Kredite werden strenger

· Wissenschaftsteam
Juli-Ergebnisse der Umfrage zum Bankkreditgeschäft in Deutschland
Kreditstandards wurden in allen Kreditkategorien verschärft
- Die an der Umfrage zum Bankkreditgeschäft (BLS) teilnehmenden deutschen Banken haben ihre Kreditstandards für Unternehmenskredite und Kredite an private Haushalte im zweiten Quartal 2026 verschärft. Die Verschärfung bei Unternehmenskrediten fiel etwas geringer aus als im Vorquartal und blieb hinter den Erwartungen der Banken aus der Umfrage vom April 2026 zurück.
Als Hauptgrund für die Verschärfung in allen Kreditkategorien nannten die Banken vor allem das gestiegene Kreditrisiko.
- In den vergangenen sechs Monaten haben die Banken ihre Kreditstandards für Unternehmen insbesondere im Immobilien- und verarbeitenden Gewerbe sowie im Groß- und Einzelhandel deutlich verschärft.
- Aufgrund klimabezogener Risiken und Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels haben die Banken ihre Kreditstandards für emissionsintensive Unternehmen und Unternehmen im Transformationsprozess in den vergangenen zwölf Monaten verschärft. Bei Wohnungsbaukrediten wurden die Kreditstandards zudem für Gebäude mit niedriger Energieeffizienz restriktiver gestaltet.
- Die Banken haben ihre Kreditbedingungen für Unternehmenskredite und für Wohnungsbaukredite an private Haushalte im zweiten Quartal 2026 verschärft. Die Bedingungen für Konsumentenkredite und sonstige Kredite an private Haushalte blieben per saldo unverändert.
- Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten stieg im zweiten Quartal 2026. Dagegen ging die Nachfrage der privaten Haushalte deutlich zurück.
Die BLS umfasst drei Kreditkategorien: Unternehmenskredite, Wohnungsbaukredite an private Haushalte sowie Konsumentenkredite und sonstige Kredite an private Haushalte. Per saldo verschärften die befragten Banken ihre Kreditstandards, also ihre internen Richtlinien oder Kriterien für die Kreditvergabe, in allen drei Kreditkategorien.
Der Nettoanteil der Banken, die ihre Anforderungen verschärften, lag bei 10 % für Unternehmenskredite (gegenüber 16 % im Vorquartal), bei 7 % für Wohnungsbaukredite an private Haushalte (gegenüber 4 % im Vorquartal) und bei 11 % für Konsumentenkredite und sonstige Kredite an private Haushalte (gegenüber 11 % im Vorquartal).
Bei Unternehmenskrediten fiel die Verschärfung damit etwas geringer aus als im Vorquartal. Sie blieb zudem hinter den Erwartungen der Banken aus der April-Umfrage zurück. Die jüngste Verschärfung betraf insbesondere Großunternehmen.
Die Banken begründeten die Verschärfung der Kreditstandards in allen Kreditkategorien vor allem mit dem gestiegenen Kreditrisiko. Bei Unternehmenskrediten führten die Banken den Anstieg des Kreditrisikos in erster Linie auf branchen- und unternehmensspezifische Faktoren sowie auf die schwache Wirtschaftslage und die verhaltenen wirtschaftlichen Aussichten zurück.
Der Konflikt im Nahen Osten hatte bislang nur geringe Auswirkungen auf die Kreditstandards für Unternehmenskredite bei den befragten deutschen Banken. Auch im Vorquartal hatten die Banken lediglich geringe Auswirkungen gemeldet.
Bei Krediten an private Haushalte zeigen die Antworten der Banken, dass neben der schwachen Wirtschaftslage und den verhalteneren wirtschaftlichen Aussichten auch die gesunkene Kreditwürdigkeit der Haushalte eine Rolle spielte.
Für das dritte Quartal 2026 planen die Banken, ihre Kreditstandards in allen Kreditkategorien weitgehend unverändert zu lassen. Aufgrund der Unsicherheit über die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten schließen die Banken weitere Anpassungen jedoch nicht aus.
Per saldo verschärften die Banken ihre Kreditbedingungen, also die tatsächlich genehmigten Bedingungen, wie sie im Kreditvertrag festgelegt sind, für Unternehmenskredite und Wohnungsbaukredite an private Haushalte.
Nach Angaben der Banken waren höhere Kreditzinsen und gestiegene Margen für risikoreichere Kredite ausschlaggebend für die restriktiven Anpassungen. Bei Unternehmenskrediten verschärften die Banken zudem die Kreditvereinbarungen.
