astronomieteam · Astronomieteam
Das Wetter ist längst nicht mehr nur ein Phänomen, das Wissenschaftler innerhalb unseres Sonnensystems untersuchen können.
Astronomen haben erstmals bestätigt, dass sich die Dicke von Wasserwolken auf einem weit entfernten Himmelskörper im Laufe der Zeit verändert.
Wetter im All
Die Entdeckung gelang mithilfe des James-Webb-Weltraumteleskops, das den Himmelskörper WISE 0855 beobachtete. Dabei handelt es sich um einen außergewöhnlich kalten Braunen Zwerg, der etwa 7,5 Lichtjahre von der Erde entfernt ist.
Die im Oktober 2026 vorgestellten Ergebnisse zeigen eine dynamische Atmosphäre, die von wechselnden Wolken und Gasen geprägt wird, die aus tieferen Schichten des Himmelskörpers aufsteigen.

Eine fremdartige Welt außerhalb unseres Sonnensystems

WISE 0855 gehört zu einer besonderen Kategorie von Himmelskörpern, den sogenannten Braunen Zwergen.
Diese ungewöhnlichen Objekte befinden sich an der Grenze zwischen Planeten und Sternen. Sie entstehen ähnlich wie Sterne, verfügen jedoch nicht über genügend Masse, um die Wasserstofffusion aufrechtzuerhalten, die gewöhnliche Sterne zum Leuchten bringt.
WISE 0855 hat ungefähr die Größe des Jupiters, seine Masse ist jedoch etwa doppelt so groß. Die Temperatur seiner Atmosphäre liegt bei rund −8 °C. Damit gilt er als der kälteste bekannte Braune Zwerg.
Obwohl er nicht als Planet eingestuft wird, weist der Himmelskörper einige Eigenschaften eines Gasriesen auf. Dadurch ist er besonders interessant für die Erforschung atmosphärischer Prozesse außerhalb unseres Sonnensystems.

Wie die Wissenschaftler die Wolken entdeckten

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Brittany Miles von der University of Arizona beobachtete WISE 0855 insgesamt elf Stunden lang ohne Unterbrechung.
Mithilfe des Spektrografen des Weltraumteleskops erfassten die Wissenschaftler alle 15 Minuten detaillierte Messungen des Lichts. So konnten sie Veränderungen erkennen, die mit unterschiedlichen Molekülen und Atmosphärenschichten zusammenhängen.
Frühere Teleskope konnten zwar Helligkeitsschwankungen feststellen, doch es war schwierig, die Auswirkungen von Wolken, Temperatur und atmosphärischer Chemie voneinander zu unterscheiden.
Die neuen Messungen lieferten deutlich genauere Ergebnisse. Die Forscher bestätigten, dass die hoch gelegenen Wasserwolken beim Rotieren des Braunen Zwergs abwechselnd dichter und dünner wurden.

Was geschieht unterhalb der Wolken?

Die Veränderungen der Wolkendecke waren nur ein Teil der Entdeckung. Die Wissenschaftler stellten außerdem Schwankungen bei Kohlenmonoxid und Phosphin fest.
Offenbar werden diese Gase durch Konvektionsströmungen aus tieferen Atmosphärenschichten nach oben transportiert. Dabei steigt wärmeres Material auf, während kühleres Material absinkt. Auf diese Weise werden Gase innerhalb der Atmosphäre ständig umgewälzt.
Ein ähnlicher Prozess findet auch auf dem Jupiter statt. Durch die gezielte Untersuchung einzelner molekularer Signale konnten die Forscher Veränderungen durch Wolken von solchen unterscheiden, die durch aufsteigende Gase verursacht werden.

Warum diese Entdeckung so wichtig ist

Die Beobachtungen deuten darauf hin, dass einige grundlegende atmosphärische Prozesse auf ganz unterschiedlichen Himmelskörpern ähnlich ablaufen. Obwohl WISE 0855 technisch gesehen kein Planet ist, ähneln seine wechselnden Wolken und atmosphärischen Strömungen den Vorgängen auf Gasriesen.
Das liefert wertvolle Erkenntnisse für Wissenschaftler, die weit entfernte Welten erforschen, die andere Sterne umkreisen.
Ein besseres Verständnis davon, wie Wasserwolken das beobachtete Licht beeinflussen, könnte außerdem dabei helfen, zukünftige Teleskopmessungen genauer auszuwerten.
Wichtig ist allerdings: der Nachweis von Wasserwolken bedeutet nicht, dass es auf diesem Himmelskörper flüssige Ozeane oder lebensfreundliche Bedingungen gibt.
Wetter im All

Was Astronomen als Nächstes herausfinden wollen

Die Forschungsergebnisse, die zur Veröffentlichung im Fachjournal The Astrophysical Journal angenommen wurden, verdeutlichen die beeindruckende Leistungsfähigkeit moderner Weltraumteleskope.
Die Wissenschaftler hoffen nun auf längere Beobachtungszeiträume, um die Rotation und den Aufbau der Atmosphäre von WISE 0855 noch besser zu verstehen.
Künftige Messungen könnten zeigen, wie Wolken, Temperaturen und chemische Prozesse in der Atmosphäre miteinander wechselwirken und sich im Laufe der Zeit verändern.
Die Entdeckung deutet darauf hin, dass auch weit entfernte Himmelskörper über komplexe und ständig wechselnde Wettersysteme verfügen können.
Obwohl sie viele Billionen Kilometer von der Erde entfernt sind, könnten in ihren Atmosphären dieselben grundlegenden physikalischen Gesetze gelten wie bei uns. Damit eröffnen sich Astronomen neue Möglichkeiten, die erstaunliche Vielfalt der Bedingungen im Universum zu erforschen.
0.005330s