Krebsrisiko Gene
Holger
Holger
| 07-09-2026
Wissenschaftsteam · Wissenschaftsteam
Melanom gilt als die gefährlichste Form von Hautkrebs.
Eine neue Studie deutet jedoch darauf hin, dass bestimmte Gene, die mit Melanomen verbunden sind, Ärzten möglicherweise auch Hinweise auf ein allgemeineres Krebsrisiko geben können.
Forschende analysierten Gesundheits- und Genetikdaten von fast 700.000 Menschen aus den USA und Großbritannien. Darunter waren sowohl gesunde Teilnehmer als auch Menschen mit einer Melanomdiagnose.
Untersucht wurden acht Gene, die bereits mit einem erhöhten Melanomrisiko in Verbindung gebracht werden. Die Forschenden wollten herausfinden, ob dieselben genetischen Veränderungen auch bei anderen Krebsarten häufiger auftreten.
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass eine dieser Genvarianten zwangsläufig zu einer weiteren Krebserkrankung führt. Sie deuten vielmehr darauf hin, dass Melanom-bezogene Mutationen bei manchen Menschen Teil eines umfassenderen erblichen Krebsrisikos sein könnten.
Krebsrisiko Gene

Acht Gene im Fokus

Die Forschenden konzentrierten sich auf acht Gene, die mit einer erblichen Anfälligkeit für Melanome verbunden sind. Bei gesunden Teilnehmern waren diese Mutationen selten. Bei Menschen mit Melanom traten sie dagegen häufiger auf.
Besonders deutlich war der Zusammenhang bei zwei Gruppen: menschen, die vor dem 40. Lebensjahr ein einzelnes Melanom entwickelten, und Menschen, bei denen mehrere Melanome diagnostiziert wurden. Beide Gruppen trugen häufiger eine der untersuchten genetischen Veränderungen.
Diese Unterscheidung ist wichtig, denn bei der Entstehung eines Melanoms spielen meist mehrere Faktoren zusammen.
Dazu gehören UV-Strahlung, Hauttyp, familiäre Vorbelastung und genetische Faktoren.
Eine vergleichsweise frühe Diagnose oder wiederholte Melanome können Ärzten daher einen zusätzlichen Hinweis darauf geben, dass möglicherweise auch eine erbliche Veranlagung eine Rolle spielt.

Das Risiko betrifft nicht nur die Haut

Die Studie zeigte außerdem, dass einige der untersuchten Genvarianten mit einem erhöhten Risiko für weitere Krebsarten verbunden waren.
Je nach Mutation fanden die Forschenden Zusammenhänge mit Prostatakrebs und Myelom, einer Krebserkrankung der Plasmazellen im Knochenmark.
Die Ergebnisse beweisen jedoch nicht, dass die Mutationen diese Krebsarten unmittelbar verursachen. Festgestellt wurden zunächst statistische Zusammenhänge. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um deren Stärke zu bestätigen und zu klären, ob sie bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen bestehen.
Ein erhöhtes relatives Risiko sagt zudem nicht genau voraus, wie wahrscheinlich eine einzelne Person tatsächlich an Krebs erkrankt. Entscheidend sind unter anderem das jeweilige Gen, die Familiengeschichte, das Alter, Umweltfaktoren und weitere persönliche Faktoren.

Warum Gentests wichtig werden könnten

Sollten künftige Studien die Zusammenhänge bestätigen, könnten Gentests für bestimmte Melanompatienten an Bedeutung gewinnen.
Dr. Michael Sargen, der die Forschung leitete, erklärte, dass bei einem Melanompatienten mit einer entsprechenden Mutation möglicherweise auch andere Gewebe im Körper einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt sind. Demnach könnte ein Melanom in manchen Fällen ein Hinweis auf eine umfassendere erbliche Anfälligkeit sein und nicht nur auf eine isolierte Hauterkrankung.
Das könnte nicht nur für die betroffenen Patienten relevant sein. Auch nahe Verwandte könnten möglicherweise von solchen Erkenntnissen profitieren, wenn sie einen Teil des gleichen genetischen Hintergrunds teilen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Mensch mit einer Melanomdiagnose automatisch umfangreiche Gentests benötigt. Ob eine genetische Untersuchung sinnvoll ist, hängt meist von mehreren Faktoren ab, etwa vom Alter bei der Diagnose, der Anzahl der Melanome, der familiären Krankheitsgeschichte und dem Auftreten weiterer Krebsarten in der Familie.

Individuellere Vorsorge möglich

Der praktische Wert der Forschung liegt vor allem in der Möglichkeit, die Krebsüberwachung künftig genauer auf einzelne Patienten abzustimmen.
Wenn bekannt ist, dass eine bestimmte Melanom-Mutation auch mit einem relevanten Risiko für eine andere Krebsart verbunden ist, könnten Ärzte für manche Betroffene gezieltere Nachkontrollen oder frühere Untersuchungen empfehlen.
Für neue allgemeingültige Screening-Empfehlungen reichen die bisherigen Erkenntnisse allerdings noch nicht aus. Die Zusammenhänge mit anderen Krebsarten müssen zunächst durch weitere Forschung bestätigt werden.
Krebsrisiko Gene

Gene sind nur ein Teil des Risikos

Erbliche Mutationen können das Krebsrisiko beeinflussen, sind aber nicht der einzige entscheidende Faktor. Auch Umwelteinflüsse, Alter, Lebensstil, zufällige genetische Veränderungen und weitere biologische Prozesse spielen eine Rolle.
Beim Melanom bleiben deshalb unabhängig vom genetischen Hintergrund der Schutz vor übermäßiger UV-Strahlung und die Aufmerksamkeit gegenüber sich verändernden Hautstellen besonders wichtig.
Die wichtigste Erkenntnis der Studie ist nicht, dass ein einzelnes Melanom-Gen die Zukunft eines Menschen vorhersagen kann. Vielmehr könnten bestimmte genetische Veränderungen mit mehreren Krebsrisiken verbunden sein. Dadurch könnten Forschende besser erkennen, welche Menschen möglicherweise von einer individuelleren Überwachung profitieren.