Karies stoppen
Louis
Louis
| 03-09-2026
Wissenschaftsteam · Wissenschaftsteam
Karies ist eines der häufigsten chronischen Gesundheitsprobleme bei Kindern.
Karieslöcher können Schmerzen und Infektionen verursachen und das Essen, Schlafen und den Schulbesuch erschweren – insbesondere wenn die Erkrankung schon früh beginnt und schnell fortschreitet.
Eine große klinische Studie deutet nun darauf hin, dass eine äußerlich angewendete Behandlung namens Silberdiaminfluorid eine einfache Möglichkeit bieten könnte, das Fortschreiten bestimmter Kariesläsionen zu stoppen.
Die Behandlung baut einen bereits geschädigten Zahn nicht vollständig wieder auf, kann aber möglicherweise aktive Karies zum Stillstand bringen und weitere Schäden verhindern.

Warum Karies immer weiter fortschreitet

Karies entsteht, wenn Bakterien im Zahnbelag Zucker und Stärke aus Lebensmitteln und Getränken abbauen. Dabei produzieren die Bakterien Säuren, die den Zahnschmelz, die harte äußere Schicht des Zahns, nach und nach schwächen.
Hält dieser Prozess an, kann der Zahnschmelz so stark geschädigt werden, dass ein Loch entsteht. Silberdiaminfluorid wird direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen.
Es wirkt auf zwei wichtige Arten: der Silberanteil hilft dabei, säurebildende Bakterien zu reduzieren, während Fluorid die Härtung der geschädigten Zahnsubstanz unterstützt.
Da die Flüssigkeit schnell und ohne Bohren aufgetragen werden kann, könnte sie besonders für kleine Kinder geeignet sein, denen eine herkömmliche Zahnbehandlung schwerfällt.

830 Kinder nahmen teil

Forschende unter der Leitung von Dr. Margherita Fontana von der University of Michigan School of Dentistry untersuchten die Behandlung bei Kindern mit schwerer frühkindlicher Karies. An der klinischen Studie nahmen 830 Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren teil. Alle Kinder hatten eine schwere frühkindliche Karies und mindestens ein Kariesloch.
Die Teilnehmenden erhielten zu Beginn der Studie und sechs Monate später entweder Silberdiaminfluorid oder ein Placebo. Zahnärztliche Untersuchungen fanden zu Beginn sowie nach drei, sechs und acht Monaten statt.
So konnten die Forschenden vergleichen, ob die behandelten Kariesläsionen häufiger zum Stillstand kamen als diejenigen, die ein Placebo erhalten hatten.
Karies stoppen

Karies kam häufiger zum Stillstand

Die Ergebnisse zeigten einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Gruppen.
Mehr als die Hälfte der mit Silberdiaminfluorid behandelten Kariesläsionen schritt während des Untersuchungszeitraums nicht weiter fort. In der Placebogruppe kamen dagegen nur etwa 20 Prozent der Kariesläsionen zum Stillstand. Insgesamt konnte die Behandlung das Fortschreiten der Karies mehr als doppelt so häufig stoppen wie das Placebo.
Das deutet darauf hin, dass Silberdiaminfluorid bei sehr kleinen Kindern aktive Karies wirksam verlangsamen oder zum Stillstand bringen kann. Allerdings löste die Behandlung nicht jedes Problem.
Bei den Zahnschmerzen stellten die Forschenden zwischen den beiden Gruppen keinen bedeutsamen Unterschied fest.

Es gibt einen sichtbaren Nachteil

Silberdiaminfluorid verfärbt den von Karies betroffenen Teil des Zahns dauerhaft dunkel.
Dieser kosmetische Effekt ist für Familien wichtig zu wissen, bevor sie sich für die Behandlung entscheiden.
Bei den untersuchten Kindern handelte es sich um Milchzähne, die später ohnehin ausfallen. Für viele Familien könnte es wichtiger sein, das Fortschreiten der Karies zu verhindern, als eine Veränderung des Aussehens in Kauf zu nehmen – insbesondere wenn die Alternative eine aufwendigere Zahnbehandlung wäre.

Warum das wichtig sein könnte

Ein praktischer Vorteil besteht darin, dass sich die Flüssigkeit einfach auftragen lässt. Da kleine Kinder häufig häufiger beim Kinderarzt als beim Zahnarzt sind, schlagen die Forschenden vor, dass auch andere geschulte medizinische Fachkräfte frühe Anzeichen von Karies erkennen und die Behandlung unter geeigneten Bedingungen durchführen könnten.
Fontana betont, dass belastbare klinische Belege erforderlich sind, bevor der Zugang zu einer solchen Behandlung ausgeweitet wird. Auf Grundlage der Studienergebnisse bezeichnete sie die Behandlung als wirksam und gut verträglich – auch bei Kindern im Alter von nur einem Jahr.
Karies stoppen
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Silberdiaminfluorid das Zähneputzen, fluoridhaltige Zahnpasta oder regelmäßige Zahnarztbesuche ersetzt.<
Vielmehr könnte es zu einem zusätzlichen Hilfsmittel für Kinder mit schwerer frühkindlicher Karies werden, insbesondere wenn eine herkömmliche Behandlung schwierig oder nicht zeitnah möglich ist.
Für Eltern lautet die wichtigste Botschaft daher: früh auftretende Karies sollte möglichst schnell behandelt werden. Ein kleines Kariesloch lässt sich wesentlich leichter behandeln, bevor es Schmerzen, eine Infektion oder einen umfangreicheren Eingriff verursacht.