Prag erleben

· Reiseteam
Die über Jahrhunderte erhaltenen Gebäude, verbunden mit der Dichte und Schönheit der historischen Altstadt, ergeben ein Bild, das unter Europas Hauptstädten seinesgleichen sucht. Es fühlt sich an, als wärst du direkt ins 14.
Jahrhundert versetzt worden – als Hauptfigur in einem historischen Drama, die einfach den Kopfsteinpflastergassen folgt, wohin auch immer sie führen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Stadt in der Vergangenheit feststeckt. Ganz im Gegenteil. Wer Prag in vollen Zügen genießen möchte, sollte auch seine zeitgenössische Seite kennenlernen – in Pubs und Restaurants einkehren und die etwas außerhalb gelegenen Parks und Plätze erkunden, an denen die Prager selbst ihre Zeit verbringen.
Das sind meine persönlichen Empfehlungen für deinen Aufenthalt an diesem unvergleichlichen Ort. Vollständig ist die Liste natürlich nicht – das wäre unmöglich. Sieh sie vielmehr als eine ausgewogene Auswahl dessen, was Prag so besonders macht und was wir, die hier leben, an dieser Stadt am meisten lieben.
Den Altstädter Ring erleben
Das absolute Muss für Erstbesucher
Es gibt keinen besseren Ausgangspunkt für eine Reise nach Prag als den Altstädter Ring, seit mehr als 1000 Jahren das kommerzielle Herz der Stadt.
Beginne an der Astronomischen Uhr, die zu jeder vollen Stunde für eine kurze Minute zum Leben erwacht. Der Altstädter Rathausturm lohnt sich wegen des Panoramablicks über den Platz. Wenn du dich nicht besonders für Geschichte interessierst, kannst du die teure Innenausstellung des Rathauses getrost auslassen.
Nachdem du die festliche Atmosphäre aufgesogen hast, wirf einen Blick in das glitzernde barocke Innere der Teynkirche. Ihre beiden Türme – die jeweils noch mit kleinen Türmchen gekrönt sind – verleihen dem Platz seinen leicht übertriebenen Märchencharme.
Wann hingehen: komm kurz vor der vollen Stunde, um die Vorführung der Astronomischen Uhr zu sehen. Nach Einbruch der Dunkelheit lohnt sich ein zweiter Besuch, wenn der Platz wunderschön beleuchtet ist.
Gut kombinierbar mit: Das Jüdische Museum Prag ist nur wenige Minuten entfernt und eignet sich perfekt, wenn du den Tag verlängern möchtest.
Die Gemächer der Prager Burg erkunden
Das absolute Muss für Geschichtsfans
Kein Prag-Besuch wäre komplett, ohne die Nerudova-Straße hinauf zur Prager Burg zu laufen – oder die Straßenbahn 22 zu nehmen und dir den Aufstieg zu sparen. Der riesige Komplex ist seit rund einem Jahrtausend Sitz böhmischer und tschechischer Macht und diente sogar als Inspiration für Franz Kafkas Roman Das Schloss.
Die schiere Größe des Areals kann überwältigend sein. Plane deshalb mindestens zwei Stunden ein und konzentriere dich auf einige wenige Highlights. Zeit sparst du, wenn du das Kombiticket für den Hauptbesichtigungsrundgang vorab über die Website der Burg oder GetYourGuide kaufst.
Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören der Veitsdom, der Alte Königspalast, das Goldene Gässchen und der Blick über die Kleinseite aus den südlichen Gärten.
- Wann hingehen: sei vor der Öffnung um 9 Uhr da, um zu den Ersten zu gehören, oder komm nach 16 Uhr, wenn die Reisebusse wieder abgefahren sind;
- Gut kombinierbar mit: belohne dich nach einem Nachmittagsbesuch mit einem frühen tschechischen Abendessen im Kuchyň direkt gegenüber dem Haupteingang der Burg. Reserviere weit im Voraus und bitte um einen Tisch auf der Terrasse.
Entspannt über die Karlsbrücke schlendern
Der Spaziergang, den du nicht auslassen solltest
Die von Statuen gesäumte Karlsbrücke ist ein gotisch-barockes Meisterwerk und eine der berühmtesten Brücken Europas. Über sie zu schlendern, die barocken Heiligenfiguren zu bewundern und die Jahrmarktstimmung aufzusaugen, gehört einfach zu einem Prag-Besuch dazu.
Der Trick besteht darin, früh vor den Menschenmassen zu kommen oder erst dann, wenn die meisten wieder nach Hause gegangen sind. Du kannst ruhig das bronzene Relief unter der Statue des heiligen Johannes von Nepomuk berühren – der Legende nach garantiert das eine Rückkehr nach Prag.
