Stabile Zinsen

· Wissenschaftsteam
Die rumänische Nationalbank (BNR) setzt weiterhin auf eine vorsichtige Geldpolitik.
Bei ihrer Sitzung am 10. August 2026 beschloss der Verwaltungsrat, den Leitzins unverändert bei 6,50 Prozent pro Jahr zu belassen. Damit bleibt die zentrale Zinsrate auf demselben Niveau wie seit August 2024.
Leitzins bleibt unverändert
Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund weiterhin hoher Inflation und erheblicher wirtschaftlicher Unsicherheiten. Die BNR sieht derzeit keinen ausreichenden Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik und setzt daher auf Stabilität.
Auch die übrigen wichtigen Zinssätze bleiben unverändert. Der Zinssatz für die Kreditfazilität (Lombard) bleibt bei 7,50 Prozent pro Jahr, während die Verzinsung der Einlagefazilität weiterhin 5,50 Prozent beträgt.
Auch die geltenden Mindestreservesätze für Verbindlichkeiten der Kreditinstitute in Landeswährung und Fremdwährung wurden nicht verändert.
Inflation geht nur langsam zurück
Bei ihrer Entscheidung berücksichtigte die BNR auch die jüngste Entwicklung der Verbraucherpreise. Die jährliche Inflationsrate sank im Juni 2026 auf 10,42 Prozent, nachdem sie im Mai noch bei 10,85 Prozent gelegen hatte.
Der Rückgang war vor allem auf deutlich niedrigere Preise für Lebensmittel und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse sowie auf sinkende Kraftstoffpreise zurückzuführen.
Begünstigt wurde diese Entwicklung durch das größere Angebot an Obst und Gemüse auf dem heimischen Markt sowie durch den Rückgang des Ölpreises.
Dem standen allerdings höhere Preise für Erdgas und Strom gegenüber, die den Rückgang teilweise abschwächten. Im zweiten Quartal 2026 setzte sich der Inflationsdruck zudem fort.
Aussichten für die kommenden Monate
Nach Einschätzung der BNR dürfte die Inflation im dritten Quartal 2026 deutlich zurückgehen. Für das vierte Quartal wird zunächst eine leicht schwankende Entwicklung erwartet, bevor sich der Abwärtstrend im Jahr 2027 fortsetzen soll.
Erst gegen Ende 2027 wird die Inflation voraussichtlich wieder innerhalb des Zielkorridors liegen. Dieser liegt bei 2,5 Prozent mit einer Schwankungsbreite von plus oder minus einem Prozentpunkt.
Europäische Gelder bleiben wichtig
Die Nationalbank betont zugleich die Bedeutung einer konsequenten Haushaltskonsolidierung und einer möglichst vollständigen Nutzung europäischer Fördermittel.
Besonders die Gelder aus dem Aufbau- und Resilienzplan (PNRR) könnten dazu beitragen, die dämpfenden Auswirkungen der fiskalischen Konsolidierung abzufedern und notwendige Strukturreformen zu unterstützen.
Auch die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank sowie die Geldpolitik anderer Zentralbanken in der Region spielen für die weitere Entwicklung eine wichtige Rolle.
Vorsicht bleibt angesagt
Mit der Beibehaltung des Leitzinses signalisiert die BNR, dass sie die wirtschaftliche Entwicklung und die Inflationsrisiken weiterhin genau beobachtet. Angesichts der bestehenden Unsicherheiten bleibt eine vorsichtige Geldpolitik vorerst der bevorzugte Kurs.
Für Verbraucher und Unternehmen bedeutet die Entscheidung vor allem, dass sich die allgemeinen Finanzierungsbedingungen kurzfristig kaum verändern dürften. Die nächste Entwicklung der Inflation wird entscheidend dafür sein, wann die BNR künftig Spielraum für mögliche Zinssenkungen sieht.