Stressfrei durch Routinen

· Wissenschaftsteam
Stressbewältigung bedeutet mehr, als in schwierigen Situationen ruhig zu reagieren. Alltägliche Gewohnheiten wie ein regelmäßiges Frühstück, ausreichend Schlaf und körperliche Aktivität können mit der Fähigkeit des Geistes zusammenhängen, sich an Herausforderungen anzupassen.
Eine Studie der Binghamton University legt nahe, dass diese Gewohnheiten mit psychologischer Flexibilität verbunden sind. Diese Fähigkeit hilft Menschen dabei, ihre Gedanken und Handlungen anzupassen, wenn die Umstände schwierig werden.
Psychologische Flexibilität verstehen
Psychologische Flexibilität bezeichnet die Fähigkeit, konstruktiv auf Veränderungen der Lebensumstände, Gefühle oder Erwartungen zu reagieren. Anstatt in einem wenig hilfreichen Denkmuster gefangen zu bleiben, kann eine psychologisch flexible Person ihre emotionalen Reaktionen erkennen, eine Situation neu bewerten und eine Reaktion wählen, die zu den jeweiligen Umständen passt.
Diese Fähigkeit bedeutet nicht, unangenehme Gefühle zu vermeiden oder so zu tun, als seien Probleme unwichtig. Vielmehr geht es darum, Unbehagen anzuerkennen und gleichzeitig handlungsfähig zu bleiben. Eine unerwartete Verzögerung kann beispielsweise Frustration auslösen. Flexibles Denken ermöglicht es jedoch, die Aufmerksamkeit auf verfügbare Alternativen zu richten. Das Problem bleibt möglicherweise lästig, aber der Umgang damit kann leichter werden.
Was die Forscher herausfanden
Das Forschungsteam sammelte anonyme Umfrageantworten von etwa 400 Studierenden. Die Teilnehmer machten Angaben zu ihren Essgewohnheiten, ihrem Schlaf, ihrer körperlichen Aktivität und weiteren Lebensstilfaktoren. Anschließend untersuchten die Forscher, wie diese Verhaltensmuster mit psychologischer Flexibilität und Widerstandsfähigkeit zusammenhingen.
Studierende, die angaben, mindestens fünfmal pro Woche zu frühstücken, zeigten tendenziell eine größere psychische Widerstandsfähigkeit. Psychologische Flexibilität trug dazu bei, diesen Zusammenhang zu erklären. Teilnehmer, die sich regelmäßig körperlich betätigten, erzielten ebenfalls tendenziell höhere Werte bei der psychologischen Flexibilität.
Auch der Schlaf erwies sich als wichtiger Faktor. Studierende, die weniger als sechs Stunden pro Nacht schliefen, berichteten im Allgemeinen von einer geringeren Widerstandsfähigkeit und weniger psychologischer Flexibilität als diejenigen mit gesünderen Schlafgewohnheiten.
Einschätzung einer Expertin
Lina Begdache, außerordentliche Professorin für Gesundheits- und Wellnesswissenschaften an der Binghamton University und Hauptautorin der Studie, erläuterte die Bedeutung psychologischer Flexibilität im Umgang mit alltäglichem Stress:
„Wenn wir unter Stress stehen, fühlen wir uns, als würden wir mit dem Stress verschmelzen. Wir leben den Stress.
Psychologische Flexibilität ist jedoch so, als würde man einen Schritt zurücktreten und überlegen: ‚Ich fühle mich so, weil das passiert ist. Was kann ich tun?‘ Wenn man seine Gefühle erkennt, hilft das manchmal dabei, eine Lösung für diese Gefühle zu finden.“
Warum das Frühstück wichtig sein könnte
Das Frühstück bietet die Möglichkeit, nach der nächtlichen Nahrungspause neue Energie aufzunehmen. Eine ausgewogene Mahlzeit am Morgen kann Eiweißquellen, ballaststoffreiche Kohlenhydrate, Obst und andere nährstoffreiche Lebensmittel enthalten.
Die Studie untersuchte nicht, ob eine bestimmte Zusammensetzung des Frühstücks die psychische Widerstandsfähigkeit verbessert. Stattdessen zeigte sich bei den befragten Studierenden ein Zusammenhang zwischen regelmäßigem Frühstück, größerer psychologischer Flexibilität und höherer Widerstandsfähigkeit.
Auch Schlaf und Bewegung spielen eine Rolle
Ausreichend Schlaf unterstützt die Aufmerksamkeit, die Regulierung von Emotionen, das Gedächtnis und die Entscheidungsfähigkeit. Schlafmangel kann dazu führen, dass alltägliche Anforderungen belastender erscheinen. Außerdem stehen möglicherweise weniger geistige Ressourcen zur Verfügung, um ruhig auf Herausforderungen zu reagieren.
Körperliche Aktivität kann diese Vorteile ergänzen. Gehen, Radfahren, Schwimmen und andere Bewegungsformen können die Schlafqualität und das allgemeine Wohlbefinden fördern.
Eine Untersuchung mit etwa 400 Studierenden ergab, dass regelmäßiges Frühstücken, ausreichend Schlaf und körperliche Aktivität mit größerer psychologischer Flexibilität und Widerstandsfähigkeit verbunden waren. Diese geistige Fähigkeit kann Menschen dabei helfen, ihre emotionalen Reaktionen besser zu erkennen und wirksamer mit Herausforderungen umzugehen.