Die Banken begründeten die Anpassungen vor allem mit dem gestiegenen Kreditrisiko sowie bei Wohnungsbaukrediten mit höheren Refinanzierungskosten und einer geringeren Risikobereitschaft. Isoliert betrachtet wirkte der Wettbewerb mit anderen Banken bei Unternehmenskrediten expansiv.
In der Kategorie der Konsumentenkredite und sonstigen Kredite an private Haushalte blieben die Kreditbedingungen per saldo unverändert.
Nach Einschätzung der befragten Banken stieg die Nachfrage nach Bankkrediten von Unternehmen in Deutschland im zweiten Quartal 2026, während die Nachfrage der privaten Haushalte gegenüber dem Vorquartal zurückging.
Bei Unternehmenskrediten setzte sich damit die Erholung der Nachfrage fort, die bereits im ersten Halbjahr 2024 begonnen hatte. Nach der Abschwächung der Dynamik in den beiden vorangegangenen Quartalen zog die Nachfrage wieder etwas stärker an.
Darüber hinaus übertraf der Anstieg der Nachfrage von Unternehmen die Erwartungen der Banken aus der vorherigen Umfragerunde. Der Nachfrageanstieg bei Unternehmenskrediten war ausschließlich auf Großunternehmen zurückzuführen.
Dagegen ging die Nachfrage kleiner und mittlerer Unternehmen etwas zurück. Zudem betraf der gestiegene Finanzierungsbedarf ausschließlich langfristige Kredite.
Die Banken führten den Anstieg der Nachfrage vor allem auf die Umschuldung beziehungsweise Restrukturierung von Schulden und auf Neuverhandlungen zurück. Darüber hinaus meldeten sie einen höheren Finanzierungsbedarf für Anlageinvestitionen bei Großunternehmen. Das allgemeine Zinsniveau wirkte erstmals seit der Umfrage vom Juli 2024 dämpfend auf die Nachfrage.
Die Nachfrage der privaten Haushalte nach Wohnungsbaukrediten, Konsumentenkrediten und sonstigen Krediten ging so stark zurück wie seit drei Jahren nicht mehr. In beiden Kategorien blieb die Nachfrage hinter den Erwartungen der Banken aus der vorherigen Umfrage zurück.
Die Banken führten den Rückgang auf das geringere Verbrauchervertrauen, das höhere allgemeine Zinsniveau und die geringeren Ausgaben für langlebige Konsumgüter zurück.
Die Aussichten für den Wohnimmobilienmarkt wirkten erstmals seit zwei Jahren negativ auf die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten. Die Ablehnungsquote bei Unternehmenskrediten stieg erneut. Auch bei Konsumentenkrediten und sonstigen Krediten erhöhte sich die Ablehnungsquote, während sie bei Wohnungsbaukrediten an private Haushalte nahezu unverändert blieb.
Bei Unternehmenskrediten erwarten die Banken für das dritte Quartal 2026 einen weiteren Anstieg der Nachfrage. Im Geschäft mit privaten Haushalten rechnen sie dagegen mit einem weiteren Rückgang des Finanzierungsbedarfs.
Die Juli-Umfrage enthielt zusätzliche Fragen zu den Finanzierungsbedingungen der teilnehmenden Banken sowie zu den Auswirkungen notleidender Kredite (NPLs) und anderer Indikatoren der Kreditqualität auf die Kreditvergabepolitik der Institute. Außerdem wurde nach Kreditstandards und der Kreditnachfrage in den wichtigsten Wirtschaftssektoren gefragt.
Eine weitere Frage befasste sich mit den Auswirkungen klimabezogener Risiken und Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels auf die Kreditvergabe der Banken. Dabei wurden die Auswirkungen auf Kreditstandards und Kreditnachfrage von emissionsintensiven Unternehmen, Unternehmen im Transformationsprozess und „grünen“ Unternehmen untersucht.
Zusätzlich wurden die Auswirkungen klimabezogener Faktoren auf Wohnungsbaukredite an private Haushalte betrachtet, aufgeschlüsselt nach Gebäuden mit niedriger sowie guter oder hoher Energieeffizienz.
Angesichts der Bedingungen an den Finanzmärkten meldeten die deutschen Banken insgesamt eine leichte Verschlechterung ihrer Refinanzierungssituation. Insbesondere der Zugang zu kurzfristigen Kundeneinlagen und die Refinanzierung über Schuldverschreibungen verschlechterten sich.
Im zweiten Quartal 2026 trugen die NPL-Quote, also der Bestand an Brutto-NPLs in der Bilanz einer Bank im Verhältnis zum Bruttobuchwert der Kredite, und andere Indikatoren der Kreditqualität in keiner der drei Kreditkategorien wesentlich zur Verschärfung der Kreditstandards bei.
