Bewegung schützt das Herz
Andrea
Andrea
| 30-10-2026
Wissenschaftsteam · Wissenschaftsteam
Körperliche Aktivität wird allgemein zur Erhaltung der Herz-Kreislauf-Gesundheit empfohlen. Dennoch wird Bewegung in der medizinischen Behandlung nicht immer so systematisch berücksichtigt wie Medikamente oder andere klinische Maßnahmen.
Eine neue wissenschaftliche Stellungnahme des American College of Cardiology (ACC) fordert eine Änderung dieser Vorgehensweise. Individuell angepasste Bewegungspläne sollen künftig zu einem festen Bestandteil der Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden.
Die im Oktober 2026 im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichte Stellungnahme fasst wissenschaftliche Erkenntnisse zu körperlicher Aktivität, strukturiertem Training und kardiorespiratorischer Fitness zusammen.
Die zentrale Botschaft ist praxisnah: Regelmäßige Bewegung kann die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern, die langfristige Gesundheit fördern und die Lebensqualität steigern – selbst wenn zunächst nur kleine Veränderungen im Alltag vorgenommen werden.

Warum Fitness für die Herz-Kreislauf-Gesundheit wichtig ist

Die kardiorespiratorische Fitness beschreibt, wie effektiv der Körper bei längerer körperlicher Belastung Sauerstoff zu den arbeitenden Muskeln transportiert. Sie spiegelt das Zusammenspiel von Herz, Lunge, Kreislauf und Muskulatur wider und gilt daher als wichtiger Indikator für die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit.
Körperliche Aktivität trägt außerdem dazu bei, bereits bestehende Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und eine gestörte Blutzuckerregulation zu kontrollieren. Bewegung kann zwar notwendige Medikamente nicht ersetzen, sie kann jedoch die medizinische Behandlung ergänzen und dazu beitragen, mehrere Risikofaktoren gleichzeitig zu beeinflussen.

Schon kleine Schritte können viel bewirken

Eine besonders ermutigende Erkenntnis lautet, dass deutliche Verbesserungen keine sofortige Verpflichtung zu anstrengenden Trainingseinheiten erfordern. Die in der Stellungnahme ausgewerteten Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen, die von völliger Inaktivität zu einem moderaten Maß an täglicher Bewegung übergehen, erhebliche gesundheitliche Vorteile erzielen können.
Für viele Menschen ist eine tägliche Schrittzahl von etwa 5.000 bis 7.000 Schritten mit spürbaren gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Dieser Bereich kann eine praktische Orientierung für Personen bieten, die derzeit einen Großteil des Tages im Sitzen verbringen. Die häufig genannten 10.000 Schritte sollten dagegen nicht als zwingendes Mindestziel betrachtet werden.
Die Schrittzahl ist allerdings keine allgemeingültige medizinische Vorgabe. Ein angemessenes Aktivitätsniveau hängt von der aktuellen Fitness, möglichen Beschwerden, bestehenden Erkrankungen und den individuellen Behandlungszielen ab. Für Menschen, die lange Zeit kaum körperlich aktiv waren, kann ein kürzerer Spaziergang ein sinnvoller Anfang sein.
Bewegung schützt das Herz

Einschätzung eines Experten

Jonathan Myers, PhD, Wissenschaftler im Bereich Gesundheitsforschung beim Palo Alto VA Healthcare System und Vorsitzender des Autorengremiums der ACC-Stellungnahme, betonte, wie wichtig es ist, Bewegung zu einem festen Bestandteil der medizinischen Versorgung zu machen.
„Die wichtigste Botschaft ist, dass Bewegung als grundlegender Bestandteil der Versorgung der Herz-Kreislauf-Gesundheit betrachtet werden sollte und nicht lediglich als eine Möglichkeit der Lebensstilgestaltung.“

Ausdauer- und Krafttraining kombinieren

Die Stellungnahme empfiehlt den meisten Menschen, sofern es gesundheitlich angemessen ist, Ausdauertraining mit Krafttraining zu kombinieren. Beide Trainingsformen bieten unterschiedliche Vorteile.
Ausdaueraktivitäten wie Gehen, Radfahren und Schwimmen beanspruchen das Herz-Kreislauf-System und können die Ausdauer verbessern. Krafttraining hilft dabei, die Muskelkraft zu erhalten und alltägliche Tätigkeiten zu erleichtern. Dazu gehören beispielsweise Treppensteigen, das Tragen von Einkäufen und das Aufstehen von einem Stuhl.

Technologie und kardiologische Rehabilitation

Tragbare Geräte können dabei helfen, das Aktivitätsniveau zu überwachen und Fortschritte im Laufe der Zeit sichtbar zu machen. Heimtrainingsprogramme und virtuelle Rehabilitationsangebote können den Zugang zu Bewegungsangeboten ebenfalls erleichtern. Das gilt insbesondere für Menschen, die Schwierigkeiten haben, zu Behandlungseinrichtungen zu gelangen, oder nicht regelmäßig an persönlichen Trainingseinheiten teilnehmen können.
Die kardiologische Rehabilitation bleibt für viele Menschen mit einer bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Solche Programme kombinieren in der Regel überwachte körperliche Aktivität mit Aufklärung und Unterstützung beim Umgang mit kardiovaskulären Risikofaktoren.

Sicherheit und individuelle Empfehlungen

Bei der Erstellung eines Bewegungsplans sollten Beschwerden, die Einnahme von Medikamenten, die körperliche Leistungsfähigkeit und weitere gesundheitliche Aspekte berücksichtigt werden. Die meisten Menschen, deren Gesundheitszustand stabil ist und die keine bedenklichen Symptome aufweisen, benötigen vor Beginn gewöhnlicher körperlicher Aktivitäten keinen Belastungstest.
Ein solcher Test kann jedoch sinnvoll sein, wenn medizinisches Fachpersonal genauere Informationen benötigt, um ein individuell angepasstes Trainingsprogramm zu erstellen.
Menschen mit einer bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankung sollten mit ihrem Behandlungsteam besprechen, welches Maß an körperlicher Aktivität für sie geeignet ist. Das gilt besonders dann, wenn Beschwerden auftreten oder sich der Gesundheitszustand vor Kurzem verändert hat.
Treten während des Trainings Brustbeschwerden, ein Gefühl drohender Ohnmacht oder ungewöhnliche Atemnot auf, sollte die Aktivität beendet und geeigneter medizinischer Rat eingeholt werden.
Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen die Vorteile einer verbesserten Fitness, der Kombination von Ausdauer- und Krafttraining sowie einer schrittweisen Steigerung der täglichen Bewegung.
Am wirksamsten ist ein Trainingsplan, der den individuellen gesundheitlichen Bedürfnissen entspricht und langfristig eingehalten werden kann.
Bewegung schützt das Herz
Indem medizinisches Fachpersonal Bewegung als unverzichtbaren Bestandteil der Behandlung statt als bloße allgemeine Empfehlung betrachtet, kann es mehr Menschen dabei unterstützen, ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit und Lebensqualität zu verbessern.
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