Aber übersieh die anderen Skulpturen nicht. Matyáš Brauns Darstellung der heiligen Luitgard, die den gekreuzigten Christus umarmt, gilt weithin als schönste Skulptur der Brücke.
- Wann hingehen: vor 8 Uhr, wenn die Kopfsteinpflaster noch leer und oft neblig sind; nach Einbruch der Dunkelheit für die beleuchtete Skyline;
- So kommst du hin: folge von der Altstadt aus der verwinkelten Karlova-Straße;
- Gut kombinierbar mit: die Karlsbrücke verbindet Altstadt und Kleinseite. Nach der Überquerung kannst du also problemlos in einem der beiden Viertel weitermachen.
Ein deftiges tschechisches Essen genießen
Der genussvolle Teil
Weil die tschechische Küche so unkompliziert ist, macht Essen gehen in Prag immer satt und zufrieden – und vor allem Spaß.
Zu den traditionellen Gerichten gehören großzügige Portionen Schnitzel, Gulasch und – einer meiner persönlichen Favoriten – smažený sýr: ein dickes Stück panierten, frittierten Edamer-Käses, serviert mit Pommes und Remoulade. Kalorienbomben sind sie alle, keine Frage – aber unglaublich befriedigend.
Für klassische Gerichte, die auch jede tschechische Großmutter erkennen würde, gehst du ins U Medvídků oder ins U Kroka. Etwas raffinierter interpretieren Alma und Výčep vertraute Rezepte neu und legen dabei Wert auf regionale Zutaten und Nachhaltigkeit.
Die unzähligen halben Liter tschechischen Biers, die zum Mittag- oder Abendessen dazugehören, sorgen dafür, dass die Stimmung weiter steigt.
- Wann hingehen: halte werktags zwischen 12 und 15 Uhr Ausschau nach Mittagsangeboten (polední menu);
- Gut kombinierbar mit: ein paar weiteren Pils nach dem Essen.
Die Grotte im Wallensteingarten bestaunen
Das beste kostenlose Erlebnis
Die Kleinseite ist voller wunderschöner Renaissance- und Barockgärten, die einst den Adelsfamilien gehörten, die hier lebten. Fast alle sind privat oder kosten Eintritt. Der Wallensteingarten, wohl der schönste von allen, ist kostenlos.
Der im 17. Jahrhundert für den mächtigen Feldherrn Albrecht von Wallenstein angelegte Garten verbindet geometrische Rasenflächen, akkurat geschnittene Hecken, Brunnen, Statuen und einen Zierteich zu einem harmonischen Gesamtbild.
Sein ungewöhnlichstes Element ist eine riesige künstliche Grottenwand: Die dunkle, verwinkelte Oberfläche soll tropfende Stalaktiten darstellen und verbirgt groteske Gesichter, Schlangen, Frösche und andere Kreaturen.
Im Sommer finden in der monumentalen Sala terrena Konzerte und Theateraufführungen statt, wodurch die ohnehin beeindruckende Kulisse noch stimmungsvoller wird.
- Wann hingehen: die Gärten sind von April bis Oktober geöffnet. Auf der offiziellen Prager Tourismus-Website findest du das Sommerprogramm der Konzerte.
- So kommst du hin: zwei Minuten zu Fuß von der Metrostation Malostranská (Linie A);
- Gut kombinierbar mit: einem köstlichen tschechischen Mittag- oder Abendessen im nahe gelegenen Lokál U Bílé kuželky.
Wie ein Einheimischer am Jiřího-z-Poděbrad-Platz leben
Die Überraschung
Rund um Prags historische Innenstadt liegen elegante Wohnviertel, in denen sich das alltägliche Leben abspielt – und das gar nicht so weit entfernt von den Touristenmassen. Der Jiřího-z-Poděbrad-Platz im grünen Vinohrady ist einer der besten Orte, um diese Seite Prags kennenzulernen.
Bewundere zunächst die außergewöhnliche Kirche des Heiligsten Herzens des Herrn, Josip Plečniks bemerkenswertes Meisterwerk der Architektur des 20. Jahrhunderts. Das gemusterte Mauerwerk und die acht Meter breite, verglaste Uhr machen sie zu einem Bauwerk, das in Prag seinesgleichen sucht.
