Wile E. schlägt zurück
Nicolas
Nicolas
| 21-08-2026
Unterhaltungsteam · Unterhaltungsteam
Nur wenige Filme können auf eine derart chaotische Produktionsgeschichte zurückblicken wie Coyote vs. Acme.
Ursprünglich sollte der Film bereits Jahre früher erscheinen, doch Warner Bros. legte den fertigen Film zunächst auf Eis, bevor Ketchup Entertainment ihn schließlich übernahm. Nun kommt er am 28. August 2026 in die US-Kinos.
Vor diesem turbulenten Hintergrund überrascht vor allem, wie leicht und unbeschwert der fertige Film wirkt. Statt sich von seiner schwierigen Entstehungsgeschichte belasten zu lassen, setzt er voll auf die absurde Energie der klassischen Looney Tunes und verwandelt sie in eine unterhaltsame Mischung aus Realfilm und Animation.

Eine Klage, wie nur Wile E. sie einreichen könnte

Seit Jahrzehnten verlässt sich Wile E. Coyote bei seinen endlosen Versuchen, den Road Runner zu fangen, auf Produkte von ACME.
Raketen, Magnete und andere völlig abwegige Erfindungen haben eines gemeinsam: fast immer wenden sie sich gegen ihn. Diesmal hat der Kojote genug und zieht ACME wegen der mangelhaften Produkte vor Gericht.
Sein Anwalt ist Kevin Avery, gespielt von Will Forte – ein erfolgloser Jurist, dessen erster Impuls meist darin besteht, unnötigen Aufwand zu vermeiden. Wile E. dagegen gibt niemals auf. Aus diesem Gegensatz entsteht das zentrale komödiantische Duo. John Cena spielt Buddy Crane, den aalglatten Anwalt von ACME, während Lana Condor als Kevins Nichte Paige zu sehen ist.

Cartoon-Logik trifft auf die reale Welt

Regisseur Dave Green behandelt die Anwesenheit animierter Figuren unter Menschen als etwas völlig Normales.
Diese Entscheidung ist entscheidend. Niemand verschwendet Zeit damit zu erklären, warum ein Zeichentrick-Kojote einen Anwalt engagieren oder vor Gericht auftreten kann. Die Welt der Menschen funktioniert einfach nach einer fast ebenso absurden Logik wie die Cartoons.
Der naheliegende Vergleich ist Who Framed Roger Rabbit?, ein weiterer Film, in dem Zeichentrick- und Realfilmfiguren gemeinsam in einer Welt existieren. Hier bleibt der Ton jedoch deutlich näher am schnellen Slapstick-Rhythmus klassischer Looney-Tunes-Kurzfilme.
Explosionen, missglückte Erfindungen und überdrehte körperliche Comedy folgen Schlag auf Schlag. Trotzdem wirkt der Film nur selten wie eine bloße Kopie alter Cartoons.

Will Forte findet die richtige Balance

Forte hält Kevin bewusst eher zurückhaltend. Dadurch bleibt Wile E. Coyote die schweigsame, besessene Quelle des Chaos, während Kevin auf die immer absurderen Situationen um ihn herum reagiert.
Ihre Beziehung entwickelt sich nach und nach zu einer klassischen Buddy-Komödie mit zwei völlig ungleichen Partnern. Der eine weigert sich unter allen Umständen aufzugeben, während der andere am liebsten sofort aussteigen würde, sobald etwas unbequem wird. Das Prinzip ist simpel, gibt der Geschichte aber genug emotionale Struktur, um sowohl die Gerichtswitze als auch die aufwendigen visuellen Gags zu tragen.

Ein Film für Looney-Tunes-Fans

Der Film steckt voller Anspielungen auf das gesamte Looney-Tunes-Universum.
Vertraute Figuren wie Bugs Bunny, Daffy Duck und Foghorn Leghorn tauchen ebenso auf wie zahlreiche deutlich weniger bekannte Anspielungen für langjährige Fans.
Wer die älteren Cartoons nicht kennt, wird manche Referenzen vermutlich gar nicht bemerken. Sie stören den Handlungsfluss jedoch nur selten.
Noch wichtiger: der Film versteht den Rhythmus des Looney-Tunes-Humors. Die Gags kommen schnell, Katastrophen eskalieren ohne Vorwarnung und keine Situation bleibt lange vernünftig.

Nicht jeder Witz zündet

Im letzten Teil wird der Film etwas konventioneller, als es der Auftakt vermuten lässt. Sobald sich die Handlung über die ursprüngliche Klage hinaus ausweitet, wirkt die Erzählung gelegentlich unnötig überladen, und auch manche Seitenhiebe auf die Geschäftswelt bewegen sich auf vertrautem Terrain.
Trotzdem ist der Film schnell genug erzählt, dass diese Schwächen kaum zu ernsthaften Problemen werden. Seine größte Stärke ist die Begeisterung, mit der er gemacht wurde. Die Filmemacher haben offensichtlich Spaß an dieser Welt, statt die Figuren lediglich als nostalgische Marken zu behandeln, die wieder auf die Leinwand gebracht werden müssen.

Das lange Warten hat sich gelohnt

Coyote vs. Acme funktioniert gerade deshalb, weil der Film gar nicht erst versucht, Wile E. Coyote vernünftig oder realistisch erscheinen zu lassen.
Er bleibt besessen, unverwüstlich und spektakulär vom Pech verfolgt – nur dass er diesmal endlich etwas hat, für das es sich zu kämpfen lohnt.
Originell, energiegeladen und herrlich absurd macht der Film aus einer der ungewöhnlichsten Veröffentlichungsgeschichten Hollywoods ein unterhaltsames Comeback für das Looney-Tunes-Universum.