Autofrei unterwegs
Leonie
Leonie
| 26-08-2026
Reiseteam · Reiseteam
Die Isle of Man ist weit mehr als ein Reiseziel für Motorsportfans und Geschichtsinteressierte. Zwischen dramatischen Küsten, historischen Bahnstrecken und idyllischen Wanderwegen lässt sich die Insel auf eine besondere Art entdecken – ganz ohne Auto.
Eine neue Wanderreise zeigt, wie abwechslungsreich eine Reise sein kann, wenn man sich zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und historischen Verkehrsmitteln fortbewegt.

Die Isle of Man neu entdecken

Die Isle of Man verbindet viktorianische Geschichte, wilde Küstenlandschaften und historische Verkehrsmittel. Eine neue Wanderreise zeigt, dass sich die Insel auch komplett ohne Auto erkunden lässt – mit Wanderwegen, öffentlichen Verkehrsmitteln und traditionsreichen Bahnen.
Die selbstverwaltete britische Kronbesitzung in der Irischen See hat schon seit Jahrhunderten Besucher angezogen. Frühe Jäger und Sammler kamen bereits um 6500 v. Chr. auf die Insel. Später folgten unter anderem irische Kelten und Wikinger, die Tynwald etablierten, eines der ältesten kontinuierlich bestehenden Parlamente der Welt.
Vom viktorianischen Ferienparadies zum Wanderziel
Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt in den 1830er-Jahren entwickelte sich die Isle of Man zu einem beliebten Urlaubsziel. Die Besucherzahlen stiegen von rund 60.000 im Jahr 1863 auf 350.000 im Jahr 1887. Im vergangenen Jahr kamen 329.613 Besucher auf die Insel.
Die aktuelle Reise von Inntravel ist als viertägiger, selbst geführter Wanderurlaub mit nur einem festen Übernachtungsort konzipiert. Ein ausführliches Wanderheft bietet für jeden Tag verschiedene Routen. Zusätzlich erhalten Reisende einen Go Explore Heritage Pass, der die unbegrenzte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie den Eintritt zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten ermöglicht.
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Mit Pferdestärke durch Douglas

Die Reise beginnt in Douglas, der Hauptstadt der Isle of Man. Bei der Ankunft mit der Fähre aus Heysham in Lancashire wirkt die Stadt an einem frühen Sonntagmorgen noch ruhig. Entlang der Promenade stehen prächtige viktorianische Hotels, während Möwen und andere Seevögel am Ufer unterwegs sind. Vor der Küste liegt der Tower of Refuge auf einer kleinen Felseninsel.
Eine der ersten Besonderheiten ist die rund 150 Jahre alte Pferdestraßenbahn. Während das Pferd gemächlich an der Küste entlangläuft, teilen sich Touristen und Einheimische die Bänke. Kinder freuen sich über die ungewöhnliche Fahrt, während die Tram an der Uferpromenade entlangzieht.
Anschließend geht es mit der Schmalspurbahn in Richtung Groudle Glen. Statt direkt bis zum Ziel zu fahren, empfiehlt der Wanderführer einen Zwischenstopp an einer Bedarfshaltestelle nahe Garwick Beach. Dort beginnt ein Abschnitt des Raad ny Foillan, des „Wegs der Möwe“, einem rund 100 Meilen langen Küstenwanderweg rund um die Insel.
Durch Naturreservate und alte Kirchenruinen
Die Wanderroute führt zunächst ins Naturschutzgebiet Ballannette. In den Büschen sind Zaunkönige zu hören, während Graugänse auf den Seen schwimmen. Danach geht es zu den Überresten der Kirche St Adamnan mit ihren keltischen Kreuzen aus dem Zeitraum zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert.
Das Ziel des Tages ist Groudle Glen. Der bewaldete Ort wirkt beinahe märchenhaft: Eine alte Wassermühle, Buchen, Birken und Lärchen prägen die Landschaft, während Sonnenlicht durch das Blätterdach fällt.
Am Abend wartet das Halvard Hotel im Zentrum von Douglas. Das 20-Zimmer-Boutiquehotel serviert in seinem Restaurant einfache Gerichte wie Burger, Pasta und Eintopf, die mit regionalen Zutaten von der Isle of Man zubereitet werden. Dazu kommt der Blick auf das Meer.

