Flussabenteuer

· Reiseteam
Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder vom Boot aus: Die Flüsse Großbritanniens und Irlands eröffnen ganz unterschiedliche Möglichkeiten, Landschaften, Natur und historische Orte zu entdecken.
Leserinnen und Leser des Guardian stellen ihre persönlichen Lieblingsrouten vor – von idyllischen Spaziergängen durch die Yorkshire Dales bis zu entspannten Bootstouren auf dem Shannon.
Entlang der Wharfe zur Bolton Abbey
Eine sechs Meilen lange Wanderung verbindet Flusslandschaft und Geschichte.
Helen empfiehlt eine Wanderung entlang des schnell fließenden River Wharfe von Ilkley nach Bolton Abbey. Die etwa sechs Meilen lange Strecke beginnt in den Riverside Gardens am Südufer des Flusses, in der Nähe der Überreste eines römischen Kastells.
Von dort führt der Weg über eine historische Steinbrücke und weiter in das malerische Dorf Addingham. Unterwegs passiert man das Wehr von Low Mill und erhält einen Blick auf die Befestigungsanlage Castleberg, die aus der späten Bronzezeit beziehungsweise der frühen Eisenzeit stammt.
Wer anschließend dem Flussufer weiter folgt, erreicht die beeindruckenden Überreste des Klosters von Bolton Abbey aus dem 12. Jahrhundert. Die Ruinen liegen inmitten einer reizvollen Landschaft mit Wäldern und weitläufigen Parkanlagen.
Mit dem Boot auf dem River Bure
Auf den Norfolk Broads wird bereits die langsame Fahrt zum Erlebnis.
John empfiehlt eine einwöchige Bootstour auf dem River Bure in Norfolk, von Acle bis Coltishall. Auf dem Fluss gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von fünf Meilen pro Stunde. Dadurch bleibt reichlich Zeit, die ständig wechselnde Landschaft und die Tierwelt zu genießen.
Entlang der Strecke gibt es zahlreiche Anlegestellen. Von dort lassen sich Naturschutzgebiete, typisch englische Dörfer wie Belaugh und die romantischen Ruinen der St Benet's Abbey erkunden. Auch Pubs direkt am Fluss und die Landschaft der Broads laden zu Pausen ein.
Ein weiterer lohnender Zwischenstopp ist Roys of Wroxham, das als „größter Dorfladen der Welt“ bezeichnet wird. Dort können Vorräte aufgefüllt werden, bevor die letzte, besonders stimmungsvolle Etappe nach Coltishall beginnt. Boote lassen sich an mehreren Orten mieten und sind laut John einfach zu bedienen – auch ohne vorherige Erfahrung.
Natur mitten in Coventry
Der River Sowe zeigt, dass sich selbst in einer Stadt überraschend viel Natur entdecken lässt.
Wer in der Nähe des Stadtzentrums von Coventry einen ruhigen Spaziergang unternehmen möchte, kann dem Sowe Valley Footpath folgen. Der rund 8,5 Meilen lange Weg verläuft entlang des River Sowe, eines Nebenflusses des Avon.
Die Route führt von Hawkesbury Junction bis Whitley Grove Wood und verbindet Waldstücke, Wasserläufe und urbane Landschaften. Unterwegs lassen sich mit etwas Glück Reiher, Teichhühner und weitere Tiere beobachten.
Für Deborah Dixon liegt genau darin der besondere Reiz der Strecke: Sie zeigt, dass Natur auch an Orten zu finden ist, an denen man sie zunächst kaum vermuten würde.
Edinburgh am Water of Leith
Ein idyllischer Flussweg führt mitten durch die schottische Hauptstadt.
Der Water of Leith Walkway erstreckt sich über 13 Meilen von Balerno bis Leith. Der Weg wird vom Water of Leith Conservation Trust betreut und bietet eine abwechslungsreiche Mischung aus Natur und Stadtgeschichte.
Keith Cumming empfiehlt als Einstieg den Abschnitt von Roseburn, etwa eine Meile westlich der Princes Street, flussabwärts in Richtung Stockbridge. Die rund zwei Meilen lange Strecke dauert ungefähr 45 Minuten.
Unterwegs führt der Weg durch das historische Dean Village und vorbei am St Bernard's Well. Wer Glück hat, kann sogar einen Eisvogel entdecken.
Entlang des Welland bis zum Meer
Eine fünftägige Wanderung führt von den Midlands durch die Fens bis an die Küste.
Alex erstellt seine Fernwanderungen mithilfe der Ordnance Survey App. Zu seinen Favoriten gehört eine fünftägige Tour entlang des 65 Meilen langen River Welland – von der Quelle bis zur Mündung.
Die Wanderung beginnt bei Sibbertoft in der Nähe von Market Harborough in Leicestershire. Anschließend führt die Route entlang der Grenze zwischen Rutland und Northamptonshire, vorbei an Rockingham Castle bei Corby und weiter nach Stamford.
