Soccer-Boom in den USA

· Sportteam
Die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 hat den Fußball in den USA nachhaltig geprägt.
Was als großes internationales Turnier begann, hat sich zu einem Wendepunkt für den Sport entwickelt: millionen neue Fans kamen hinzu, und auch die Zuschauerzahlen bei Profiwettbewerben stiegen deutlich.
Die neuesten Zahlen deuten darauf hin, dass die Begeisterung über die WM hinaus anhält. Dadurch eröffnen sich neue Chancen für Vereine, Sender und junge Spieler.
Eine wachsende Fußball-Fangemeinde
Untersuchungen von Nielsen zeigen, dass die Zahl der Menschen in den USA, die sich als Fußballfans bezeichnen, von 66,8 Millionen im Juli 2025 auf 75,2 Millionen im Juli 2026 gestiegen ist. Das entspricht einem jährlichen Zuwachs von rund 13 Prozent oder 8,4 Millionen zusätzlichen Fans.
Auch die langfristige Entwicklung ist bemerkenswert. Zwischen 2022 und 2026 wuchs die Fußball-Fangemeinde des Landes um 27 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von rund 16 Millionen Menschen.
Die Zahlen zeigen, dass das Interesse am Fußball bereits vor dem jüngsten Turnier zunahm, während die Weltmeisterschaft den Sport einem noch breiteren Publikum näherbrachte.
Zu diesem Wachstum können mehrere Faktoren beitragen. Internationale Spiele bieten Neueinsteigern einen einfachen Zugang zum Fußball.
Wer einmal mit einer Mannschaft mitfiebert, bleibt möglicherweise auch nach dem Schlusspfiff am Ball. Beeindruckende Leistungen und gemeinsame Fußballabende können zudem dazu führen, dass aus gelegentlichen Zuschauern treue Fans werden.
Rekordquoten bei der Fußball-WM
Auch die TV-Zahlen verdeutlichen den Einfluss des Turniers. Laut einem Bericht von Sports Illustrated verfolgten das WM-Finale 2026 zwischen Spanien und Argentinien in den USA 62,8 Millionen Zuschauer. Damit war es das meistgesehene Fußballspiel in der Geschichte des Landes.
Die Zuschauerzahl übertraf den bisherigen Rekord für ein Spiel zwischen zwei Männer-Nationalmannschaften ohne US-Beteiligung. Dieser war beim Finale 2022 zwischen Argentinien und Frankreich aufgestellt worden, das in den USA 22,3 Millionen Zuschauer erreichte.
Auch andere Partien lockten außergewöhnlich viele Menschen vor die Bildschirme. Das Achtelfinale der US-amerikanischen Männer-Nationalmannschaft gegen Belgie erreichte 45,9 Millionen Zuschauer. Das Achtelfinalduell zwischen Mexiko und England verfolgten 44,9 Millionen Menschen.
Das frühere Gruppenspiel der US-Auswahl gegen Bosnien und Herzegowina kam auf 36,2 Millionen Zuschauer.
Diese Zahlen zeigen, dass sich das Interesse nicht nur auf das Finale beschränkte. Spiele mit unterschiedlichen Mannschaften zogen während des gesamten Turniers ein großes Publikum an und boten vielen Menschen zusätzliche Gründe, den Fußball zu verfolgen.
Profifußball profitiert vom WM-Boom
Eine der wichtigsten Fragen nach einem großen Turnier lautet, ob die neu gewonnenen Zuschauer auch weiterhin Vereinsfußball verfolgen werden. Die jüngsten Zuschauerzahlen stimmen optimistisch.
Nach der Wiederaufnahme des regulären Spielbetriebs in der Major League Soccer (MLS) verzeichneten die Übertragungen auf FOX und FS1 bei Männern zwischen 18 und 34 Jahren einen Zuschauerzuwachs von 55 Prozent gegenüber dem Zeitraum vor der WM.
Über alle Zuschauer dieser Altersgruppe hinweg lag der Anstieg bei 29 Prozent.
Auch internationale Wettbewerbe konnten mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die US-Übertragungen der englischen Premier League verzeichneten bei den 18- bis 34-Jährigen einen Zuwachs von 30 Prozent, einschließlich der spanischsprachigen Übertragungen.
Die Übertragungen von LaLiga auf den ESPN-Plattformen legten im Jahresvergleich insgesamt um 42 Prozent zu. Bei jüngeren Zuschauern betrug der Anstieg sogar 60 Prozent.
Diese Entwicklung ist besonders wichtig, weil nationale und internationale Ligen das ganze Jahr über regelmäßig Spiele bieten. Ein großes Turnier kann Menschen für den Fußball begeistern.
Doch wöchentliche Begegnungen, vertraute Vereine und spannende Rivalitäten können dafür sorgen, dass Fans dem Sport auch lange nach dem Ende eines internationalen Wettbewerbs treu bleiben.
Die MLS setzt auf die nächste Generation
Die MLS hat nun die Chance, diesen Schwung zu nutzen und ihre Vereine und Spieler einem neuen Publikum näherzubringen. Junge US-Talente spielen dabei eine wichtige Rolle, insbesondere jene, die bereits in den Mannschaften der Liga ihre Fähigkeiten entwickeln.
Bei der WM 2026 waren 45 MLS-Spieler vertreten, die aus 22 Vereinen und 17 Ländern kamen. Das unterstreicht die Bedeutung der Liga innerhalb der internationalen Fußballlandschaft.
Wenn aufstrebende Spieler weiterhin im Mittelpunkt stehen, können sich Fans stärker mit ihren Vereinen identifizieren und die Entwicklung einzelner Spieler über mehrere Spielzeiten hinweg verfolgen.
Allerdings reicht die Aufmerksamkeit rund um ein großes Turnier allein nicht aus, um das Wachstum dauerhaft zu sichern. Gut zugängliche Übertragungen, spannende Spiele, eine starke Verbindung zwischen Vereinen und ihren lokalen Gemeinschaften sowie gute Entwicklungsmöglichkeiten für junge Spieler können dazu beitragen, das Interesse aufrechtzuerhalten.
Die Herausforderung besteht darin, Fußball zu einem festen Bestandteil des Sportalltags zu machen – und nicht zu einem Ereignis, das die Menschen nur alle vier Jahre verfolgen.
Die Begeisterung langfristig nutzen
Der Anstieg der Fußballbegeisterung in den USA nach der WM 2026 bietet eine vielversprechende Grundlage für die Zukunft des Sports.
Rekordzuschauerzahlen, steigende Einschaltquoten bei Profiligen und das wachsende Interesse jüngerer Menschen deuten darauf hin, dass das Turnier auch Menschen außerhalb der bisherigen Fußball-Fangemeinde erreicht hat.
Dennoch garantiert ein erfolgreiches Turnier kein dauerhaftes Wachstum. Vereine, Sender und die gesamte Fußballgemeinschaft müssen überzeugende Gründe schaffen, damit neue Fans während der gesamten Saison am Ball bleiben.
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie viel von dieser Begeisterung zu einer dauerhaften Gewohnheit wird.
Da sich mittlerweile Millionen mehr Menschen als Fußballfans bezeichnen und die Profiligen bereits höhere Zuschauerzahlen verzeichnen, bietet sich dem Fußball eine wertvolle Chance, eine noch engere Verbindung zur amerikanischen Bevölkerung aufzubauen.