Sofia entdecken

· Reiseteam
Sofia verbindet antike Geschichte, orthodoxe Kirchen, kommunistische Architektur und modernes Stadtleben auf ungewöhnlich engem Raum.
Wer nur 48 Stunden in Bulgariens Hauptstadt hat, kann trotzdem erstaunlich viel entdecken.
Von römischen Ruinen über mittelalterliche Fresken bis hin zu Street Art, Märkten und Wanderwegen bietet die Stadt eine abwechslungsreiche Mischung.
Die Balkanstaaten werden als Reiseziel immer beliebter. Während sich viele Besucher auf die Küsten von Kroatien oder Montenegro konzentrieren, könnte Bulgarien zunehmend in den Fokus rücken. Nach dem Eurovision-Sieg des Landes erhält die Region zusätzliche Aufmerksamkeit.
Neben Burgas am Schwarzen Meer oder Plowdiw, einer der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte Europas, lohnt sich deshalb auch ein Besuch in Sofia.
Die heutige Hauptstadt war einst unter dem Namen Serdica bekannt. Die Römer eroberten die Stadt um 29 v. Chr. und machten sie zu einem wichtigen Zentrum der Region.
Selbst Kaiser Konstantin der Große soll darüber nachgedacht haben, Serdica anstelle von Konstantinopel zur Hauptstadt des Byzantinischen Reiches zu machen.
Diese lange Geschichte ist noch heute sichtbar. Antike Überreste stehen neben Gebäuden aus der Nachkriegszeit und moderner Architektur. Im Winter bietet Sofia zudem Zugang zu Skigebieten, während Mineralbäder eine Möglichkeit zum Entspannen bieten.
Antikes Serdica entdecken
Sofia ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart buchstäblich aufeinandertreffen. Direkt an der Metrostation Serdika befinden sich römische Ruinen mitten im Stadtzentrum. Wer aus der U-Bahn steigt, kann innerhalb weniger Minuten zwischen jahrhundertealten Überresten spazieren.
Weitere archäologische Fundstätten liegen über das Zentrum verteilt. Dazu gehören die Überreste des östlichen Stadttors nahe dem Parlament sowie die Reste eines Amphitheaters im Untergeschoss des Hotels Arena di Serdica.
Die Rotunde des Heiligen Georg
Zu den bedeutendsten historischen Bauwerken gehört die Rotunde des Heiligen Georg. Das Gebäude stammt aus dem 4. Jahrhundert und gehört damit zu den ältesten erhaltenen Bauwerken Sofias.
Im Inneren sind byzantinische und bulgarische mittelalterliche Fresken zu sehen, die über mehrere Jahrhunderte hinweg entstanden. Während der osmanischen Herrschaft im 16. Jahrhundert wurde das Gebäude in eine Moschee umgewandelt. Seit dem 19. Jahrhundert dient es wieder als Kirche.
Der Platz der Toleranz
Auch religiöse Vielfalt gehört zum Stadtbild. In der Nähe der Sophienkirche befindet sich eine Kopie des Edikts von Serdica aus dem Jahr 311, mit dem das Christentum im Oströmischen Reich erstmals legalisiert wurde.
Nur wenige Gehminuten entfernt liegt der sogenannte Platz der Toleranz. Dort befinden sich die Alexander-Newski-Kathedrale der bulgarisch-orthodoxen Kirche, die sunnitische Banya-Bashi-Moschee, die römisch-katholische Kathedrale St. Joseph und die orthodoxe Synagoge von Sofia.
Wer die Gotteshäuser von innen besichtigen möchte, sollte auf angemessene Kleidung achten.
Die Bojana-Kirche besuchen
Am Stadtrand befindet sich mit der Bojana-Kirche Sofias einzige UNESCO-Welterbestätte. Sie wurde 1979 in die UNESCO-Liste aufgenommen.
Der Komplex besteht aus drei Gebäuden aus unterschiedlichen Epochen: einer Kirche aus dem 10. Jahrhundert, einer aus dem 13. Jahrhundert und einem dritten Bau aus dem 19. Jahrhundert.
Besonders berühmt sind die Fresken der mittleren Kirche. Sie gelten als bedeutende Sammlung mittelalterlicher Malerei und gehören zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Komplexes.
Wandern auf dem Witoscha
Von der Bojana-Kirche ist es nicht weit zu den Wanderwegen des Witoscha-Gebirges. Verschiedene Routen führen durch die Berglandschaft.