In den vorherigen Umfragerunden hatten die Banken noch restriktive Auswirkungen gemeldet, insbesondere bei Unternehmenskrediten. In den vergangenen sechs Monaten wurden die Kreditstandards für Unternehmenskredite insbesondere im Immobilien- und verarbeitenden Gewerbe sowie im Groß- und Einzelhandel deutlich verschärft.
Im verarbeitenden Gewerbe war die Verschärfung insbesondere bei der Herstellung von Kraftfahrzeugen und in energieintensiven Branchen ausgeprägt. Allerdings wurden auch in allen anderen von der Umfrage erfassten Wirtschaftssektoren restriktive Anpassungen vorgenommen.
Für die kommenden sechs Monate planen die Banken, ihre Kreditstandards erneut für den gewerblichen Immobiliensektor, die Herstellung von Kraftfahrzeugen und energieintensive Branchen zu verschärfen.
Nach Einschätzung der Banken ging die Nachfrage nach Unternehmenskrediten in den vergangenen sechs Monaten in nahezu allen wichtigen Wirtschaftssektoren zurück oder blieb unverändert. Besonders deutlich war der Rückgang bei Unternehmen der Kraftfahrzeugindustrie und im Bereich der Wohnimmobilien.
Auch im verarbeitenden Gewerbe, einschließlich energieintensiver Branchen, sowie im Baugewerbe ohne Immobilienwirtschaft ging die Nachfrage zurück. Im Dienstleistungssektor sowie im Groß- und Einzelhandel blieb sie unverändert. Dagegen stieg die Nachfrage im gewerblichen Immobiliensektor leicht.
Für die kommenden sechs Monate erwarten die Banken in den meisten wichtigen Wirtschaftssektoren kaum Veränderungen bei der Kreditnachfrage. Einen Anstieg der Nachfrage erwarten sie lediglich im Baugewerbe sowie im gewerblichen und privaten Immobiliensektor.
Klimabezogene Risiken und Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels hatten in den vergangenen zwölf Monaten insbesondere bei den Kreditstandards für emissionsintensive Unternehmen eine deutlich restriktive Wirkung. Auch bei den Kreditstandards für Unternehmen im Transformationsprozess war ein etwas geringerer restriktiver Einfluss des Klimawandels zu beobachten.
Auf die Kreditvergabe an „grüne“ Unternehmen hatte der Klimawandel dagegen keinen Einfluss. Für die kommenden zwölf Monate erwarten die Banken, dass der Klimawandel eine Lockerung ihrer Kreditstandards für „grüne“ Unternehmen bewirken wird. Gleichzeitig rechnen sie mit einer weiteren Verschärfung ihrer Kreditstandards für Kredite an andere Unternehmen.
Isoliert betrachtet führten die Auswirkungen des Klimawandels zu einer höheren Kreditnachfrage von Unternehmen im Transformationsprozess und emissionsintensiven Unternehmen. Auf die Kreditnachfrage „grüner“ Unternehmen hatten der Klimawandel und die Klimapolitik dagegen keinen Einfluss. Für die kommenden zwölf Monate erwarten die Banken, dass der Klimawandel unabhängig von der Einstufung der Unternehmen zu einer höheren Kreditnachfrage führen wird.
Bei Wohnungsbaukrediten an private Haushalte wurden die Kreditstandards für Gebäude mit niedriger Energieeffizienz, bei denen keine oder nur begrenzte Verbesserungen der Energieeffizienz vorgesehen sind, restriktiver gestaltet.
Dagegen hatten klimabezogene Risiken und Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels leicht expansive Auswirkungen auf die Kreditstandards für Gebäude mit derzeitiger oder angestrebter hoher Energieeffizienz.
In den kommenden zwölf Monaten wollen die Banken bei der Anpassung ihrer Kreditstandards deutlich stärker differenzieren. Isoliert betrachtet führten der Klimawandel und die Klimapolitik zu einer höheren Nachfrage nach Krediten für Gebäude mit derzeitiger oder angestrebter hoher Energieeffizienz.
Dagegen wurde die Nachfrage nach Krediten für Gebäude mit niedriger Energieeffizienz durch klimabezogene Faktoren negativ beeinflusst.
Auch für die kommenden zwölf Monate erwarten die Banken eine steigende Nachfrage nach Krediten für Gebäude mit hoher Energieeffizienz und eine sinkende Nachfrage nach Krediten für Gebäude mit niedriger Energieeffizienz.
Die viermal jährlich durchgeführte Umfrage zum Bankkreditgeschäft fand zwischen dem 15. und 30. Juni 2026 statt. In Deutschland nahmen 33 Banken an der Umfrage teil. Die Rücklaufquote betrug 100 %.