Britische Schokolade

· Essens-Team
Eine Schokoladentafel, deren Kakao nicht aus den Tropen, sondern aus England stammt: Wissenschaftler der University of Reading haben ein außergewöhnliches Experiment gewagt.
In einem Gewächshaus in Berkshire bauten sie Kakaopflanzen an und verwandelten deren Bohnen anschließend in eine Schokolade, die vollständig in Großbritannien entstanden ist.
Das Ergebnis ist nicht nur eine seltene Süßigkeit, sondern auch ein spannender Blick darauf, wie sich der Kakaoanbau angesichts des Klimawandels verändern könnte.
Eine Schokolade mit ungewöhnlicher Herkunft
Was wäre, wenn eine Schokoladentafel wirklich komplett aus Großbritannien stammen würde – vom Kakao bis zur fertigen Süßigkeit? Wissenschaftler der University of Reading haben genau das möglich gemacht. Für ihr besonderes Projekt verwendeten sie Kakaobohnen, die in einem Gewächshaus im englischen Berkshire angebaut wurden.
Die ungewöhnliche Tafel entstand anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Universität. Damit gehört sie zu einer äußerst seltenen Gruppe britischer Schokoladenprodukte, denn die Herstellung von Schokolade im Vereinigten Königreich ist normalerweise auf Kakaobohnen aus dem Ausland angewiesen.
Vom Kakaobaum bis zur Tafel
Maha Khan, Masterstudentin an der University of Reading, begleitete den gesamten Herstellungsprozess. Sie erntete die Kakaofrüchte, fermentierte die Bohnen und verarbeitete sie anschließend in der Lebensmittelabteilung der Universität.
Für Khan war besonders interessant, den gesamten Weg des Kakaos an einem einzigen Ort mitzuerleben. Auch geschmacklich soll sich die ungewöhnliche Herkunft bemerkbar machen. Die Schokolade wird als besonders reichhaltig und komplex beschrieben.
Die Kakaopflanzen stammen aus einer Sammlung der Universität, in der mehr als 300 verschiedene Sorten erhalten werden. Dadurch weist die daraus hergestellte Schokolade eine bemerkenswerte Vielfalt an möglichen Geschmacksprofilen auf.
Eine seltene britische Tradition
Die neue Tafel ist nicht das erste Beispiel für vollständig britische Schokolade. Bereits 1932 erhielt die damals sechsjährige Queen Elizabeth II. eine solche Schokolade von der Süßwarenfirma Rowntree's.
Die damalige Tafel wurde mit Kakao hergestellt, der in einem Gewächshaus am damaligen Hauptsitz des Unternehmens in York angebaut worden war. Die verstorbene Königin galt damit als einzige Person, die eine Schokolade aus 100 Prozent britischen Zutaten gegessen hatte. Nun könnte sich diese außergewöhnliche Geschichte wiederholen.
Warum der Kakaoanbau wichtig ist
Hinter dem Projekt steckt mehr als nur ein ungewöhnliches Schokoladenexperiment. Die University of Reading möchte damit auch auf die Bedeutung der Erhaltung verschiedener Kakaosorten aufmerksam machen.
Kakaopflanzen reagieren empfindlich auf Veränderungen bei Temperatur und Niederschlag. Der Klimawandel stellt deshalb die Regionen, in denen der größte Teil des weltweiten Kakaos angebaut wird, vor zunehmende Herausforderungen.
Höhere Temperaturen können das Wachstum der Pflanzen beeinträchtigen. Gleichzeitig können extreme Regenfälle Ernten zerstören. Auch Schädlinge und Krankheiten könnten durch die veränderten klimatischen Bedingungen häufiger auftreten.
Die Bewahrung unterschiedlicher Kakaosorten könnte daher dabei helfen, Pflanzen zu finden, die widerstandsfähiger gegenüber den veränderten Bedingungen sind.
Reading als Zentrum für Kakaosorten
Die Universität verfügt über ein internationales Quarantänezentrum für Kakao, in dem mehr als 300 verschiedene Kakaopflanzen erhalten werden.
Das Zentrum spielt eine wichtige Rolle für die internationale Verbreitung von Kakaopflanzen und ist nach Angaben der Universität an rund 97 Prozent der weltweiten internationalen Bewegung von Kakaopflanzen beteiligt.
Das Projekt soll deshalb zeigen, wie wichtig solche Sammlungen für die Zukunft des Kakaoanbaus sein können – gerade in einer Zeit, in der die Bedingungen für Kakaobauern immer schwieriger werden.
Erst sechs Tafeln hergestellt
Die britische Schokolade bleibt vorerst eine echte Rarität. Bisher wurden lediglich sechs Tafeln hergestellt. Eine größere Produktion ist zwar denkbar, hängt jedoch davon ab, wie viele Kakaobohnen zur Verfügung stehen.
Das liegt vor allem daran, dass der Anbau von Kakao viel Zeit benötigt. Eine einzelne Kakaofrucht kann etwa sechs Monate brauchen, bis sie ausgewachsen ist.
Wer eine der wenigen Tafeln probieren darf, steht derzeit ebenfalls noch nicht fest. Maha Khan hofft jedoch, eine davon der Princess of Wales schenken zu können.
Das hätte eine besondere symbolische Bedeutung: Die letzte vollständig britische Schokolade wurde 1932 von der späteren Königin Elizabeth II. gegessen. Eine neue Tafel könnte nun an eine weitere künftige Königin gehen – und auch sie wurde in Reading geboren. Die Geschichte der britischen Schokolade bekommt damit möglicherweise ein überraschendes neues Kapitel.