Frankreichs Filmkrise

· Unterhaltungsteam
Die französische Filmbranche ist auf ein Netzwerk verschiedener Finanzierungsquellen angewiesen, das Filmschaffenden dabei hilft, ihre Ideen in fertige Produktionen umzusetzen.
Mehr als 170 Filmschaffende warnen nun, dass geplante Maßnahmen das Finanzierungssystem des französischen Kinos schwächen könnten. Sie befürchten Folgen für Produktionsmöglichkeiten, Arbeitsplätze und die Vielfalt des Filmangebots.
Warum Filmschaffende Alarm schlagen
Im Oktober 2026 unterzeichneten mehr als 170 Vertreter der französischen Filmbranche einen Meinungsbeitrag, der in Le Monde veröffentlicht wurde. Zu den Unterzeichnern gehörten die Regisseure Jacques Audiard, Justine Triet und Claire Denis sowie die Brüder Luc und Jean-Pierre Dardenne.
Ihre Sorge gilt geplanten finanzpolitischen Maßnahmen, die sowohl die öffentliche Förderung als auch private Investitionen beeinträchtigen könnten.
Nach Schätzungen der Unterzeichner könnten die Maßnahmen zusammengenommen dazu führen, dass innerhalb von fünf Jahren rund 400 Filme weniger produziert werden – durchschnittlich etwa 80 Filme pro Jahr.
Dabei handelt es sich um eine Prognose für den Fall, dass die Maßnahmen umgesetzt werden, nicht um einen bereits feststehenden Rückgang der Filmproduktion. Der Haushaltsentwurf wird noch beraten. Welche Folgen tatsächlich eintreten, hängt daher davon ab, welche Vorschläge letztlich beschlossen werden.
So funktioniert die Filmförderung in Frankreich
Eine zentrale Rolle bei der Finanzierung französischer Filme spielt das Centre national du cinéma et de l’image animée (CNC), das französische Film- und Medienzentrum. Es unterstützt verschiedene Phasen der Filmproduktion, darunter Drehbuchentwicklung, Herstellung, Verleih und Kinovorführung.
Das System finanziert sich nicht ausschließlich aus direkten staatlichen Zuschüssen. Stattdessen erhält das CNC auch zweckgebundene Abgaben aus der Film- und audiovisuellen Branche.
Dazu gehören Abgaben auf Kinokarten, Einnahmen aus Fernsehdiensten und Streamingplattformen sowie Gebühren im Zusammenhang mit dem privaten Kopieren urheberrechtlich geschützter Werke. Auf diese Weise können Einnahmen aus der Unterhaltungsbranche dazu beitragen, neue kreative Projekte zu finanzieren.
Filmschaffende warnen, dass eine Kürzung dieser Mittel es Produzenten erschweren könnte, die Finanzierung ihrer Filme sicherzustellen. Besonders betroffen wären Projekte, die sich nur schwer durch kommerzielle Investitionen finanzieren lassen.
Der Haushaltsentwurf für 2027 sieht möglicherweise vor, dem CNC 35 Millionen Euro an Mitteln zu entziehen. Branchenvertreter befürchten, dass dadurch weniger Geld für die Förderung neuer Filme zur Verfügung stehen könnte.
Mögliche Kürzungen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern
Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk trägt wesentlich zur Finanzierung französischer Filme bei. France Télévisions beteiligt sich an der Finanzierung zahlreicher Produktionen. Dem Branchenbericht zufolge unterstützt der Sender jährlich rund 70 Filmprojekte.
Nach den derzeitigen Haushaltsplänen könnte seine Finanzierung bis 2027 um 47 Millionen Euro sinken. Filmschaffende befürchten, dass der Sender mit einem kleineren Budget weniger neue Projekte unterstützen kann. Produzenten hätten dann entsprechend weniger Möglichkeiten, ihre Filme zu finanzieren.
Öffentlich-rechtliche Sender sind vor allem für Produktionen wichtig, die keine hohen kommerziellen Gewinne versprechen. Ihre Beteiligung kann dazu beitragen, Filme zu realisieren, bei denen private Investoren aufgrund des finanziellen Risikos zurückhaltend sind.
Sinkende Beiträge könnten deshalb nicht nur die Zahl der produzierten Filme verringern, sondern auch die Vielfalt der Geschichten und künstlerischen Ansätze einschränken, die auf die Kinoleinwand kommen.
Welche Bedeutung Canal+ für den Film hat
Private Investitionen bilden die zweite wichtige Säule des französischen Finanzierungssystems. Eine bedeutende Rolle spielt dabei der Pay-TV-Anbieter Canal+, der aufgrund französischer Vorschriften einen Teil seiner Einnahmen in die heimische Filmproduktion investieren muss.
Die Regierung erwägt, den Mehrwertsteuersatz auf Pay-TV-Abonnements bis 2027 von zehn auf 20 Prozent anzuheben. Das sorgt in der Branche für Besorgnis. Canal+ könnte auf die höhere Steuer reagieren, indem das Unternehmen die Abonnementpreise erhöht oder seine Investitionen in Kinofilme reduziert.
Die möglichen Folgen gehen über die unmittelbare Steuererhöhung hinaus. Eine im Juli von Branchenvertretern unterzeichnete Vereinbarung sieht vor, dass eine Canal+ betreffende Mehrwertsteuererhöhung die darin festgelegten Investitionsverpflichtungen außer Kraft setzen würde.
Nach Angaben der Filmschaffenden könnte dadurch zwischen 2028 und 2032 die Filmproduktion mit 750 Millionen Euro weniger finanziert werden. Sie schätzen, dass infolgedessen Hunderte Filmprojekte gefährdet sein könnten.
Forderung nach einer modernen Filmförderung
Über die unmittelbare Haushaltsdebatte hinaus fordern Filmschaffende eine umfassendere Modernisierung der Regeln für die Branche. Ein großer Teil der geltenden Rahmenbedingungen stammt aus dem Jahr 1986 – also aus einer Zeit, bevor Streamingdienste zu einem wichtigen Bestandteil des Filmkonsums wurden.
Ein zentraler Streitpunkt ist die französische Auswertungsreihenfolge. Sie legt fest, in welchen zeitlichen Abständen Filme nach ihrem Kinostart über andere Vertriebskanäle verfügbar gemacht werden dürfen.
Die französische Haushaltsdebatte für 2027 verdeutlicht, wie stark die Filmproduktion von einem stabilen Netzwerk öffentlicher und privater Finanzierungsquellen abhängt.
Geplante Kürzungen bei den Mitteln für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und das CNC sowie eine mögliche Steuererhöhung für Canal+ haben in der Branche erhebliche Besorgnis ausgelöst.
Die Prognose von 400 weniger produzierten Filmen ist bislang eine Schätzung und kein bestätigtes Ergebnis.
Dennoch wirft die Debatte wichtige Fragen auf: wie kann Frankreich auch künftig Filmproduktionen ermöglichen, kreative Arbeitsplätze sichern und ein vielfältiges Kinoangebot erhalten, während gleichzeitig die öffentlichen Finanzen angepasst werden?
Die endgültigen Haushaltsentscheidungen werden darüber bestimmen, ob das bestehende Finanzierungssystem weitgehend erhalten bleibt oder in den kommenden Jahren grundlegend verändert werden muss.