Herbst-Geheimtipps

· Reiseteam
Der Herbst in Europa muss nicht automatisch Regen und geschlossene Sehenswürdigkeiten bedeuten.
Wer das richtige Reiseziel wählt, kann im September und Oktober sogar bessere Bedingungen vorfinden:
Auf den südlichen Inseln bleibt das Wetter oft badetauglich, Städte lassen sich wieder angenehm zu Fuß erkunden und im Norden verwandeln sich Landschaften in leuchtende Herbstkulissen.
Entscheidend ist, einen Ort zu wählen, der nach dem Sommer interessanter wird – nicht nur günstiger.
Diese fünf Reiseziele zeigen, wie abwechslungsreich der Herbst sein kann.
1. Teneriffa: Der Sommer bleibt
Wer auch im Herbst nicht auf warme Temperaturen verzichten möchte, findet auf Teneriffa eine gute Option. Die Temperaturen können tagsüber sogar bis in den November hinein bei etwa 24 °C liegen. Auch im Oktober bleibt es häufig warm genug zum Baden. Gleichzeitig wird das Wandern angenehmer, sobald die intensive Sommerhitze nachlässt.
Im Norden eignen sich historische Orte und grüne Landschaften als Ausgangspunkt. Wer vor allem Strand und Meer sucht, ist im Süden besser aufgehoben.
Für den Teide sollte man einen ganzen Tag einplanen. Eine Hin- und Rückfahrt mit der Seilbahn kostet für Nichtansässige derzeit ab etwa 42 bis 43 Euro, geführte Ausflüge sind teurer.
Empfohlenes Budget: 85–140 Euro pro Person und Tag bei geteilter Unterkunft und einfachen Mahlzeiten.
Ideale Aufenthaltsdauer: 4–5 Nächte.
2. Lettland: Herbstfarben statt Sommerhitze
Wer vor allem intensive Herbstfarben erleben möchte, ist in Lettland richtig. Im Oktober verwandelt sich der Gauja-Nationalpark in eine Landschaft aus gelben Wäldern, nebligen Flussufern und mittelalterlichen Ruinen. Die Wanderwege reichen von kurzen Spaziergängen bis zu längeren Routen entlang des Flusses Gauja. In der Nähe wartet außerdem Cēsis mit seinen Burgmauern und einer überschaubaren historischen Altstadt.
Auch die Anreise ist unkompliziert. Züge und Busse von Riga in Richtung Sigulda und Cēsis gibt es bereits ab etwa 2,50 Euro. Der öffentliche Nahverkehr von Sigulda nach Turaida kostet ungefähr 0,70 Euro.
Übernachtungstipp: Statt täglich von Riga aus zurückzufahren, lohnt sich eine Nacht in Riga und anschließend zwei Nächte in der Gegend um Sigulda oder Cēsis;
Empfohlenes Budget: 55–90 Euro pro Person und Tag;
Ideal für: Wanderer, Fotografen und alle, die Nebel als Teil der Atmosphäre und nicht als schlechtes Wetter betrachten.
3. Dodekanes: Inselhopping im Herbst
Der frühe Herbst kann eine besonders angenehme Zeit für die griechischen Dodekanes-Inseln sein. Das Meer bleibt warm, die Zahl der Besucher nimmt ab und die Fährverbindungen sind noch relativ regelmäßig, bevor sie sich im späteren Herbst stärker reduzieren.
Eine gute Route beginnt auf Rhodos und führt anschließend weiter zur kleineren Insel Symi. Schon die Einfahrt in den Hafen von Symi ist ein Erlebnis: Farbenfrohe neoklassizistische Häuser ziehen sich an den Hängen entlang und verleihen dem Ort ein unverwechselbares Erscheinungsbild.
Fährpreise im September: Verbindungen von Rhodos nach Symi beginnen bei langsameren Fähren derzeit bei etwa 5,50–7 Euro. Schnellere Verbindungen kosten häufig 18–32 Euro. Die Überfahrt kann nur etwa 45–50 Minuten dauern.
Symi sollte jedoch nicht zu einem kurzen Fotostopp werden. Wer mindestens eine Nacht bleibt, erlebt die Insel deutlich entspannter, sobald die Tagesausflügler wieder abgereist sind.
Empfohlenes Budget: 80–130 Euro pro Person und Tag.
4. Sevilla: Endlich angenehm zu Fuß
Im Hochsommer kann eine Besichtigung von Sevilla schnell zur Belastungsprobe werden. Im Oktober zeigt sich die andalusische Hauptstadt deutlich zugänglicher. Die Tageshöchstwerte liegen dann bei etwa 26 °C, während die Abende weiterhin angenehm warm für lange Spaziergänge durch die Innenstadt sind.
Ein guter Ausgangspunkt ist der Königliche Alcázar.
Von dort geht es weiter zur Kathedrale von Sevilla, zur Giralda und zu den kunstvoll gefliesten Innenhöfen der Casa de Pilatos. Die milderen Temperaturen machen es wesentlich einfacher, die Stadt zu Fuß zu entdecken, ohne jede Strecke nach Schattenplätzen oder klimatisierten Innenräumen planen zu müssen.
Öffnungszeiten beachten: Ab dem 1. Oktober gilt im Königlichen Alcázar der Winterfahrplan. Er ist dann von 09:30 bis 17:00 Uhr geöffnet;
Empfohlenes Budget: 90–145 Euro pro Person und Tag bei geteilter Unterkunft in zentraler Lage;
Ideale Aufenthaltsdauer: 3 Nächte. Ein Nachmittag ohne fest eingeplante Sehenswürdigkeiten lässt genügend Raum, die Stadt ganz entspannt zu erleben.
5. Schottische Highlands: Herbst mit dramatischer Kulisse
Die schottischen Highlands bieten eine völlig andere Art von Herbsturlaub. Hier geht es nicht darum, den Sommer zu verlängern, sondern die Jahreszeit in ihrer ganzen Intensität zu erleben. Moorlandschaften färben sich kupferfarben, morgendlicher Nebel liegt über den Tälern und Rothirsche beginnen ihre herbstliche Brunft.
Orte wie Glen Coe, Fort William und Loch Affric wirken besonders eindrucksvoll, wenn die Hauptsaison vorbei ist. Dafür müssen Reisende mit wechselhaftem Wetter rechnen. Regen, Wind und niedrigere Temperaturen gehören hier zum Erlebnis und sollten entsprechend eingeplant werden.
Einige saisonale Attraktionen schließen bereits nach September. Wer im Oktober unterwegs ist, sollte deshalb die jeweiligen Öffnungszeiten prüfen, bevor Schlösser oder Museen zum festen Bestandteil der Route werden.
Empfohlenes Budget: 95–160 Euro pro Person und Tag bei geteilter Unterkunft und möglichst häufiger Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel;
Ideale Aufenthaltsdauer: 4–6 Nächte, besonders wenn Wanderungen geplant sind.
Die passende Herbstreise wählen
Teneriffa eignet sich für alle, die weiterhin Meer und Wärme suchen. Lettland bietet intensive Herbstfarben, die Dodekanes-Inseln versprechen ruhigeres Inselhopping, Sevilla eignet sich für einen entspannten Städtetrip und die schottischen Highlands überzeugen mit wilder Landschaft und dramatischer Atmosphäre.
Der größte Vorteil des Herbstes sind nicht einfach nur niedrigere Preise.
Es ist der zusätzliche Raum – und das angenehmere Wetter –, um einen Ort wirklich zu erleben, statt ihn nur zwischen Menschenmassen und sommerlicher Hitze zu besichtigen.