Anschließend kannst du den eleganten Platz erkunden, der gerade eine zweijährige Renovierung hinter sich hat. Dabei entstanden großzügige Fußgängerbereiche, neue Bäume und zahlreiche knallrote Bänke – die bei den Einheimischen offenbar gleichermaßen beliebt und unbeliebt sind. Lass den Besuch bei einem Kaffee, einer Mahlzeit oder einem Glas Wein in einem der umliegenden Cafés ausklingen.
- Wann hingehen: mittwoch-, Freitag- oder Samstagvormittag wegen des Bauernmarkts; abends wegen der Café- und Restaurantszene;
- So kommst du hin: mit der Metro Linie A bis Jiřího z Poděbrad;
- Gut kombinierbar mit: kaffee, Wein oder einem kleinen Essen im Le Caveau, einer Kombination aus Bäckerei und Café.
Noch mehr Geschichte in Vyšehrad entdecken
Das unerwartete historische Denkmal
Viele Besucher glauben, Prags Geschichte beginne und ende rund um die Prager Burg und die Altstadt. Eine kurze Metrofahrt südlich des Zentrums erzählt mit der Festung Vyšehrad eine ganz andere Geschichte.
Hoch über der Moldau gelegen, bewahrt die ehemalige königliche Zitadelle eine weitere Facette der Stadtgeschichte. Einige ihrer erhaltenen Bauwerke sind sogar älter als die Prager Burg – darunter die romanische Rotunde des heiligen Martin aus dem 11. Jahrhundert, das älteste erhaltene Gebäude der Stadt.
Schlendere durch die parkähnliche Anlage und nimm dir anschließend Zeit für den beeindruckenden Vyšehrader Friedhof. Hier liegen viele der bedeutendsten Künstler, Schriftsteller und Komponisten Tschechiens begraben. Gleichzeitig ist der Friedhof selbst eine Art Freilichtmuseum des Jugendstils.
Auf der Website von Vyšehrad findest du thematische Führungen, darunter abendliche Touren durch die unterirdischen Gänge sowie zu den Legenden und Geistern der Festung.
- Wann hingehen: am späten Nachmittag bis zum Sonnenuntergang, wenn die Schatten über die darunterliegende Stadt fallen;
- So kommst du hin: mit der Metro Linie C bis Vyšehrad, anschließend etwa 200 Meter zu Fuß;
- Gut kombinierbar mit: einem malerischen Spaziergang entlang der Moldau zurück ins Stadtzentrum.
Tschechisches Bier genießen
Der eigentliche Grund für die Reise
Seien wir ehrlich: Viele Menschen kommen wegen des Biers nach Prag – und wenn man darüber nachdenkt, ist das gar nicht so abwegig. Die Tschechen trinken pro Kopf mehr Bier als jede andere Nation der Welt. Nach dem ersten Pils wirst du verstehen, warum. Denn es ist einfach verdammt gut.
Das erste helle Lagerbier der Welt wurde 1842 im tschechischen Pilsen entwickelt, und Bier ist tief in der lokalen Kultur verwurzelt. Wenn du die Kultur eines Landes buchstäblich in dich aufnehmen möchtest, kommst du dem hier wohl kaum näher.
Typisch tschechisch ist ein hellgoldenes Lagerbier, aber auch dunkle Biere sind beliebt. Die Craft-Beer-Welle hat zudem eine neue Generation von IPAs, Sours und Pale Ales hervorgebracht. Das Beste daran: Du musst nicht gezielt nach einem berühmten Pub oder Bierlokal suchen.
Hervorragendes Bier bekommst du überall – in ganz normalen Restaurants und Cafés in den Vierteln ebenso wie an Straßenständen in der ganzen Stadt.
- Wann hingehen: geh am späten Nachmittag oder frühen Abend ins Pub, bevor die Feierabendkundschaft eintrifft;
- Gut kombinierbar mit: fast allem. Tschechisches Bier schmeckt zu einem deftigen Essen genauso gut wie ganz für sich allein.
Mit der Petřín-Standseilbahn fahren
Ein Muss mit Kindern
Seit mehr als einem Jahrhundert ziehen sich die Prager auf den grünen Petřín zurück, um frische Luft, Panoramablicke und einen der schönsten Parks der Stadt zu genießen.
Oben warten Familienklassiker wie der 1891 errichtete Petřín-Aussichtsturm, der vom Eiffelturm inspiriert wurde, und das herrlich verwirrende Spiegellabyrinth.
Die 2026 mit neuen Wagen und einer neuen Strecke modernisierte Standseilbahn ist der bequemste Weg nach oben. Gleichzeitig ist sie Prags beliebteste Touristenattraktion, und an den Fahrkartenschaltern können sich lange Schlangen bilden. Wenn du einigermaßen fit bist, geh durch die Gärten zu Fuß hinauf und heb dir die Standseilbahn für die Abfahrt auf.
