Ohne Social Media
Andrea
Andrea
| 14-08-2026
Lifestyle-Team · Lifestyle-Team

Acht Wochen ohne Social Media

Acht Wochen ohne soziale Medien – für die Autorin Susanna Newsonen wurde daraus ein persönliches Experiment mit überraschenden Erkenntnissen.
Ohne Social Media
Statt sich nur zu fragen, wie sie das Scrollen stoppen kann, beobachtete sie, was den frei gewordenen Platz in ihrem Alltag einnahm.

Weniger online, mehr echte Nähe

Nach dem Löschen ihrer Social-Media-Apps vermisste Newsonen zunächst die Beiträge von Autoren, Pferdetrainern und anderen Menschen, denen sie online folgte. Doch bald wurde ihr bewusst, dass sie viele dieser Personen gar nicht wirklich kannte.
Gleichzeitig leben Freunde von ihr in verschiedenen Ländern. Ohne soziale Medien, die ihr das Gefühl gaben, mit allen in Kontakt zu bleiben, begann sie wieder bewusst Beziehungen zu pflegen.
Sie schrieb häufiger Nachrichten, organisierte Telefonate und führte längere Gespräche mit Freunden, zu denen der Kontakt etwas eingeschlafen war.
Eine Studie aus dem Jahr 2022 liefert dazu einen interessanten Hinweis: menschen, die eine Woche lang auf soziale Medien verzichteten, berichteten von Verbesserungen bei Wohlbefinden, Depressionen und Angstgefühlen.

Der Drang zum Teilen verschwindet

In den ersten Wochen bemerkte Newsonen zwei Gewohnheiten. Manchmal dachte sie bei einem schönen Moment sofort daran, dass sich daraus ein gutes Foto für einen Beitrag machen ließe. Außerdem fragte sie sich gelegentlich, was Menschen machten, denen sie online folgte.
Mit der Zeit verlor beides an Bedeutung. Statt einen Sonnenuntergang durch die Augen eines möglichen Publikums zu betrachten, begann sie, den Moment einfach selbst wahrzunehmen.
Sie fotografierte weiterhin gerne, allerdings aus einem anderen Grund: um eine Erinnerung festzuhalten, nicht unbedingt, um sie mit anderen zu teilen. Auch schöne Aussichten, angenehme Gerüche oder lustige Situationen mussten nicht mehr automatisch online landen.

Die Aufmerksamkeit verändert sich

Zunächst suchte Newsonen nach Ersatz für soziale Medien. Sie las Nachrichten, überprüfte wiederholt das Wetter oder stöberte in Online-Shops, obwohl sie gar nichts kaufen wollte. Schließlich bemerkte sie dieses Verhalten und hörte damit auf.
Danach stellte sie eine Veränderung ihrer Aufmerksamkeit fest. Sie konnte länger bei einem Buch bleiben und sich intensiver einer Aufgabe widmen, ohne ständig nach etwas Neuem suchen zu müssen. Auch ihre Gedanken schweiften weniger ab.
Eine Studie aus dem Jahr 2025 kam ebenfalls zu einem bemerkenswerten Ergebnis: wer das mobile Internet auf dem Smartphone für zwei Wochen blockierte, zeigte Verbesserungen bei anhaltender Aufmerksamkeit, psychischer Gesundheit und subjektivem Wohlbefinden.

Mehr Raum für das eigene Leben

Newsonen betont allerdings, dass sie nicht behauptet, ein Verzicht auf soziale Medien könne die Aufmerksamkeitsspanne auf magische Weise verändern.
Für sie liegt der entscheidende Unterschied eher darin, dass weniger Dinge ständig um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren.
Es gibt weniger zu überprüfen, weniger zu konsumieren und weniger Menschen, deren Leben man verfolgen möchte. Dadurch entsteht mehr Raum für das, was gerade tatsächlich passiert.
Ohne Social Media

Zurück zu Social Media?

Ihr Experiment sollte ursprünglich noch einen Monat dauern. Nach acht Wochen ist sich Newsonen jedoch nicht mehr sicher, ob sie danach sofort zurückkehren möchte. Vielleicht verlängert sie die Pause sogar um weitere zwei oder drei Monate.
Sollte sie irgendwann wieder soziale Medien nutzen, könnte sich ihr Verhältnis dazu deutlich verändert haben. Möglich wäre, sie gezielt für ihre Arbeit einzusetzen, ohne sie wieder zum ständigen Hintergrundrauschen des Alltags werden zu lassen.
Für den Moment genießt sie weniger Dinge, um die sie sich kümmern muss – und gleichzeitig mehr Raum für ihr eigenes Leben.