Eine Möglichkeit ist der Weg von der Bojana-Kirche zum Bojana-Wasserfall. Wer mehr Zeit hat, kann auch längere Wanderungen in der Umgebung unternehmen.
Street Art und Brutalismus
Sofia zeigt ihre jüngere Geschichte nicht nur in Museen. Die Straßen der Stadt sind voller farbenfroher Wandbilder. In den Touristeninformationen gibt es eine Karte, auf der zahlreiche Street-Art-Werke eingezeichnet sind.
Rund um die Metrostation Serdika befinden sich mehrere Murals. Zu den auffälligsten gehört ein Wandbild von St. Georg und dem Drachen in der Nähe des Arte Sofia Hotels.
Wer sich stärker für die Architektur des 20. Jahrhunderts interessiert, kann Sofia auch auf einem Rundgang durch die Nachkriegsarchitektur erkunden. Eine kostenlose Karte führt zu Hotels, Wohnblöcken und anderen Gebäuden aus der kommunistischen Ära.
Der damals verbreitete Brutalismus hat das Stadtbild nachhaltig geprägt und ist noch heute an vielen Stellen erkennbar.
Stöbern auf dem Frauenmarkt
Der Frauenmarkt, Zhenski Pazar, wurde bereits 1878 gegründet und gilt als ältester Freiluftmarkt Sofias.
Hier werden frisches Obst und Gemüse, Gewürze, lokale Süßigkeiten und Kleidung angeboten. Informationstafeln erzählen die Geschichte des Marktes anhand historischer Fotos.
Die Bezeichnung Frauenmarkt geht nach Angaben der Bulgarischen Nachrichtenagentur auf die osmanische Zeit zurück. Damals durften Frauen nur den örtlichen Dorfmarkt oder Märkte besuchen, die speziell für ihre Bedürfnisse vorgesehen waren.
Craft-Bier in Sofia
Auch die bulgarische Craft-Bier-Szene entwickelt sich zunehmend. Sofia bietet zahlreiche Möglichkeiten, lokale Brauereien und Bars kennenzulernen.
Wer nach einem langen Sightseeing-Tag noch unterwegs sein möchte, kann verschiedene Bars im Stadtzentrum besuchen und dabei unterschiedliche lokale Biere probieren.
Bulgarische Küche probieren
Die bulgarische Küche ist international noch weniger bekannt als andere europäische Landesküchen. Eine Reise nach Sofia bietet deshalb eine gute Gelegenheit, traditionelle Gerichte kennenzulernen.
Ein empfehlenswerter Ausgangspunkt ist das Restaurant Manastirska Magernitsa. Es befindet sich in einem historischen Haus, das einst dem Literaturkritiker Professor Krastyo Krastev gehörte. Auf der Speisekarte stehen Gerichte aus verschiedenen Klöstern Bulgariens.
Zu den besonderen Spezialitäten gehört beispielsweise Brennnesselbrei mit Käse. Das Personal hilft Gästen gerne bei der Auswahl.
Die bekannte Witoscha-Boulevard ist zwar die berühmteste Einkaufs- und Flaniermeile der Stadt, wer weniger touristische Lokale sucht, sollte stattdessen die Tsar-Shishman-Straße erkunden. Dort gibt es zahlreiche Restaurants und Bars mit einem stärker lokalen Charakter.
Was noch auf der Liste steht
Wer mehr als 48 Stunden zur Verfügung hat, kann einen Ausflug zum Rila-Kloster einplanen. Das UNESCO-gelistete Kloster liegt etwa zwei Stunden von Sofia entfernt.
Auch die Rila-Seen sind ein interessantes Ziel für Wanderer. Allerdings hängt ein Besuch stark vom Wetter ab. Selbst Mitte Mai können die Seen noch von Schnee bedeckt sein.
Anreise nach Sofia
Der internationale Flughafen Sofia wird von zahlreichen Fluggesellschaften angeflogen, darunter easyJet, Lufthansa, Ryanair und Wizz Air. Ryanair und Wizz Air haben zudem Basen am Flughafen.
Die Verbindung ins Stadtzentrum ist unkompliziert: Mit der Metro dauert die Fahrt vom Flughafen ins Zentrum rund 20 Minuten.
Für ein kompaktes Wochenende bietet Sofia damit eine ungewöhnlich vielseitige Mischung aus antiker Geschichte, religiösem Erbe, moderner Stadtkultur und Natur. Gerade die kurzen Wege zwischen den verschiedenen Sehenswürdigkeiten machen die bulgarische Hauptstadt zu einem interessanten Ziel für eine 48-Stunden-Reise.