Auch Helpston, der Geburtsort des Dichters John Clare, liegt auf der Strecke. Danach geht es hinaus in die Fens. Zu den Stationen gehören die mittelalterlichen Ruinen der Crowland Abbey und die elegante Stadt Spalding, die von Kanälen geprägt ist.
Am letzten Tag nähert sich Boston langsam. Dabei wird der markante Boston Stump, die St Botolph's Church, mit jedem Schritt größer, bis schließlich die Stelle erreicht ist, an der der River Welland ins Meer mündet.
Auf dem Shannon durch Irland
Bei Sonnenschein kann die Landschaft am Shannon an das Mississippi-Delta erinnern.
Shannon Harbour in den irischen Midlands liegt dort, wo der Grand Canal auf den River Shannon trifft. Eve erinnert sich daran, wie sie als Kind häufig am Kanal entlangspazierte und im Pub McIntyre's Halt machte. Zu den kleinen Snacks gehörten damals Tayto-Chips, die sie scherzhaft als irische „Tapas“ bezeichnet.
Das eigentliche Highlight waren jedoch die Bootsfahrten mit einem Jugendfreund ihres Vaters. Von Shannon Harbour ging es hinaus auf den eigentlichen Shannon – und dort veränderte sich die Landschaft vollkommen.
An einem warmen Tag, so Eve, fühlt es sich beinahe so an, als würde man das ländliche Irland verlassen und den Mississippi hinunterfahren. Bei schlechtem Wetter hingegen kann die Sicht so eingeschränkt sein, dass das andere Flussufer nicht mehr zu erkennen ist.
Eines bleibt jedoch sicher: Bei der Rückkehr ist McIntyre's unabhängig vom Wetter geöffnet.
Römische Spuren am River Ouse
In York verbindet ein Spaziergang am Fluss Natur mit Geschichte.
Der River Ouse bietet in York und darüber hinaus eine besonders schöne Strecke für Spaziergänger. Mary empfiehlt, die Route über die Scarborough Bridge zu beginnen und anschließend dem Dame Judi Dench Walk zu folgen.
Der Weg führt an den Museum Gardens vorbei, wo römische und mittelalterliche Überreste zu sehen sind. Ein besonderer Zwischenstopp ist das Café Perky Peacock, das in einem mittelalterlichen Turm direkt am Flussufer untergebracht ist.
Wer dem Fluss weiter folgt, erreicht den Rowntree Park und anschließend die Millennium Bridge. Allerdings sollte man sich auf Kopfsteinpflaster und einige Abschnitte einstellen, die nur über Treppen zugänglich sind.
Wasserfälle am River Tees
High Force und Low Force gehören zu den spektakulärsten Abschnitten des River Tees.
Im County Durham stürzt der River Tees über den beeindruckenden Wasserfall High Force durch eine dramatische Moorlandschaft. Flussabwärts geht es mit Low Force weiter, wo das Wasser über Felsen und Stromschnellen sprudelt.
Hannah S empfiehlt, das Auto in Bowlees abzustellen und den Tees bei Low Force über die historische Wynch Suspension Bridge zu überqueren. Die Hängebrücke wurde in den 1830er-Jahren errichtet und ersetzte eine frühere Hängebrücke, die 1741 von Bleibergleuten gebaut worden war.
Die Brücke ist zudem ein guter Ort, um Kajakfahrer bei der Fahrt durch Low Force zu beobachten. Anschließend führt der Weg flussaufwärts durch die Moorlandschaft bis zum donnernden High Force. Nach der Wanderung wartet im Besucherzentrum von Bowlees eine wohlverdiente Pause mit Kuchen.
Gewinner-Tipp: Entlang der Ouse bis zur Küste
Diese Route durch die South Downs führt von der Landschaft bis nach Newhaven am Meer.
Der Gewinner-Tipp folgt dem River Ouse durch die South Downs bis zur Küste und kann zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet werden.
Peter beginnt seine Tour gewöhnlich in der Nähe von Horsham in West Sussex und folgt dem Ouse Valley Way. Die Route führt über sanfte Felder und durch Waldwege. Unterwegs besteht die Möglichkeit, Nymans zu besuchen, einen außergewöhnlichen Garten im Besitz des National Trust.
Bei Balcombe führt die Strecke unter einem viktorianischen Eisenbahnviadukt mit 37 Bögen hindurch. Anschließend geht es weiter in die historische Stadt Lewes in East Sussex. Dort bietet sich beispielsweise eine Pause im John Harvey Tavern an, während der Fluss vorbeifließt.
Der letzte Abschnitt ist flach und angenehm zu bewältigen. Während der Weg der Küste näher kommt, rückt schließlich Newhaven ins Blickfeld.
Von ruhigen Spaziergängen über anspruchsvolle Wanderungen bis hin zu entspannten Bootstouren zeigen diese Leser-Tipps, wie vielfältig Großbritannien und Irland entlang ihrer Flüsse erlebt werden können.