Pubertät verstehen

· Wissenschaftsteam
Die Pubertät ist ein natürlicher Teil des Erwachsenwerdens, kann sich aber trotzdem verwirrend anfühlen. Der Körper verändert sich in dieser Phase schnell.
Gleichzeitig können sich Schlaf, Stimmung, Energie, Selbstvertrauen und Beziehungen verändern.
Der Zeitpunkt ist bei jedem Menschen unterschiedlich. In der Regel beginnt die Pubertät bei Mädchen zwischen 8 und 13 Jahren und bei Jungen zwischen 9 und 14 Jahren. Ein etwas früherer oder späterer Beginn kann ebenfalls normal sein. Entscheidend ist vor allem, die Veränderungen zu verstehen und darauf zu achten, wenn die Entwicklung deutlich früher als erwartet einsetzt.
Der Prozess beginnt im Gehirn
Die ersten Signale der Pubertät entstehen im Gehirn. Eine Region namens Hypothalamus beginnt, mit der Hirnanhangsdrüse, der Hypophyse, zu kommunizieren. Dadurch werden Hormone freigesetzt, die die Eierstöcke oder andere Fortpflanzungsorgane aktivieren.
Anschließend steigen unter anderem die Spiegel von Östrogen und Testosteron an. Diese Hormone lösen nach und nach die körperlichen Veränderungen der Pubertät aus.
Jugendliche bemerken häufig mehr Körperbehaarung, stärkere Schweißbildung, einen intensiveren Körpergeruch, Veränderungen der Haut und Akne.
Bei Mädchen beginnt die Entwicklung der Brust häufig, bevor die erste Menstruation einsetzt. Bei Jungen wachsen die Fortpflanzungsorgane, die Muskulatur nimmt zu, die Schultern werden breiter und die Stimme wird allmählich tiefer.
Auch Wachstumsschübe sind typisch. Mädchen erreichen ihre endgültige Körpergröße im Allgemeinen früher, während Jungen oft länger weiterwachsen.
Auch das Gehirn entwickelt sich
Die sichtbaren körperlichen Veränderungen sind nur ein Teil der Pubertät. Auch das Gehirn durchläuft in dieser Lebensphase eine wichtige Entwicklungsperiode.
Bereiche, die mit Emotionen, Beziehungen, Entscheidungen und sozialer Wahrnehmung zusammenhängen, verändern sich weiterhin. Deshalb können Freundschaften und die Meinung anderer plötzlich eine wesentlich größere Bedeutung bekommen.
Viele Jugendliche achten zudem stärker auf ihr Aussehen und reagieren empfindlicher darauf, wie sie von anderen wahrgenommen werden.
Untersuchungen, die von der Entwicklungspsychologin Jennifer Pfeifer vom NIH diskutiert wurden, zeigen, dass depressive Symptome bei Mädchen während der Pubertät zunehmen können. Mögliche Anzeichen sind Reizbarkeit, Einsamkeit, weniger Freude an bisherigen Aktivitäten, Veränderungen des Appetits oder der Rückzug von Freunden und Familie.
Offene Gespräche können diese Phase erleichtern. Wenn junge Menschen wissen, welche körperlichen und emotionalen Veränderungen auf sie zukommen können, wirken diese häufig weniger beängstigend oder rätselhaft.
Wenn die Pubertät sehr früh beginnt
Bei manchen Kindern setzt die Pubertät deutlich früher als üblich ein. Mediziner sprechen dann von einer vorzeitigen Pubertät oder „Precocious Puberty“.
Mögliche Anzeichen sind eine erkennbare Brustentwicklung vor dem achten Lebensjahr bei Mädchen oder eine Entwicklung der Fortpflanzungsorgane vor dem neunten Lebensjahr bei Jungen. Auch eine ungewöhnlich früh einsetzende Menstruation kann ein Grund sein, ärztlichen Rat einzuholen.
Eine sehr frühe Pubertät kann sowohl die körperliche als auch die emotionale Entwicklung beeinflussen. Studien bringen sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bestimmter Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Probleme im späteren Leben in Verbindung.
Bei Mädchen, die ungewöhnlich früh in die Pubertät kommen, kann außerdem das Risiko für Angstzustände und Depressionen erhöht sein.
Auch die Körpergröße kann eine Rolle spielen. Beginnt die Entwicklung zu früh, können die Knochen schneller ausreifen und dadurch das weitere Wachstum begrenzen.
In bestimmten Fällen können Ärzte Medikamente einsetzen, um die Hormonaktivität vorübergehend zu bremsen. Dadurch kann sich die Entwicklung stärker am üblichen Altersbereich orientieren.
Warum beginnt die Pubertät unterschiedlich früh?
Eine einzige Ursache gibt es nicht. Gene, Körperzusammensetzung, psychischer Stress und Umwelteinflüsse können den Zeitpunkt beeinflussen.
Forscher haben Veränderungen im Gen MKRN3 als eine der bekanntesten genetischen Ursachen für eine ungewöhnlich früh einsetzende Pubertät identifiziert. Normalerweise trägt das von diesem Gen produzierte Protein dazu bei, den Beginn der Entwicklung hinauszuzögern. Bestimmte genetische Veränderungen können diese natürliche „Bremse“ abschwächen.
Wissenschaftler untersuchen außerdem Umweltchemikalien, die möglicherweise auf hormonelle Signalwege einwirken.
Ein Stoff, der dabei erforscht wird, ist Moschus-Ambrette, ein Duftstoff, der in einigen Körperpflege- oder Haushaltsprodukten vorkommen kann.
Laboruntersuchungen haben bei Zebrafischen Auswirkungen auf hormonbezogene Prozesse festgestellt. Die Forscher betonen jedoch, dass noch deutlich mehr Erkenntnisse notwendig sind, bevor mögliche Auswirkungen auf Kinder beurteilt werden können.
Unterstützung während der Pubertät
Um Jugendliche durch diese Veränderungen zu begleiten, braucht es keine komplizierten Maßnahmen. Eltern und andere Bezugspersonen können bevorstehende Veränderungen frühzeitig erklären und vermitteln, dass jeder Mensch sich in seinem eigenen Tempo entwickelt.
Ebenso wichtig sind ein positives Körperbild und eine Umgebung, in der Fragen offen gestellt werden können.
Auch ausreichend Schlaf spielt eine wichtige Rolle. Jugendliche benötigen im Allgemeinen etwa 8 bis 10 Stunden Schlaf pro Nacht.
Regelmäßige Mahlzeiten, körperliche Aktivität und stabile Tagesabläufe können ebenfalls dazu beitragen, das Wohlbefinden während dieser Zeit zu unterstützen.
Die Pubertät kann unvorhersehbar wirken, doch unterschiedliche Entwicklungstempo sind normal. Verlässliche Informationen, offene Gespräche, Geduld und Aufmerksamkeit für ungewöhnlich frühe Veränderungen können jungen Menschen helfen, diese wichtige Lebensphase selbstbewusster und besser informiert zu durchlaufen.