Eurostar-Tipps

· Reiseteam
Eine Reise mit dem Eurostar ist eine komfortable und schnelle Möglichkeit, zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland zu pendeln.
Doch wer zum ersten Mal mit dem Hochgeschwindigkeitszug fährt, sollte einige Besonderheiten kennen – von Gepäckregeln und Grenzkontrollen bis hin zu Tickets und Sitzplätzen.
Warum Eurostar so beliebt ist
Schnell, bequem und mitten im Stadtzentrum
Seit mehr als 30 Jahren verbindet der Eurostar Großbritannien über den Ärmelkanal mit dem europäischen Festland. Trotz Brexit, wirtschaftlicher Krisen und neuer Einreisebestimmungen bleibt der Zug eine beliebte Alternative zum Flugzeug.
Ein wichtiger Vorteil: Die Züge bringen Reisende direkt von einem Stadtzentrum ins nächste. Dadurch entfällt der zusätzliche Zeitaufwand für die Anfahrt zu weit außerhalb gelegenen Flughäfen. Gleichzeitig ist die Zugreise komfortabel und ermöglicht es, Europa ohne Flug zu entdecken.
Welche Ziele gibt es?
Eurostar fährt direkt von London nach Paris, Brüssel und Amsterdam. Unterwegs werden unter anderem Lille und Rotterdam bedient.
Über Anschlussverbindungen lassen sich außerdem zahlreiche weitere Ziele in Frankreich, Belgien, Deutschland und den Niederlanden erreichen, darunter Marseille und Gent.
Auch bei der Reisezeit kann der Eurostar überzeugen: Von London nach Paris dauert die Fahrt ungefähr zweieinhalb Stunden, nach Brüssel rund zwei Stunden. Zwischen Paris und Brüssel sind es etwa 1 Stunde und 20 Minuten. Für die Strecke zwischen Brüssel und Amsterdam sollte man ungefähr 2 Stunden und 15 Minuten einplanen.
Die wichtigsten Bahnhöfe
In London startet der Eurostar am St Pancras International, direkt neben dem Bahnhof King's Cross. Die Station ist hervorragend an den öffentlichen Nahverkehr angebunden und bietet zahlreiche Cafés, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten.
In Paris geht es vom Gare du Nord im 10. Arrondissement weiter. Von dort erreicht man den Rest der Stadt bequem mit Metro und Bus. Allerdings können die Warteschlangen an den Metro-Ticketautomaten lang sein. Wer vorbereitet sein möchte, kann Tickets bereits während der Zugfahrt kaufen.
Am Gare du Nord ist außerdem besondere Aufmerksamkeit gefragt: Wie an vielen großen internationalen Bahnhöfen können Taschendiebe und Betrüger unterwegs sein.
In Amsterdam führt der Weg zum Eurostar über den UK Terminal am Amsterdam Centraal. Der Bereich liegt etwas abseits der übrigen Bahnsteige. Rund um den Bahnhof herrscht viel Verkehr – besonders auf Fahrräder und Straßenbahnen sollte man achten.
In Brüssel fährt der Eurostar vom Bruxelles-Midi ab. Die kleinere Bahnhöfe in Lille, Antwerpen und Rotterdam liegen dagegen sehr zentral, sodass viele Sehenswürdigkeiten und Geschäfte schnell zu Fuß erreichbar sind.
Wichtig: Wer noch Getränke oder Snacks kaufen möchte, sollte dies möglichst vor der Passkontrolle erledigen. Hinter den Kontrollen sind die Möglichkeiten teilweise stark eingeschränkt.
Wie viel Gepäck ist erlaubt?
Eurostar erlaubt jedem Passagier grundsätzlich zwei Gepäckstücke sowie ein Handgepäckstück. Die beiden größeren Taschen dürfen jeweils bis zu 85 cm lang sein; auf Strecken, die nicht über London führen, gilt eine Grenze von 75 cm.
Eine feste Gewichtsgrenze gibt es nicht. Allerdings müssen Reisende ihr Gepäck selbst anheben können, etwa auf die Ablage über dem Sitz. Größere Koffer können in den dafür vorgesehenen Bereichen am Ende der Wagen verstaut werden.