- Wann hingehen: vor 10 Uhr oder nach 16 Uhr, um die längsten Warteschlangen zu vermeiden;
- Gut kombinierbar mit: einem Spaziergang über den Hügel zur Bibliothek des Strahov-Klosters. Der Ausblick von hier ist fantastisch.
Die eleganten Havlíček-Gärten entdecken
Der Geheimtipp
Nur wenige Besucher verschlägt es in die Havlíček-Gärten (Havlíčkovy Sady) im Stadtteil Vinohrady, einem meiner liebsten Parks in Prag.
Die Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Neorenaissance angelegte Grünanlage wirkt mit ihren Brunnen und Grotten wie der Garten einer römischen Villa.
Beim Spaziergang über die Wege am Hang wartet eine weitere Überraschung: Grébovka, ein kleiner bewirtschafteter Weinberg, der die Weinbautradition bewahrt, die Vinohrady – auf Tschechisch „Weinberge“ – seinen Namen gab.
In den wärmeren Monaten kannst du dir im Pavillon Altán Grébovka einen Tisch suchen, ein Glas Wein aus eigener Produktion bestellen und dabei den Blick über die Reben genießen.
- Wann hingehen: vom späten Frühjahr bis zum frühen Herbst, wenn der Weinberg grün ist und der Altán-Pavillon geöffnet hat;
- So kommst du hin: mit der Metro Linie A bis Náměstí Míru, anschließend 15 Minuten zu Fuß Richtung Süden über die Americká-Straße;
- Gut kombinierbar mit: einem Spaziergang über den nahe gelegenen Jiřího-z-Poděbrad-Platz, einen weiteren beliebten Treffpunkt der Einheimischen.
In die Bibliothek des Strahov-Klosters eintauchen
Ideal für einen Regentag
Nur wenige Orte in Prag vermitteln ein so starkes Gefühl des Staunens wie die Bibliothek des Strahov-Klosters. Die beiden prächtigen Lesesäle – der Theologische und der Philosophische Saal – wurden im 17. und 18. Jahrhundert erbaut und zählen mit ihren Freskendecken, geschnitzten Walnussholz-Bücherregalen und jahrhundertealten Büchern zu den schönsten barocken Innenräumen Europas.
Die meisten Besucher können die Säle nur durch einen Türrahmen hindurch sehen. Mit etwas Planung kannst du jedoch eine spezielle Führung buchen, bei der du die Säle tatsächlich betreten darfst. Reserviere diese über die Website des Klosters mehrere Wochen im Voraus.
- Wann hingehen: eei vor der Öffnung um 9 Uhr da, bevor die Reisegruppen eintreffen;
- So kommst du hin: ein einfacher zehnminütiger Spaziergang von der Prager Burg;
- Gut kombinierbar mit: einem traditionellen tschechischen Mittagessen und selbst gebrautem St.-Norbert-Bier in der nahe gelegenen Brauerei des Strahov-Klosters.
Prags jüdisches Viertel erkunden
Das bewegendste Erlebnis
Fast ein Jahrtausend lang war Prag die Heimat einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Europas. Dieses außergewöhnliche Erbe ist bis heute in Josefov erhalten geblieben. Hier befinden sich die wichtigsten Synagogen und historischen Stätten der Stadt, die gemeinsam das Jüdische Museum Prag bilden.
Mit einem Kombiticket erhältst du Zugang zu den wichtigsten Synagogen, der Zeremonienhalle und dem eindrucksvollen Alten Jüdischen Friedhof. Wenn du wenig Zeit hast, konzentriere dich auf den Friedhof und die außergewöhnliche Altneu-Synagoge. Sie wurde um 1270 erbaut, ist die älteste noch aktive Synagoge Europas und bis heute ein Ort des Gebets.
Der Museumskomplex kann schnell überwältigend wirken. Buche deshalb am besten eine Führung, die dir hilft, die faszinierende Geschichte einzuordnen.
- Wann hingehen: sei vor 9 Uhr da, um den größten Besucherandrang zu vermeiden. Die Einrichtungen des Jüdischen Museums sind samstags geschlossen;
- So kommst du hin: mit der Metro Linie A bis Staroměstská, anschließend fünf Minuten zu Fuß;
- Gut kombinierbar mit: josefov grenzt direkt an die Altstadt und lässt sich daher problemlos mit einem Spaziergang zum Altstädter Ring verbinden.