Mehr als BMI
Andrea
Andrea
| 28-08-2026
Wissenschaftsteam · Wissenschaftsteam
Seit Jahren gehört der Body-Mass-Index (BMI) zu den am häufigsten verwendeten Methoden, um einzuschätzen, ob jemand möglicherweise zu viel Körperfett hat. .
Er lässt sich schnell, kostengünstig und unkompliziert berechnen.
Doch der BMI hat auch eine wichtige Schwäche: er berücksichtigt nur Körpergröße und Gewicht.
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Taillenumfang einen großen Teil der zusätzlichen Informationen liefern könnte, die Ärztinnen und Ärzte benötigen – ohne dass dafür eine komplizierte Reihe von Körpermaßen erforderlich ist.

Was die Studie untersucht hat

Die Forschenden analysierten Daten von 1.900 Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 59 Jahren.
Sie verglichen mehrere Methoden zur Erkennung von Adipositas mit einem hochpräzisen Verfahren, das den tatsächlichen Körperfettanteil misst.
Eines der untersuchten Modelle war ein neuerer Ansatz, der BMI, Taillenumfang, Taille-Körpergröße-Verhältnis und Taille-Hüft-Verhältnis miteinander kombiniert.
Obwohl diese umfassendere Methode mehr Menschen mit einem erhöhten Körperfettanteil erkannte, schnitten einfachere Ansätze fast genauso gut ab.
Die Verwendung von BMI oder Taillenumfang bot eine besonders gute Balance zwischen dem korrekten Erkennen von Adipositas und dem Vermeiden falsch-positiver Ergebnisse. Auch der Taillenumfang allein schnitt überraschend gut ab.
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Warum der Taillenumfang so hilfreich ist

Der Taillenumfang liefert eine Information, die der BMI nicht bieten kann: er gibt einen Hinweis darauf, wo sich Körperfett im Körper ansammelt.
Zwei Menschen können denselben BMI haben, aber eine völlig unterschiedliche Körperzusammensetzung. Einer hat möglicherweise mehr Muskelmasse, während der andere mehr Fett im Bauchbereich trägt. Bauchfett ist besonders relevant, da es mit Risiken für die Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Gesundheit in Verbindung stehen kann.
Aayush Visaria, einer der an der Studie beteiligten Forschenden, erklärte, dass Veränderungen wie ein plötzlich benötigter weiterer Gürtelumfang oder größere Hosen manchmal ein frühes Anzeichen für eine Zunahme des Körperfetts sein können. Die Kleidergröße ersetzt jedoch keine korrekte Messung des Taillenumfangs.
Dadurch eignet sich der Taillenumfang als frühes Screening-Instrument – nicht jedoch als alleinige Diagnose.

Wo der BMI an seine Grenzen stößt

Der BMI bleibt nützlich, weil er einfach zu bestimmen ist. Allerdings kann er nicht zwischen Fett- und Muskelmasse unterscheiden.
Außerdem zeigt er nicht, wie das Fett im Körper verteilt ist. Die Studie ergab, dass der BMI allein eine beträchtliche Zahl von Menschen nicht erfasste, die nach ihrem Körperfettanteil die Kriterien für Adipositas erfüllten.
Das bedeutet: jemand kann außerhalb des traditionellen BMI-Bereichs für Adipositas liegen und dennoch potenziell ungesund viel Körperfett haben.
Die Ergebnisse sprechen nicht dafür, den BMI vollständig aufzugeben. Vielmehr deuten sie darauf hin, dass die Kombination aus BMI und Taillenumfang ein klareres Bild liefern kann, als sich allein auf Körpergewicht oder BMI zu verlassen.

Einfach kann besser sein

Das neuere Adipositas-Modell umfasst mehrere Körpermaße. Doch nicht alle davon werden bei routinemäßigen Arztbesuchen regelmäßig erfasst.
Der Hüftumfang ist ein Beispiel dafür. Der Taillenumfang lässt sich dagegen relativ einfach messen und ohne teure Geräte oder aufwendige Verfahren in eine normale Gesundheitsuntersuchung integrieren. Dieser praktische Vorteil ist wichtig.
Denn selbst ein äußerst detailliertes Screening-System ist wenig hilfreich, wenn Ärztinnen und Ärzte es im Alltag nicht zuverlässig anwenden können.
Eine schnelle Messung des Taillenumfangs könnte daher einen sinnvollen Mittelweg darstellen: informativer als der BMI allein, aber deutlich unkomplizierter als ein komplexes diagnostisches Verfahren.

Was der Taillenumfang aussagen kann – und was nicht

Der Taillenumfang sollte nicht als Diagnose verstanden werden. Eine größere Taille bedeutet nicht automatisch, dass jemand Diabetes, eine Herzerkrankung oder eine andere Krankheit hat. Sie ist lediglich ein Teil eines viel umfassenderen Gesundheitsbildes.
Auch andere Faktoren spielen eine Rolle, darunter Blutdruck, Blutzucker, Cholesterinwerte, familiäre Vorbelastungen, körperliche Aktivität, Ernährung, Schlaf und die allgemeine Krankengeschichte.
Laut Visaria liegt der eigentliche Wert der Kombination aus Taillenumfang und Körpergewicht darin, dass sich potenzielle Gesundheitsrisiken möglicherweise früher erkennen lassen.
Dadurch bleibt mehr Zeit, Faktoren anzugehen, die mit Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen und bestimmten Krebsarten in Verbindung stehen.

Warum eine frühzeitige Erkennung wichtig ist

Wenn potenziell ungesunde Veränderungen der Körperzusammensetzung früh erkannt werden, bleibt mehr Zeit für Prävention.
Deutet der Taillenumfang darauf hin, dass eine weitere Untersuchung sinnvoll sein könnte, kann eine Ärztin oder ein Arzt andere Gesundheitswerte überprüfen und geeignete nächste Schritte besprechen.
Je nach individueller Situation können dazu Veränderungen bei Ernährung, Bewegung oder Schlafgewohnheiten oder auch eine medizinische Behandlung gehören.
Die Messung selbst ist nicht die Lösung. Ihr Wert besteht darin, darauf hinzuweisen, wann ein genauerer Blick sinnvoll sein könnte.
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Ein praktikablerer Ansatz

Eine der deutlichsten Botschaften der Forschung lautet: gesundheitsvorsorge muss nicht zwangsläufig komplizierter werden, um aussagekräftiger zu sein.
Der BMI hat weiterhin seinen Nutzen. Der Taillenumfang kann jedoch mit kaum zusätzlichem Aufwand und ohne besondere Ausrüstung wichtige Informationen ergänzen.
Ein Maßband kann eine umfassende Gesundheitsuntersuchung nicht ersetzen. Es kann jedoch Risiken sichtbar machen, die allein anhand des Körpergewichts nicht zu erkennen sind.
Zusammen mit dem BMI und anderen klinischen Informationen kann der Taillenumfang ein klareres und praktischeres Bild möglicher gesundheitlicher Risiken im Zusammenhang mit Adipositas liefer.