Ein großer Vorteil gegenüber Flugreisen: Für Flüssigkeiten gelten keine vergleichbaren strengen Beschränkungen. Wasserflaschen und Kosmetikprodukte können problemlos mitgenommen werden. Da es im Zug keine Möglichkeit gibt, Wasser nachzufüllen, lohnt es sich, ausreichend Trinkwasser einzupacken.
Auch Alkohol ist in begrenztem Umfang erlaubt. Pro Person kann beispielsweise eine Flasche Wein oder Sekt beziehungsweise bis zu vier Dosen Bier mitgenommen werden. Bei bestimmten Großveranstaltungen können allerdings zusätzliche Einschränkungen gelten.
Was darf nicht mit?
Wie bei anderen internationalen Verkehrsmitteln gibt es auch bei Eurostar eine Liste verbotener Gegenstände. Dazu gehören unter anderem Waffen, entzündliche Stoffe und illegale Drogen.
Auch verderbliche Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Milchprodukte stehen auf der Liste der nicht erlaubten Gegenstände.
Für Radreisende ist die Sache etwas komplizierter. Ein normales Fahrrad muss vorab angemeldet, auseinandergebaut und als Gepäck aufgegeben werden. Falt- und Kinderfahrräder dürfen dagegen mit an Bord, sofern sie in einer geeigneten Schutzhülle verpackt sind.
Essen im Zug
In der Standardklasse gibt es einen Bistrobereich mit Snacks und einfachen Mahlzeiten. Passagiere der höheren Klassen Plus und Premier erhalten ihre Mahlzeit direkt am Sitzplatz.
Wer allerdings besondere Ernährungsbedürfnisse hat oder einfach mehr Auswahl möchte, sollte eigenes Essen mitbringen. Das Angebot an Bord ist eher begrenzt und nicht unbedingt auf eine große Mahlzeit ausgelegt. Deshalb lohnt es sich, vor der Abfahrt etwas Zeit für den Einkauf am Bahnhof einzuplanen.
Was sollte ins Handgepäck?
An den Sitzen gibt es Steckdosen, die sowohl für britische als auch europäische Stecker geeignet sind. In der Standardklasse stehen allerdings keine USB-Anschlüsse zur Verfügung. Ein eigenes Ladegerät und ausreichend Wasser gehören daher ins Handgepäck.
Auch Unterhaltung sollte vorbereitet werden. Während der Fahrt können WLAN und Mobilfunkverbindung immer wieder schwächer werden. Ein Buch oder zuvor heruntergeladene Filme und Serien können deshalb Gold wert sein.
Reicht das digitale Ticket?
Ja. Ein Ausdruck ist normalerweise nicht erforderlich. Mit der Eurostar-App können die Tickets direkt an den Ein- und Ausgangskontrollen gescannt werden.
Wer trotzdem lieber eine Papierversion dabeihat, kann das Ticket ausdrucken. Sollte sich die Sitzplatzzuweisung ändern, kann am Gate außerdem ein aktualisiertes Ticket ausgedruckt werden. Anschließend folgen Sicherheitskontrolle und Grenzkontrolle – ähnlich wie bei einer Flugreise.
Brauche ich einen Reisepass?
Welche Dokumente benötigt werden, hängt von der jeweiligen Staatsangehörigkeit ab. Bürger von Schengen-Staaten können nach Frankreich grundsätzlich mit Reisepass oder nationalem Personalausweis einreisen.
Für britische Staatsbürger gelten aufgrund des Austritts Großbritanniens aus EU und Schengen andere Regeln. Reisende sollten deshalb vor der Fahrt prüfen, welche Einreisebestimmungen für ihre Nationalität gelten.
Ab dem letzten Quartal 2026 soll außerdem ETIAS relevant werden: Nicht-EU-Bürger benötigen dann für visumfreies Reisen nach Europa eine elektronische Reisegenehmigung, die 7 € kostet.
Zusätzlich soll 2026 an den europäischen Außengrenzen die Erfassung biometrischer Daten wie Gesichtsbilder oder Fingerabdrücke eingeführt werden. Dadurch könnten Grenzkontrollen länger dauern.
Wie läuft der Check-in ab?
Eine Eurostar-Fahrt ist keine gewöhnliche Zugreise. Da internationale Grenzen überquert werden, gibt es an den Bahnhöfen spezielle Abfertigungsbereiche mit Sicherheits-, Pass- und Zollkontrollen.
