Plitvicer Seen
Dirk
Dirk
| 02-11-2026
Reiseteam · Reiseteam
Die Plitvicer Seen gehören zu den beeindruckendsten Naturwundern Europas.
Mit ihren türkisfarbenen Gewässern, zahlreichen Wasserfällen, dichten Wäldern und spektakulären Felslandschaften bieten sie eine Kulisse, die sich deutlich von der bekannten Adriaküste Kroatiens unterscheidet.
Der älteste Nationalpark des Landes ist ein ideales Reiseziel für Naturliebhaber, Wanderfreunde und alle, die eine außergewöhnliche Landschaft entdecken möchten. Doch wann lohnt sich ein Besuch besonders, welche Wanderwege sind empfehlenswert und was sollte man vor der Reise wissen?

Ein Naturparadies mit 16 Seen

Der Nationalpark Plitvicer Seen (Nacionalni park Plitvička jezera) liegt in der kroatischen Region Lika und besteht aus 16 miteinander verbundenen Seen sowie zahlreichen Wasserfällen.
Umgeben von steilen Felswänden und weitläufigen Waldgebieten entsteht hier eine einzigartige Landschaft, deren Erscheinungsbild sich durch das Zusammenspiel von Wasser, Pflanzen und natürlichen Ablagerungen ständig verändert.
Eine Besonderheit sind die sogenannten Travertinbarrieren, die die einzelnen Seen voneinander trennen. Travertin ist ein poröses Gestein, das entsteht, wenn sich Kalziumkarbonat aus dem Wasser ablagert.
Dieser Prozess dauert Tausende von Jahren und wird durch Moose und andere Pflanzen unterstützt. Die natürlichen Barrieren sind bereits etwa 6.000 bis 7.000 Jahre alt und bilden sich bis heute weiter.
Der Park wurde 1949 zum Nationalpark erklärt. Mit einer Fläche von rund 115 Quadratmeilen (etwa 298 Quadratkilometern) gehört er zu den bedeutendsten Naturschutzgebieten Kroatiens. 1979 nahm die UNESCO die Plitvicer Seen in die Liste des Weltnaturerbes auf. 1997 wurde das geschützte Gebiet an die Grenzen des Nationalparks angepasst.
Plitvicer Seen

Wann ist die beste Reisezeit?

Als meistbesuchter Nationalpark Kroatiens zieht Plitvice besonders in den Sommermonaten zahlreiche Touristen an. Im Juli und August können die Wege schnell überfüllt sein. Wer in dieser Zeit kommt, sollte möglichst früh am Morgen starten, am besten direkt zur Öffnung des Parks.
So lassen sich die schönsten Aussichtspunkte in vergleichsweise ruhiger Atmosphäre erkunden. Außerdem entgeht man der größten Mittagshitze. Wesentlich entspannter ist ein Besuch im Frühling oder Herbst.
Besonders April, Mai und Oktober bieten mehrere Vorteile: Es sind weniger Menschen unterwegs und die Eintrittspreise liegen deutlich unter dem Sommerniveau.
Im Oktober verwandeln sich die umliegenden Wälder zudem in ein farbenprächtiges Schauspiel aus goldenen, kupferfarbenen und rötlichen Tönen.
Auch der Winter hat seinen besonderen Reiz. Bei starkem Schneefall verwandeln sich die Wasserfälle teilweise in beeindruckende Eisformationen. Allerdings sind während dieser Jahreszeit einige Bereiche des Nationalparks geschlossen.

