Chinesen erobern Markt
Jessica
Jessica
| 24-08-2026
Fahrzeugteam · Fahrzeugteam
Chinesische Autohersteller gewinnen in Deutschland Marktanteile, indem sie Kunden von europäischen, japanischen und koreanischen Marken abwerben.
Laut neuen Branchendaten gehören Besitzer von Hyundai und Kia zu den wechselwilligsten Kunden.
Chinesische Automarken fassen auf dem deutschen Automobilmarkt zunehmend Fuß und gewinnen Kunden, die bisher etablierte europäische, japanische und koreanische Marken bevorzugten. Ihr wachsender Einfluss beschränkt sich längst nicht mehr auf Käufer, die nach dem günstigsten Angebot suchen.
Attraktive Preise, umfangreiche Ausstattung und ein wachsendes Angebot an Elektrofahrzeugen machen chinesische Marken für immer mehr Verbraucher interessant.
Aktuellen Marktdaten zufolge kamen chinesische Marken im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland auf 3,8 % der Neuzulassungen, gegenüber 2,2 % im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dieser Anstieg zeigt, wie schnell Hersteller wie BYD und MG ihren Kundenstamm ausbauen.

Koreanische Marken geraten zunehmend unter Druck

Besonders deutlich zeigt sich der Wandel bei Besitzern koreanischer Fahrzeuge. Fast die Hälfte der befragten Kunden koreanischer Marken gab an, beim nächsten Fahrzeugkauf den Kauf eines chinesischen Autos in Betracht zu ziehen.
Rund jeder Fünfte erklärte sogar, einen solchen Wechsel definitiv erwägen zu wollen.
Auch Kunden japanischer Marken zeigen eine beträchtliche Offenheit gegenüber chinesischen Herstellern. Fast ein Drittel der Befragten könnte sich vorstellen, beim nächsten Fahrzeug auf eine chinesische Marke umzusteigen.
Kunden deutscher Marken bleiben ihren heimischen Herstellern stärker verbunden. Dennoch könnte sich rund jeder Vierte vorstellen, zu einer chinesischen Marke zu wechseln. Damit beginnen die neuen Wettbewerber selbst etablierte deutsche Hersteller herauszufordern.
Chinesen erobern Markt

MG und BYD gewinnen ehemalige Kunden

MG und BYD gehören zu den chinesischen Marken, die besonders von dieser Abwanderung profitieren.
Ehemalige Hyundai-Kunden machten rund 7,9 % der Neukunden von MG und 6,5 % der Neukunden von BYD aus. Bei ehemaligen Kia-Kunden lagen die Anteile bei etwa 4,3 % für MG und 5,1 % für BYD.
Volkswagen ist ebenfalls eine wichtige Quelle für neue Kunden beider Marken. Da Volkswagen bereits eine sehr große Präsenz auf dem deutschen Markt hat, steht naturgemäß ein entsprechend großer Kundenstamm für einen möglichen Wechsel zur Verfügung.
Auch Kunden von Ford und Opel sind bei MG-Neukunden überproportional vertreten, während Toyota bei den zu BYD wechselnden Kunden besonders stark vertreten ist.

Warum wechseln deutsche Käufer?

Chinesische Hersteller haben ihre Produkte für den europäischen Markt in kurzer Zeit erheblich weiterentwickelt. Viele Modelle verbinden wettbewerbsfähige Preise mit umfangreicher Serienausstattung, modernen Infotainmentsystemen und zunehmend fortschrittlichen Elektroantrieben.
Dieses Preis-Leistungs-Verhältnis kann besonders für Kunden attraktiv sein, die den Eindruck haben, dass etablierte Hersteller inzwischen zu teuer geworden sind.
Elektrofahrzeuge spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Chinesische Hersteller haben massiv in Batterietechnik, elektrische Antriebe und Fahrzeugsoftware investiert und können dadurch direkt mit etablierten Marken in einem der am schnellsten wachsenden Segmente konkurrieren.
Für deutsche Verbraucher geht es bei der Kaufentscheidung daher zunehmend darum, was ein Fahrzeug für sein Geld bietet – und nicht ausschließlich darum, aus welchem Land der Hersteller stammt.

Etablierte Marken geben nicht kampflos auf

Die wachsende Beliebtheit chinesischer Hersteller bedeutet nicht, dass etablierte Marken zwangsläufig ihre Kunden verlieren.
Hyundai und Kia beispielsweise konnten ihre Zulassungszahlen in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 beide steigern. Hyundai legte um 4,1 % zu, während Kia ein Wachstum von 3,1 % verzeichnete.
Ihre Fähigkeit, Kunden zu halten und neue Käufer zu gewinnen, zeigt, dass der Wettbewerb inzwischen komplexer ist als ein einfacher Kampf zwischen chinesischen und traditionellen Herstellern.
Europäische und asiatische Marken reagieren mit neuen Elektromodellen, verbesserter Technik und wettbewerbsfähigeren Preisen. Gleichzeitig profitieren etablierte Hersteller von starken Händlernetzen, hoher Markenbekanntheit und langjähriger Kundenbindung.

Ein deutscher Automarkt im Wandel

Die wichtigste Veränderung besteht darin, dass chinesische Marken zunehmend neben etablierten Herstellern in Betracht gezogen werden und nicht mehr nur als Nischenanbieter gelten.
Jahrelang waren deutsche Autokäufer daran gewöhnt, zwischen Marken wie Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz, Audi, Opel, Ford, Toyota, Hyundai und Kia zu wählen. Nun gehören BYD, MG und andere chinesische Hersteller zunehmend zu den Marken, die bei einer Kaufentscheidung berücksichtigt werden.
Die Herausforderung für etablierte Autobauer besteht daher nicht mehr nur darin, Kunden vom Kauf eines günstigeren Fahrzeugs abzuhalten. Sie müssen Verbraucher davon überzeugen, dass ihre Fahrzeuge einen ausreichenden Mehrwert bieten, um möglicherweise höhere Preise zu rechtfertigen.
Chinesen erobern Markt
Sollten chinesische Hersteller ihr Absatzvolumen, ihre Händlernetze und ihre Modellpalette weiterhin in diesem Tempo ausbauen, könnte der deutsche Automobilmarkt in wenigen Jahren deutlich anders aussehen. Der Kampf um deutsche Autokäufer wird immer härter – und chinesische Autobauer stehen längst nicht mehr am Spielfeldrand.