Gerade an Wochenenden und in Ferienzeiten können sich lange Warteschlangen bilden. Das Gate schließt 30 Minuten vor der Abfahrt.
Nach den Kontrollen wartet ein Bereich mit kostenlosem WLAN und Cafés. In London, Paris und Brüssel steht Premier-Passagieren außerdem eine Lounge zur Verfügung.
Warum 90 Minuten vorher da sein?
Die Empfehlung, rund 90 Minuten vor Abfahrt am Bahnhof zu sein, sollte man ernst nehmen.
Zwar kann eine knappere Ankunft funktionieren, doch mehrere Züge können gleichzeitig abgefertigt werden. Dadurch entstehen schnell lange Schlangen. Auch die Sitzmöglichkeiten in den Terminals sind begrenzt. Wer entspannt reisen möchte, sollte deshalb lieber etwas früher kommen.
Was passiert bei einer verpassten Abfahrt?
Wer seinen Zug verpasst, kann von Eurostar unter bestimmten Voraussetzungen auf eine spätere Verbindung umgebucht werden. Das hängt von der Verfügbarkeit ab und kostet eine Umbuchungsgebühr von 50 €.
Allerdings besteht dann keine freie Wahl des Sitzplatzes mehr. Wer zu spät kommt, muss deshalb möglicherweise mit einem weniger attraktiven Platz vorliebnehmen.
Welche Ticketklassen gibt es?
Eurostar bietet drei Reiseklassen: Standard, Plus und Premier.
Standard ist die günstigste Variante. Plus bietet mehr Platz, während Premier zusätzliche Leistungen wie Lounge-Zugang und servierte Mahlzeiten umfasst.
Auch bei der Flexibilität und Erstattbarkeit unterscheiden sich die Tarife. Insgesamt sind die Bedingungen bei vielen Eurostar-Tickets jedoch weniger streng als bei Flugtickets.
Früh buchen kann sich lohnen. Standard-Tickets sind laut den angegebenen Tarifen teilweise ab 44 € erhältlich, Plus ab 80 €. Premier beginnt bei etwa 285 €.
Wer sein Ticket erst am Bahnhof kauft, zahlt zusätzlich eine Gebühr von 14 €. Online oder über die App zu buchen, ist daher meist die bessere Option.
Für besonders günstige Angebote gibt es außerdem einen Tarif-Finder sowie Eurostar Snap, über den bei flexibler Reiseplanung auch kurzfristige Schnäppchen zu finden sind.
Wie wählt man den Sitzplatz?
Der Sitzplatz wird normalerweise bereits bei der Buchung zugewiesen. Änderungen sind später online oder über die App möglich.
Wer während der Fahrt die Landschaft beobachten möchte, sollte möglichst früh überprüfen, ob ein Fensterplatz zugewiesen wurde. Schließlich führt die Strecke durch unterschiedliche Landschaften – abgesehen von der rund 30-minütigen Fahrt durch den Ärmelkanaltunnel.
Ein kleiner Reinigungstipp: Mit einem Tuch oder feuchten Reinigungstüchern lässt sich ein verschmutztes Fenster vor der Abfahrt etwas sauberer machen.
Gibt es Schlafwagen?
Nein. Eurostar bietet keinen Schlafwagen- oder Liegewagenservice an. Angesichts der relativ kurzen Fahrzeiten wäre eine Übernachtung im Zug ohnehin kaum sinnvoll.
Wer seine Reise trotzdem mit einem Nachtzug verbinden möchte, kann auf andere europäische Verbindungen ausweichen. Der European Sleeper verbindet beispielsweise Brüssel mit Berlin. Der Nightjet bietet unter anderem Nachtverbindungen von Paris nach Wien und Prag.
Kommt Konkurrenz für Eurostar?
Neben LeShuttle, dem Autotransport durch den Ärmelkanaltunnel, könnten künftig weitere Anbieter auf der Strecke aktiv werden.
Unter den möglichen Konkurrenten befinden sich Virgin Trains und das spanische Start-up Evolyn. Mehr Wettbewerb auf der wichtigen Bahnverbindung könnte langfristig für mehr Auswahl und möglicherweise günstigere Preise sorgen.
Für Reisende bedeutet das vor allem eines: Die Verbindung zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa könnte in Zukunft noch attraktiver werden.