Vermögen schrumpft
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| 08-09-2026
Wissenschaftsteam · Wissenschaftsteam
Das Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland ist zu Beginn des Jahres 2026 überraschend zurückgegangen.
Zwar legten die Menschen weiterhin Geld zurück und bauten ihre finanziellen Anlagen aus, doch starke Verluste an den Kapitalmärkten machten diesen Zuwachs mehr als zunichte. Gleichzeitig nahm die Finanzierung der Unternehmen wieder etwas Fahrt auf.

Private Vermögen unter Druck

Zum Ende des ersten Quartals belief sich das Geldvermögen der privaten Haushalte auf 9.490 Milliarden Euro. Damit lag es 28 Milliarden Euro niedriger als Ende 2025. Der entscheidende Grund waren Bewertungsverluste von insgesamt 122 Milliarden Euro.
Dem stand zwar ein Aufbau finanzieller Forderungen von 94 Milliarden Euro gegenüber, doch dieser reichte nicht aus, um die Verluste auszugleichen.
Das schwierige Finanzmarktumfeld wurde unter anderem durch den Krieg im Nahen Osten belastet. Die gestiegene Unsicherheit trieb Energiepreise und kurzfristige Inflationserwartungen nach oben und führte zugleich zu höheren Zinserwartungen. Besonders Anlagen mit direktem Bezug zu den Kapitalmärkten gerieten dadurch unter Druck.
Mehr Geld auf sicheren Konten
Angesichts der Unsicherheit erhöhten die Haushalte ihre Bestände an Bargeld und Sichteinlagen um jeweils insgesamt 6 Milliarden Euro. Auch bei Termineinlagen gab es einen Zuwachs von 6 Milliarden Euro. Spareinlagen und Sparbriefe wurden dagegen um 1 Milliarde Euro reduziert. Damit setzte sich der bereits seit dem zweiten Quartal 2024 bestehende Abwärtstrend bei diesen Anlageformen fort.
Trotz der vorsichtigeren Haltung blieb das Interesse am Kapitalmarkt bestehen. Die Haushalte kauften Schuldverschreibungen im Wert von netto 7 Milliarden Euro. Aktien und andere Beteiligungen wurden um 9 Milliarden Euro aufgestockt.
Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei Investmentfonds aus: Hier belief sich der Aufbau auf 27 Milliarden Euro.
Allerdings hinterließen die Turbulenzen deutliche Spuren in den Portfolios. Bei Aktien und sonstigen Anteilsrechten entstanden Bewertungsverluste von 61 Milliarden Euro, bei Investmentfondsanteilen waren es 24 Milliarden Euro. Schuldverschreibungen verloren auf Bewertungsbasis weitere 3 Milliarden Euro.
Versicherungs- und Pensionsansprüche wurden für 14 Milliarden Euro erworben, verzeichneten gleichzeitig aber Bewertungsverluste von 11 Milliarden Euro.
Vermögen schrumpft

Rendite fällt deutlich

Die reale, also um die Inflation bereinigte Gesamtrendite des Geldvermögens entwickelte sich ebenfalls schwächer. Nur die vermögendsten 10 Prozent der Haushalte erzielten im ersten Quartal noch eine positive reale Rendite. Auch bei dieser Gruppe fiel sie wegen der deutlichen Kursverluste an den Kapitalmärkten spürbar zurück.
Für die übrigen Haushalte fiel die Rendite dagegen negativ aus. Besonders die vermögensärmere Hälfte besitzt einen großen Teil ihres Geldvermögens in Einlagen und Versicherungsansprüchen. Da diese Anlageformen weiterhin nur schwache Erträge abwarfen, blieb auch die reale Gesamtrendite negativ.
Über alle Haushalte hinweg sank die aggregierte reale Gesamtrendite auf Jahressicht im ersten Quartal 2026 auf rund 0,6 Prozent. Vor allem Aktien und Investmentfonds belasteten das Ergebnis. Die reale Rendite auf Einlagen blieb ebenfalls negativ.

Weniger neue Kredite

Bei den Verbindlichkeiten der privaten Haushalte gab es dagegen nur wenig Bewegung. Sie stiegen leicht auf insgesamt 2.180 Milliarden Euro. Gleichzeitig nahm die Kreditaufnahme erneut ab und lag bei lediglich 5 Milliarden Euro.
Weil das nominale Bruttoinlandsprodukt gestiegen ist, sank die Verschuldungsquote der privaten Haushalte auf 48,4 Prozent. Das Nettogeldvermögen ging dennoch um 32 Milliarden Euro auf 7.310 Milliarden Euro zurück.

Unternehmen nehmen mehr Kredite auf

Bei den nichtfinanziellen Unternehmen zeigte sich ein etwas anderes Bild. Ihre Außenfinanzierung stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 20 Milliarden Euro auf 56 Milliarden Euro. Ausschlaggebend war vor allem die höhere Kreditaufnahme, die 32 Milliarden Euro erreichte. Sowohl Kredite von inländischen Banken als auch Finanzierungen durch ausländische Kreditgeber nahmen zu.
Von einer nachhaltigen Trendwende kann laut Bundesbank allerdings noch nicht gesprochen werden. Auf Jahressicht blieb die Außenfinanzierung wenig dynamisch.
Die bereits seit mehreren Quartalen erkennbare Seitwärtsbewegung setzte sich weitgehend fort. Als wichtige Belastungsfaktoren gelten die schwierige wirtschaftliche Lage und die weiterhin hohe wirtschaftspolitische Unsicherheit.
Auch der Kapitalmarkt spielte bei der Unternehmensfinanzierung eine Rolle. Die Firmen emittierten Schuldverschreibungen im Umfang von netto 5 Milliarden Euro, nach 2 Milliarden Euro im Vorquartal. Die Ausgabe von Aktien und sonstigen Anteilsrechten blieb mit 17 Milliarden Euro nahezu stabil und lag nur leicht unter dem vorherigen Quartalswert.
Vermögen schrumpft

Unternehmensschulden sinken

Die gesamten Verbindlichkeiten der nichtfinanziellen Unternehmen sanken bis zum Ende des ersten Quartals um 121 Milliarden Euro auf 12.033 Milliarden Euro.
Hauptverantwortlich dafür waren Bewertungsverluste von 177 Milliarden Euro, die fast vollständig auf von den Unternehmen ausgegebene Aktien und sonstige Anteilsrechte entfielen. Gleichzeitig nahmen die Fremdkapitalinstrumente zu.
Die Verschuldungsquote der Unternehmen erhöhte sich dadurch leicht auf 67,4 Prozent. Ihr Geldvermögen stieg hingegen um 31 Milliarden Euro auf 9.069 Milliarden Euro.
Weil die Verbindlichkeiten gleichzeitig zurückgingen, verbesserte sich das Nettogeldvermögen um 152 Milliarden Euro auf minus 2.964 Milliarden Euro.
Die Bundesbank weist darauf hin, dass die Angaben aufgrund zwischenzeitlicher Revisionen der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung und der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nicht direkt mit früher veröffentlichten Zahlen vergleichbar sind.