Die schönsten Aussichtspunkte

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten gehört der Veliki Slap, der mit einer Höhe von 78 Metern als höchster Wasserfall des Parks beeindruckt. Besonders schöne Ausblicke bieten sowohl der Bereich direkt am Fuß des Wasserfalls als auch ein Aussichtspunkt am oberen Wanderweg in der Nähe von Eingang 1.
Ein weiteres Highlight ist der Veliki Prštavac. Hier stürzt das Wasser vom See Galovac über eine breite, moosbewachsene Felswand in die Tiefe.
Einen besonders weiten Blick über die Landschaft ermöglicht der Aussichtspunkt Tomićevo Pogledalo, der 2024 eröffnet wurde. Von der Plattform aus lassen sich gleich fünf der umliegenden Seen überblicken. Der Zugang erfolgt über einen Wanderweg, der am See Okrugljak beginnt.
Doch oft sind es gerade die Holzstege, die den besonderen Reiz des Nationalparks ausmachen. Sie führen direkt über das Wasser, vorbei an türkisfarbenen Naturbecken und rauschenden Wasserfällen. Besonders sehenswert ist die Kette von Wasserfällen zwischen den Seen Kaluđerovac und Novakovića Brod.

Die schönsten Wanderwege

Die beliebtesten Wanderstrecken verlaufen entlang der Seen und verbinden die verschiedenen Bereiche des Nationalparks miteinander. Je nach verfügbarer Zeit können Besucher zwischen kürzeren Spaziergängen und ausgedehnten Wanderungen wählen.
Wanderweg H: Ein Erlebnis für einen halben Tag
Wer möglichst viel vom Nationalpark sehen möchte, kann den Wanderweg H wählen. Die etwa 5,5 Meilen (rund 8,9 Kilometer) lange Strecke dauert ungefähr fünf Stunden und führt durch die oberen und unteren Seen.
Der Ausgangspunkt ist Eingang 2. Von dort geht es zunächst mit dem Panoramazug zum Ufer des Sees Prošćansko. Anschließend führt der Weg durch die beeindruckende Landschaft der oberen Seen, darunter Okrugljak, Vir und Galovac.
Danach überquert man den Kozjak-See mit einem Elektroboot. Auf der anderen Seite führt der Wanderweg durch die Schlucht der unteren Seen. Unterwegs passiert man die Seen Milanovac, Gavanovac und Kaluđerovac, bevor man den beeindruckenden Wasserfall Veliki Slap erreicht.
Für den Rückweg geht es entweder auf der östlichen Seite der Schlucht zum Panoramazug oder entlang des Ufers des Kozjak-Sees zurück zum Eingang 2;
Wanderweg A: Ideal bei wenig Zeit
Wer nur wenige Stunden zur Verfügung hat, ist mit Wanderweg A gut beraten. Die rund zwei Meilen (etwa 3,2 Kilometer) lange Route lässt sich in ungefähr zwei Stunden bewältigen.
Sie beginnt an Eingang 1 und führt zunächst bergab zum Veliki Slap. Anschließend verläuft sie entlang der unteren Seen, bevor der Weg auf der östlichen Seite der Schlucht wieder ansteigt und zum Ausgangspunkt zurückführt;
Wandern außerhalb des Nationalparks
Auch die Umgebung der Plitvicer Seen bietet anspruchsvolle Wandermöglichkeiten. Besonders reizvoll ist die Route zum Gola Plješivica an der Grenze zu Bosnien und Herzegowina.
Die Wanderung beginnt im Dorf Mihaljevac nahe Korenica. Von dort führt der Weg durch bewaldete Berghänge hinauf zu den Sendemasten auf dem Mala Plješivica. Anschließend geht es entlang des Grenzkamms weiter zum Gipfel des Gola Plješivica.
Der Weg kombiniert Schotterstraßen und Waldpfade. Einige Abschnitte sind recht steil, dafür werden Wanderer mit einem beeindruckenden Panorama belohnt. Der Gipfel liegt auf 1.646 Metern und beherbergt außerdem eine verlassene Radarstation.
Die gesamte Strecke ist etwa 8,5 Meilen (rund 13,7 Kilometer) lang und umfasst knapp 1.100 Höhenmeter. Für die Wanderung sollte man mindestens sieben Stunden ohne längere Pausen einplanen. Festes Schuhwerk, wetterfeste Kleidung und ausreichend Wasser sind unbedingt erforderlich.
Die besten Monate für diese Tour sind Juni und September. Im Juli und August kann es in den Bergen sehr heiß werden. Wer Unterstützung benötigt, kann in Korenica örtliche Wanderführer engagieren.