Küstenwege voller Farben

Am nächsten Tag geht es mit einer weiteren viktorianischen Hinterlassenschaft weiter: der historischen Dampfeisenbahn der Insel. An der Bedarfshaltestelle The Level steigen Wanderer mit ihren Trekkingstöcken aus und machen sich anschließend auf den Weg nach Port Erin.
Dort trifft die Route wieder auf den Raad ny Foillan. Der Weg führt durch eine farbenreiche Landschaft mit violetten Frühlings-Schwertlilien und leuchtend gelbem Ginster. Immer wieder huschen Kaninchen über den Weg.
Robben vor der Küste
Ein Höhepunkt ist der Calf Sound. Dort liegt Calf of Man, eine kleine Insel, die nur etwa eine halbe Meile vom Festland entfernt ist. Sie ist die Heimat einer Kolonie von Kegelrobben und kann im Rahmen einer Bootsfahrt besucht werden.
Anschließend führt die Wanderung ins Landesinnere nach Cregneash. Der Ort gehört zu den letzten wichtigen Zentren der Manx-Sprache, einer Form des Gälischen. Hier befindet sich außerdem das älteste Freilicht-Volkskundemuseum der Britischen Inseln, das 1938 gegründet wurde.
Kostümierte Mitarbeiter vermitteln Besuchern einen Eindruck vom traditionellen Leben auf der Insel. In der Umgebung grasen seltene vierhörnige Manx-Loaghtan-Schafe, während prähistorische Steine oberhalb des Dorfes einen Kreis bilden.
Zurück an der Küste erreicht die Route die Chasms. Dort kleben die Überreste eines Touristen-Cafés aus dem Jahr 1898 spektakulär an den Klippen. Das Café musste einst ohne Wasser und Strom auskommen und wurde in den 1960er-Jahren geschlossen. Heute kommen Wanderer und Kletterer hierher, um in die vom Meer geformten Felsspalten hinunterzublicken.
Der Tag endet in Port Erin mit dem Tagesfang und Pommes. Anschließend geht es mit dem Bus zurück nach Douglas.

Isle of Man

Auf historischen Spuren in Peel

Am letzten vollständigen Tag führt die Reise nach Peel, der mittelalterlichen Hauptstadt der Insel. Über der Stadt erheben sich die Überreste von Peel Castle auf St Patrick's Isle, die über einen künstlich angelegten Damm mit dem Festland verbunden ist.
Ein Audioguide erzählt von den früheren Bewohnern der Burg – darunter Mönche, Könige und Soldaten – sowie von Moddey Dhoo, einem legendären schwarzen Hund, der angeblich die Mauern der Burg heimsucht.
Lokale Spezialitäten und ein vergessenes Kapitel
Zum Mittag gibt es Queenies, lokal gefangene Jakobsmuscheln, die einfach in Butter gebraten werden. Anschließend führt die Wanderung zu Corrin's Folly, einem Aussichtsturm, der 1806 von einem wohlhabenden Landbesitzer errichtet wurde.
Der Wanderführer lenkt die Route danach erneut weg von der bekannten Küste und ins Landesinnere. Ziel ist Knockaloe, der Standort eines der größten Internierungslager des Ersten Weltkriegs auf den Britischen Inseln.
Heute erinnern dort vor allem Felder an das einst von Stacheldraht umgebene Lager. Mehr als 23.000 Internierte passierten Knockaloe. Zu ihnen gehörte auch Joseph Pilates, der später das nach ihm benannte Trainingssystem entwickelte.
Der Rückweg führt durch idyllische Wälder und entlang eines Baches zu einer Bushaltestelle. Von dort geht es zurück nach Douglas.

Eine Reise ohne Autoschlüssel

Am letzten Abend lässt sich bei einem lokal gebrauten Bier in Douglas noch einmal auf die vergangenen Tage zurückblicken. Die alten Schwarz-Weiß-Fotografien der Insel wirken dabei fast so, als könnten sie jeden Moment wieder zum Leben erwachen.
Doch vielleicht muss die Isle of Man ihre viktorianische Blütezeit gar nicht wiederholen. Ihre eigentliche Stärke könnte darin liegen, Reisenden die Möglichkeit zu geben, eine geschichtsträchtige und landschaftlich abwechslungsreiche Insel zu erleben, ohne jemals einen Autoschlüssel drehen zu müssen.
Angesichts der Klimakrise und steigender CO₂-Emissionen wirkt dieses Konzept weniger wie eine Reise in die Vergangenheit als vielmehr wie ein möglicher Blick auf die Zukunft des nachhaltigen Tourismus.
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Preis und Leistungen

Die neue, viertägige selbst geführte Wanderreise „Highlights of the Isle of Man“ von Inntravel kostet ab 621 Pfund pro Person. Darin enthalten sind Übernachtungen mit Frühstück, Hin- und Rücktransfers sowie ein Pass für den öffentlichen Nahverkehr.