Kindergesundheit stärken

· Wissenschaftsteam
Kindergesundheit neu denken
Das Gesundheitssystem behandelt Krankheiten oft erst dann, wenn sie bereits aufgetreten sind.
Eine Gruppe von Pflegeexpertinnen und -experten fordert deshalb einen grundlegenden Kurswechsel: die Gesundheit von Kindern soll stärker durch Prävention, frühzeitige Unterstützung und Zusammenarbeit geschützt werden.
Erin Maughan, Expertin für Schulpflege, und ihre Kollegen aus der Sektion für Kinder, Jugendliche und Familien der American Academy of Nursing (AAN) haben dazu ein neues Konzept vorgestellt. Ihr Konsenspapier beschreibt, wie Gesundheitssysteme stärker auf die vorhandenen Stärken von Kindern und Familien ausgerichtet werden könnten.
Prävention statt später Behandlung
Entscheidend ist laut den Pflegeexperten, gesundheitliche Risiken möglichst früh anzugehen. Erfahrungen und Lebensbedingungen während der Kindheit können die Gesundheit über viele Jahre beeinflussen. Deshalb sollten Familien, Schulen, Gemeinden und medizinische Einrichtungen enger zusammenarbeiten.
Zwar gibt es inzwischen umfangreiches Wissen darüber, was Kindern guttut.
Laut den Autoren fehlt jedoch häufig die konsequente Umsetzung dieser Erkenntnisse im Alltag. Ihr Vorschlag soll dabei helfen, Forschungsergebnisse besser in die praktische Gesundheitsversorgung zu übertragen.
Mehr Unterstützung für Familien
Das Konzept enthält mehrere konkrete Empfehlungen. Dazu gehört unter anderem, den Zugang zu Medicaid und Medicare auszubauen sowie kostenlose oder bezuschusste Kinder- und Nachmittagsbetreuung anzubieten.
Auch Steuergutschriften für Kinder und Angehörige sollen gestärkt werden. Gleichzeitig fordern die Experten strengere Luftqualitätsstandards speziell für Kinder und eine kontinuierliche Kontrolle der Luft in Schulen und Betreuungseinrichtungen.
Pflege soll früher ansetzen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der frühzeitigen Unterstützung von Familien. Die Autoren empfehlen mehr finanzielle Mittel für wissenschaftlich geprüfte Programme, die Familien begleiten – von der Schwangerschaft bis ins Jugendalter.
Außerdem sollte jede Schule Zugang zu einer ausgebildeten Pflegefachkraft in Vollzeit haben. Auch koordinierte Gesundheits- und Schulpflegeprogramme sollen stärker finanziert und ausgebaut werden.
Gesundheit braucht sichere Lebensräume
Die vorgeschlagenen Veränderungen beschränken sich nicht auf Arztpraxen und Krankenhäuser. Auch das Umfeld, in dem Kinder täglich leben und lernen, soll stärker berücksichtigt werden.
Dazu zählen beispielsweise digitale Lösungen, die einen sicheren und bezahlbaren Austausch von Gesundheitsinformationen zwischen medizinischen Einrichtungen, Schulen, Kindertagesstätten und Organisationen vor Ort ermöglichen.
Die Experten sprechen sich zudem für ungiftige und zertifizierte umweltfreundliche Reinigungsmittel in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen aus. Dadurch könnten Atemwegsreizungen und der Kontakt mit schädlichen Chemikalien reduziert werden.
Kindheit prägt die Zukunft
Maughan und ihre Kollegen betrachten Kindergesundheit als ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Positive Beziehungen, soziale Gesundheit, familiäre Bedingungen, Umwelt und medizinische Versorgung sollen deshalb stärker gemeinsam betrachtet werden.
Der Ansatz setzt auf Schutz und Prävention über den gesamten Lebensverlauf. Ziel ist es, nicht nur Krankheiten zu behandeln, sondern bereits in der Kindheit Bedingungen zu schaffen, die eine bessere Gesundheit im späteren Leben unterstützen.