Veliki Prštavac

Welche Tiere leben im Nationalpark?

Die abwechslungsreichen Lebensräume der Plitvicer Seen bieten zahlreichen Tierarten ein Zuhause. Besonders bemerkenswert ist, dass hier alle drei großen europäischen Raubtiere vorkommen: Braunbären, Grauwölfe und Luchse.
Darüber hinaus wurden im Nationalpark rund 22 Fledermausarten, 168 Vogelarten und mehr als 80 Schmetterlingsarten nachgewiesen.
Zu den hier lebenden Vögeln gehören Uhus, Wanderfalken, Bussarde, Wachtelkönige, Wasseramseln, Steinadler und sieben verschiedene Spechtarten.
Wer Vögel beobachten möchte, sollte besonders die Ufer des Kozjak-Sees im Blick behalten. Auch Libellen lassen sich häufig in der Nähe der Seen entdecken. An den hohen Felswänden bestehen gute Chancen, Wanderfalken zu beobachten.
Der Braunbär ist zwar eines der bekanntesten Tiere des Parks, lässt sich jedoch nur selten blicken. Die Tiere meiden Menschen und halten sich bevorzugt in abgelegenen, dicht bewaldeten Gebieten auf.

Aktivitäten rund um die Seen

Neben Wanderungen gibt es weitere Möglichkeiten, die Natur der Plitvicer Seen und ihrer Umgebung zu erleben. Auf dem Kozjak-See können Besucher beispielsweise Ruderboote mieten und die Landschaft aus einer anderen Perspektive entdecken.
Radfahren ist innerhalb des Nationalparks nicht erlaubt. In der näheren Umgebung gibt es jedoch zahlreiche Möglichkeiten für Fahrradtouren, unter anderem rund um die Dörfer Rakovica und Korenica.
Wer lieber auf dem Wasser unterwegs ist, kann auf dem Fluss Mrežnica Kajaktouren unternehmen. Dabei geht es mit erfahrenen lokalen Guides an mehreren Wasserfällen vorbei. Auch Rafting auf dem Fluss Korana gehört zu den möglichen Aktivitäten.
Zu den örtlichen Anbietern für Rafting und Kajakfahren zählen Plitvice Outdoor und Rastoke Active. Darüber hinaus werden in der Umgebung auch Ausritte zu Pferd angeboten.
Ein besonders lohnendes Ausflugsziel ist das malerische Dorf Rastoke. Es ist für seine historischen Wassermühlen aus Holz und die zahlreichen kleinen Wasserfälle bekannt. Der Ort liegt am Zusammenfluss der Flüsse Korana und Slunjčica.
Ebenfalls sehenswert sind die Barać-Höhlen (Baraćeve špilje) nahe dem Dorf Nova Kršlja. Bei geführten Touren können Besucher einen rund 500 Meter langen Abschnitt des oberen Höhlenbereichs erkunden. Dort sorgen beeindruckende Stalaktiten und Stalagmiten für eine außergewöhnliche Atmosphäre.
Die Höhlen beherbergen außerdem eine große Kolonie aus Großen und Kleinen Hufeisennasen. Während ihres Winterschlafs bleiben sie von November bis April geschlossen.
Technik- und Geschichtsinteressierte können außerdem das Nikola-Tesla-Gedenkzentrum im Dorf Smiljan besuchen. Dort wurde der berühmte Erfinder und Elektroingenieur 1856 geboren.

