Digitales Ausmalen

· Wissenschaftsteam
Das Studium bringt für viele junge Menschen nicht nur neue Chancen, sondern auch erheblichen Stress mit sich. Prüfungen, Abgabetermine und die Umstellung auf ein neues Lebensumfeld können die psychische Gesundheit belasten.
Eine Studie der University of Southampton zeigt nun, dass bewusstes Ausmalen dabei helfen kann, Stress abzubauen – und zwar sowohl mit Papier und Buntstiften als auch mit digitalen Geräten.
Ausmalen als einfache Entspannungshilfe
Bewusstes Ausmalen kann das Wohlbefinden fördern
Frühere Untersuchungen haben bereits darauf hingewiesen, dass Ausmalen die mentale Gesundheit positiv beeinflussen kann. Wer sich auf Farben und Formen konzentriert, richtet seine Aufmerksamkeit gezielt auf eine einzelne Tätigkeit. Das kann helfen, zur Ruhe zu kommen und belastende Gedanken vorübergehend in den Hintergrund treten zu lassen.
Ein Forschungsteam der University of Southampton wollte herausfinden, ob dieser Effekt auch beim digitalen Ausmalen auf Smartphones und Tablets auftritt. Dabei ging es insbesondere um die Frage, ob Anwendungen zum Ausmalen ähnliche Vorteile bieten wie die klassische Variante mit Papier und Buntstiften.
Fast 300 Studierende nahmen teil
Zwei Wochen lang testeten die Teilnehmenden unterschiedliche Methoden
Für die Studie wurden knapp 300 Studierende eingeladen, an einem Programm zum achtsamen Ausmalen teilzunehmen. Über einen Zeitraum von zwei Wochen absolvierten sie mindestens sechs Sitzungen.
Etwa die Hälfte der Teilnehmenden nutzte herkömmliche Buntstifte und Papier. Die andere Hälfte arbeitete mit digitalen Ausmalanwendungen.
Um mögliche Veränderungen zu erfassen, beantworteten die Studierenden vor und nach dem Programm Fragebögen zu ihrem psychischen Wohlbefinden. Dabei wurden unter anderem Stress, Achtsamkeit sowie selbst eingeschätzte Symptome von Depressionen und Angstzuständen berücksichtigt.
Beide Methoden zeigten positive Effekte
Digitales Ausmalen schnitt ähnlich gut ab wie die klassische Variante
Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Journal of Mental Health veröffentlicht wurden, waren vielversprechend. Beide Gruppen berichteten von deutlichen Verbesserungen bei Stress, Achtsamkeit und selbst eingeschätzten Symptomen von Depressionen und Angstzuständen.
Besonders stark profitierten den Angaben zufolge jene Studierenden, deren psychisches Wohlbefinden bereits vor Beginn des Programms schlechter ausgeprägt war.
Zwischen der digitalen und der traditionellen Methode zeigte sich kein wesentlicher Vorteil einer Variante. Damit deutet die Untersuchung darauf hin, dass auch das Ausmalen auf einem Bildschirm eine unkomplizierte Möglichkeit sein kann, im Studienalltag bewusste Entspannungspausen einzulegen.
Warum digitale Angebote sinnvoll sein können
Das Smartphone kann mehr sein als eine Quelle für Ablenkung
Die Psychologin Dr. Emma Palmer-Cooper, außerordentliche Professorin an der University of Southampton und Leiterin der Untersuchung, weist darauf hin, dass die Auswirkungen der Bildschirmzeit stark von der jeweiligen Aktivität abhängen.
Während bestimmte digitale Gewohnheiten, etwa die Nutzung sozialer Medien, mit einer schlechteren psychischen Gesundheit in Verbindung gebracht werden, können andere Anwendungen die Achtsamkeit fördern und das Wohlbefinden unterstützen.
Gerade für Studierende, die zum ersten Mal von zu Hause wegziehen und ihr gewohntes soziales Unterstützungsnetzwerk hinter sich lassen, kann diese Erkenntnis relevant sein. Einfache, kostengünstige Angebote könnten eine zusätzliche Möglichkeit bieten, mit alltäglichen Belastungen umzugehen.
Zudem sind Smartphones und Tablets für viele junge Menschen ohnehin leicht zugänglich. Digitale Ausmalprogramme könnten deshalb eine praktische Alternative sein, wenn Papier und Buntstifte gerade nicht zur Hand sind.
Kein Ersatz für professionelle Unterstützung
Die Methode ist einfach, aber nicht für jeden gleichermaßen geeignet
Die Forschenden betonen, dass achtsames Ausmalen eine niedrigschwellige Möglichkeit zur Förderung des psychischen Wohlbefindens darstellt. Es spricht jedoch nicht jeden Menschen gleichermaßen an und sollte nicht als Ersatz für professionelle psychologische oder medizinische Hilfe verstanden werden.
Die Untersuchung liefert vielmehr Hinweise darauf, dass digitale Geräte bei einer bewussten Nutzung auch positive Effekte haben können. Entscheidend ist daher nicht allein, wie viel Zeit Menschen vor einem Bildschirm verbringen, sondern auch, womit sie sich in dieser Zeit beschäftigen.
Die Studie mit dem Titel ‚Entwicklung skalierbarer Kurzinterventionen zur Förderung des Wohlbefindens von Studierenden im Hochschulbereich: Ein Vergleich zwischen digitalem und herkömmlichem Ausmalen‘ wurde 2026 im Journal of Mental Health veröffentlicht.
Sie ergänzt die Forschung zu einfachen Methoden, mit denen Studierende im Alltag Stress abbauen und ihr Wohlbefinden verbessern können.