Blüten im Wandel

· Naturteam
Blütenpflanzen prägen große Teile der Natur – von tropischen Regenwäldern und offenen Graslandschaften bis hin zu Gärten und landwirtschaftlichen Flächen.
Wissenschaftler fragen sich seit Langem, wie diese Pflanzen sich so weit verbreiten konnten, während viele ihrer uralten Konkurrenten allmählich verschwanden.
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass dramatische Klimaveränderungen vor Millionen von Jahren bei diesem Wandel eine entscheidende Rolle spielten.
Eine im Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Nature Plants veröffentlichte Studie ergab, dass zwei außergewöhnlich warme Phasen der Erdgeschichte mit tiefgreifenden Veränderungen der Pflanzenvielfalt zusammenfielen. Dazu gehörten das massenhafte Aussterben bestimmter Pflanzengruppen und die Entstehung neuer Arten.
Die Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse über die Entwicklung heutiger Ökosysteme und werfen wichtige Fragen zu den Folgen der derzeitigen raschen Erderwärmung auf.
Wie Blütenpflanzen die Vorherrschaft erlangten
Blütenpflanzen, auch Angiospermen genannt, umfassen weltweit rund 400.000 Arten. Sie liefern Nahrung, Schutz und andere lebenswichtige Ressourcen für unzählige Tiere, Pilze und Mikroorganismen. Doch die Pflanzenwelt wurde nicht schon immer von ihnen dominiert.
Vor etwa 100 Millionen Jahren, während der Kreidezeit, begannen sie, ältere Pflanzengruppen zu verdrängen, die zuvor Hunderte Millionen Jahre lang weit verbreitet gewesen waren.
Wissenschaftler haben verschiedene Erklärungen für ihren Erfolg vorgeschlagen, darunter evolutionäre Neuerungen und veränderte Umweltbedingungen. Bis vor Kurzem ließ sich der genaue Einfluss des Klimas nur schwer bestimmen, da der Fossilienbestand erhebliche Lücken aufweist.
Was uralte Fossilien verrieten
Forscher aus Australien und Österreich untersuchten mehr als 60.000 fossile Nachweise. Dabei konzentrierten sie sich auf erhaltene Pollen und Sporen. Diese mikroskopisch kleinen Überreste liefern wertvolle Hinweise auf Pflanzen, die vor Millionen von Jahren lebten.
Anders als größere Pflanzenfossilien können Pollen und Sporen in Sedimentablagerungen erhalten bleiben und Aufschluss über die Vegetation vergangener Erdzeitalter geben.
Das Forschungsteam setzte statistische Verfahren ein, um Verzerrungen auszugleichen, die durch Unterschiede in der Verfügbarkeit von Fossilien zwischen verschiedenen Regionen und Erdzeitaltern entstehen.
Dadurch konnten die Wissenschaftler Veränderungen der Pflanzenvielfalt über einen Zeitraum von rund 130 Millionen Jahren rekonstruieren. Ihre Analyse identifizierte zwei bedeutende Phasen des evolutionären Wandels.
Extreme Hitze veränderte die Pflanzenwelt
Die stärksten Veränderungen traten während außergewöhnlich warmer Phasen in der mittleren Kreidezeit und im frühen Känozoikum auf. In diesen Zeiträumen verschwanden zahlreiche Pflanzengruppen, während neue, evolutionär verwandte Gruppen entstanden.
Die Forscher stellten fest, dass sowohl das Aussterben von Pflanzengruppen als auch die Entstehung neuer Arten eng mit extremer globaler Wärme zusammenhingen. Diese Veränderungen vollzogen sich über mehrere Millionen Jahre. In kühleren Phasen blieb die Pflanzenvielfalt dagegen vergleichsweise stabil.
Andere mögliche Erklärungen, darunter die geografische Trennung und die Konkurrenz zwischen Pflanzengruppen, wiesen einen deutlich schwächeren Zusammenhang mit den beobachteten Mustern auf.
Warum die Ergebnisse heute wichtig sind
Die Forschung legt nahe, dass das Klima die Entwicklung der biologischen Vielfalt an Land maßgeblich beeinflusst hat. Wissenschaftler warnen jedoch davor, daraus zu schließen, dass die heutige globale Erwärmung langfristig ähnliche positive Folgen haben wird.
Die Erwärmungsphasen der Erdgeschichte erstreckten sich über geologische Zeiträume. Dadurch hatten evolutionäre Prozesse Millionen Jahre Zeit, sich zu entfalten. Der heutige, vom Menschen verursachte Temperaturanstieg vollzieht sich dagegen erheblich schneller.
Chris Mays, Paläontologe am Naturhistorischen Museum Wien und Mitautor der Studie, warnt, dass die gegenwärtige Erwärmung zum Aussterben von Pflanzenarten in deutlich kürzerer Zeit führen könnte als frühere Klimaveränderungen.
Selbst wenn sich langfristig neue Arten entwickeln, könnte es Millionen Jahre dauern, bis die verlorene biologische Vielfalt ersetzt ist.
Die Vielfalt der Pflanzen schützen
Pflanzen tragen zum Erhalt nahezu aller Ökosysteme an Land bei. Sie fangen Sonnenenergie ein, nehmen Kohlendioxid auf und stellen anderen Lebewesen lebenswichtige Ressourcen zur Verfügung.
Der Verlust pflanzlicher Vielfalt könnte deshalb Nahrungsketten, Lebensräume und wichtige ökologische Wechselbeziehungen beeinträchtigen.
Die Studie zeigt, dass extreme Hitze die Entwicklung des Lebens auf der Erde wiederholt grundlegend verändert hat. Solche Veränderungen gingen jedoch häufig mit erheblichen Verlusten an biologischer Vielfalt einher.
Die Erkenntnisse sind gerade heute besonders relevant: wer versteht, wie das Klima vergangener Erdzeitalter die biologische Vielfalt geprägt hat, kann die Risiken für die Ökosysteme unserer Zeit besser einschätzen.
Bestehende Arten zu schützen, ist wesentlich praktikabler, als darauf zu hoffen, dass die Evolution sie in ferner Zukunft ersetzt.