Gesünder durch Hilfe
Lars
Lars
| 26-08-2026
Wissenschaftsteam · Wissenschaftsteam

Soziale Angebote fördern Gesundheitschecks, ohne die Kosten zu erhöhen

Menschen, die eine soziale Verordnung erhalten, nehmen kurzfristig häufiger medizinische Leistungen in Anspruch, könnten innerhalb eines Jahres jedoch seltener auf ihre Hausarztpraxis angewiesen sein.
Das zeigt eine neue Studie von Forschenden der University of Manchester, die in eClinicalMedicine veröffentlicht wurde.
Bei der Analyse der Daten von mehr als 1,4 Millionen Menschen stellten die Forschenden fest, dass Social Prescribing – also die Vermittlung von Patienten an Angebote wie Gemeinschaftsgruppen, Bewegungsprogramme oder Finanzberatung – zunächst mit einer stärkeren Inanspruchnahme des Gesundheitswesens verbunden war.
Anschließend kam es jedoch zu einem leichten Rückgang der Termine in der hausärztlichen Versorgung.
Social Prescribing wurde 2019 zu einem wichtigen Bestandteil der NHS-Pläne. Seitdem wurden in ganz England Tausende sogenannte Link Worker eingestellt, die Patienten mit Angeboten und Unterstützung in ihrer Gemeinde verbinden.
Gesünder durch Hilfe
Das Konzept ist inzwischen ein zentraler Bestandteil der Bemühungen des NHS, auch die sozialen Faktoren zu berücksichtigen, die die Gesundheit beeinflussen – darunter Einsamkeit, Wohnprobleme, Schulden und Bewegungsmangel.
Trotz der schnellen Ausweitung des Programms gab es bislang nur wenige belastbare Belege dafür, ob Social Prescribing die Nachfrage beim NHS, die Nutzung medizinischer Leistungen oder die Gesundheitskosten beeinflusst.
Die Ergebnisse stammen aus einer der bislang größten Studien dieser Art. Dafür nutzte das Forschungsteam anonymisierte NHS-Daten aus der Clinical Practice Research Datalink (CPRD), die etwa ein Viertel der Bevölkerung Englands abdecken.
Das Team verglich 168.699 Patienten, die zwischen Juli 2019 und April 2022 an Social Prescribing vermittelt wurden, mit mehr als 1,3 Millionen vergleichbaren Patienten, die keine entsprechende Vermittlung erhielten.
In den ersten sechs Monaten nach der Vermittlung hatten die Patienten, die Social Prescribing erhielten, durchschnittlich 2,25 mehr Kontakte mit medizinischen Einrichtungen als nicht vermittelte Patienten – ein Anstieg von rund 24 %. Ausschlaggebend waren vor allem zusätzliche Besuche in der hausärztlichen Versorgung und die Teilnahme an geplanten ambulanten Krankenhausbehandlungen.
Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass Patienten ihre Gesundheit aktiver in die Hand nehmen und Unterstützung für Beschwerden suchen, die zuvor möglicherweise unbehandelt geblieben wären, so die Forschenden. Nach einem Jahr zeigte sich jedoch ein anderes Bild.
Der Anstieg der Kontakte zum Gesundheitswesen war deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig hatten Patienten, die an Social Prescribing vermittelt worden waren, etwas weniger Termine in der hausärztlichen Versorgung als Patienten ohne Vermittlung. Trotz der höheren Zahl medizinischer Kontakte blieben die Gesamtkosten für den NHS nahezu unverändert.
Die Gesundheitskosten lagen bei den vermittelten Patienten weniger als 0,1 % höher. Die Forschenden bezeichneten diesen Unterschied als klinisch unbedeutend. Der geringe Kostenanstieg war hauptsächlich auf zusätzliche stationäre Behandlungen im Bereich der spezialisierten Versorgung zurückzuführen.
Die Erstautorin Dr. Anna Wilding von der University of Manchester erklärte: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Social Prescribing Menschen kurzfristig dazu ermutigen kann, medizinische Angebote stärker in Anspruch zu nehmen – insbesondere geplante und präventive Leistungen.
„Wichtig ist, dass dieser Anstieg nicht zu einem relevanten Anstieg der gesamten Gesundheitskosten geführt hat. Nach einem Jahr hatten die Patienten sogar etwas weniger Termine in der hausärztlichen Versorgung.
„Dies könnte darauf hindeuten, dass Social Prescribing Menschen gezielter zu geeigneten Unterstützungsangeboten führt und dadurch gleichzeitig die hausärztliche Versorgung entlastet.
„Um besser beurteilen zu können, ob Patienten, die diese Angebote vollständig nutzen, noch stärker davon profitieren, müssen die Daten aus Social-Prescribing-Systemen künftig besser mit elektronischen Gesundheitsakten verknüpft werden.“
Charlotte Osborn-Forde, CEO der National Academy for Social Prescribing, ergänzte: „Es gibt inzwischen überzeugende Belege dafür, dass Social Prescribing das Wohlbefinden verbessern und Menschen mit einer Vielzahl gesundheitlicher Probleme unterstützen kann.
„Diese Studie liefert eine wichtige Analyse darüber, wie sich die Vermittlung an Link Worker während der COVID-19-Pandemie auf die Nutzung medizinischer Leistungen ausgewirkt hat und möglicherweise langfristig zu einem Rückgang der Termine in der hausärztlichen Versorgung beitragen könnte.
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„Sie zeigt außerdem, dass wir genauer untersuchen müssen, wie sich die nicht erfassten sozialen Bedürfnisse berücksichtigen lassen, die zu einer Vermittlung an Social Prescribing führen.
Zudem brauchen wir bessere Daten darüber, welche Unterstützung die Patienten nach der Vermittlung tatsächlich erhalten, um die Wirkung von Social Prescribing zuverlässiger beurteilen zu können.“