Familienausflüge und Abenteuer

Auch Familien mit Kindern finden rund um die Plitvicer Seen zahlreiche Möglichkeiten für einen abwechslungsreichen Urlaub.
Im nahe gelegenen Adrenalin Park Plitvice wartet eine rund 300 Meter lange Seilrutsche, die über die Schlucht des Flusses Korana führt. Dabei erreichen Besucher Geschwindigkeiten von bis zu 40 Meilen pro Stunde (etwa 64 km/h).
Der Adrenalin Park Ogi in Rakovica bietet einen Hochseilgarten, der besonders für abenteuerlustige Familien interessant ist.
Wer es etwas ruhiger mag, kann die beeindruckenden Ruinen der Festung Drežnik besichtigen oder die nahe gelegene Hirschfarm besuchen.
Doch die größte Attraktion für Kinder dürfte wohl die Natur selbst sein: türkisfarbene Seen, kleine Wasserfälle und Holzstege, die mitten durch diese außergewöhnliche Landschaft führen.

Übernachtungsmöglichkeiten in der Umgebung

Wer den Nationalpark ohne Zeitdruck erkunden möchte, sollte mindestens eine Übernachtung in der Umgebung einplanen.
Besonders praktisch liegt das Hotel Jezero direkt neben Eingang 2. Das größere Hotel bietet zahlreiche Zimmer und ist aufgrund seiner Lage eine bequeme Wahl für Besucher, die früh in den Park starten möchten. Allerdings könnte die Ausstattung angesichts der Preise und des hohen Hotelstandards in anderen Teilen Kroatiens eine Modernisierung vertragen.
Eine attraktivere Alternative bieten kleinere, modernere Hotels und Pensionen in der Umgebung. Dazu gehören das Lakeside Hotel und das Fenomen Plitvice. Beide befinden sich in oder nahe dem Dorf Plitvica Selo, westlich der Schlucht der unteren Seen.
Auch das Dorf Rastoke eignet sich als Ausgangspunkt, um weitere Wasserfälle und historische Sehenswürdigkeiten der Region zu entdecken.

Anreise und Eintrittspreise

Der Nationalpark verfügt über zwei Haupteingänge. Eingang 1 liegt in der Nähe des Wasserfalls Veliki Slap, während Eingang 2 einen günstigeren Zugang zum Kozjak-See und zum Hotel Jezero bietet.
Beide Eingänge befinden sich an der Straße D429 und sind jeweils ungefähr 85 Meilen (rund 137 Kilometer) von Zagreb und Zadar entfernt.
Die Anreise mit dem Bus ist unkompliziert. Von Zagreb dauert die Fahrt weniger als zweieinhalb Stunden, von Zadar aus ist man in weniger als zwei Stunden am Ziel. Fahrkarten können online über den zentralen Busbahnhof von Zagreb beziehungsweise über Croatia Bus gebucht werden.
An beiden Parkeingängen gibt es Bushaltestellen. Auch regionale Busverbindungen, beispielsweise zwischen Plitvica Selo und dem Nationalpark, werden angeboten.
Eintrittskarten sind für einen oder zwei Tage erhältlich. Im Preis sind der Zugang zum Nationalpark, die elektrischen Ausflugsboote und der Panoramazug enthalten.
Die Eintrittspreise im Überblick:
- Juni bis September: 40 Euro für Erwachsene und 15 Euro für Kinder;
- April, Mai und Oktober: 23 Euro für Erwachsene und 6 Euro für Kinder.
Kinder unter sieben Jahren haben freien Eintritt.
Plitvicer Seen

Wie barrierefrei ist der Nationalpark?

Ein Besuch der Plitvicer Seen ist auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität teilweise möglich. Einige Abschnitte der Wanderwege sind für Rollstuhlfahrer geeignet. Auch die Elektroboote und der Panoramazug können genutzt werden.
Allerdings stellt die natürliche Beschaffenheit des Geländes eine Herausforderung dar. Viele Wege sind uneben oder felsig, während die Holzstege teilweise schmal sind und an einigen Stellen über Treppen verfügen.
Eine besonders gute Alternative ist der Aussichtspunkt nahe Eingang 1. Dieser ist vollständig rollstuhlgerecht und ermöglicht einen schönen Blick auf die umliegende Landschaft.
Wer die Plitvicer Seen besuchen möchte, sollte seine Route deshalb im Voraus planen und sich über die Zugänglichkeit der einzelnen Bereiche informieren.
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