Boden bedroht
Jessica
Jessica
| 14-08-2026
Naturteam · Naturteam

Studie: Jede fünfte Bodenart vom Aussterben bedroht

In einer verborgenen Welt unter unseren Füßen könnten unzählige Arten unbemerkt aussterben, warnt eine neue Studie von Conservation International und der IUCN. Der Boden unter unseren Füßen wimmelt nur so vor Leben.
In einer einzigen Handvoll Erde befinden sich Milliarden von Bakterien, Dutzende Pilzarten, Tausende mikroskopisch kleiner Lebewesen wie Nematoden sowie Tiere wie Gliederfüßer und Regenwürmer.
Diese verborgenen mikrobiellen Welten sind die Bausteine der Natur. Sie halten unsere Ackerböden gesund, sichern unsere Ernährungssysteme, tragen dazu bei, klimaschädlichen Kohlenstoff zu speichern, und machen das Leben, wie wir es kennen, überhaupt erst möglich.
Nun warnen Wissenschaftler, dass diese Welt zusammenzubrechen droht, noch bevor wir sie überhaupt vollständig verstehen.
Boden bedroht
Eine neue Studie von Conservation International und der International Union for Conservation of Nature (IUCN) kommt zu dem Ergebnis, dass jede fünfte untersuchte bodenabhängige Art vom Aussterben bedroht ist – und diese Zahl womöglich nur die Spitze des Eisbergs darstellt.
Zudem liegen für 20 Prozent der 8.500 untersuchten Arten nicht genügend Daten vor, um ihren Gefährdungsstatus überhaupt zu bewerten, sagte Neil Cox, Wissenschaftler bei Conservation International und der IUCN sowie Mitautor der Studie.
Hauptverantwortlich sind demnach Veränderungen der Landbedeckung und der Bodenchemie – etwa durch den Einsatz von Agrochemikalien.
„Der Boden sichert nahezu alle wesentlichen Grundlagen des menschlichen Lebens, und dennoch wissen wir erstaunlich wenig über die Tausenden Arten, die ihn gesund halten“, sagte er. „Wir tappen bei einem der wichtigsten Ökosysteme der Erde völlig im Dunkeln.“
Der Boden ist der artenreichste Lebensraum der Erde – er beherbergt fast 60 Prozent aller Arten. Außerdem liefert er 95 Prozent der Nahrung, die Menschen essen, und könnte mehr als ein Viertel des Kohlenstoffs speichern, der zur Erreichung der globalen Klimaziele benötigt wird.
Doch die wissenschaftliche Aufmerksamkeit richtet sich meist auf das, was mit bloßem Auge zu sehen ist.
Die Tiere, die sich am leichtesten beobachten lassen, erhalten die meiste Aufmerksamkeit. Grabende Arten wie Kaninchen und Erdhörnchen sind vergleichsweise gut erforscht – doch Pilze, Bakterien und Wirbellose, die entscheidend dazu beitragen, die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten, sind der Naturschutzforschung nahezu völlig unbekannt.
„Bei einem Erdhörnchen oder Präriehund kann man das Tier beobachten, markieren und verfolgen“, sagte Cox. „Bei Pilzen und Wirbellosen hingegen geht es um Millionen von Organismen in einer einzigen Handvoll Erde – viele davon haben wir noch nicht einmal benannt.“
Diese Unsichtbarkeit hat ihren Preis.
Ohne dringende Maßnahmen könnte der Verlust der biologischen Vielfalt im Boden die landwirtschaftlichen Systeme, die die Welt ernähren, aus dem Gleichgewicht bringen und genau jene Klimainstabilität weiter verschärfen, die Wissenschaftler mit Hochdruck zu verhindern versuchen.
Um diese Entwicklung umzukehren, müssen wir damit beginnen, unsere Landwirtschaft zu verändern.
Weltweit unterstützt Conservation International Landwirte dabei, Nutzpflanzen im Einklang mit der Natur anzubauen.
Indem sie Obstbäume, Nutzholzarten und stickstoffbindende Pflanzen mit Nutzpflanzen kombinieren – eine Praxis, die als Agroforstwirtschaft bezeichnet wird –, können Landwirte die Bodenfruchtbarkeit steigern, Erosion verringern und ihre Einkommensquellen diversifizieren.
Boden bedroht
Das trägt dazu bei, geschädigte Böden wiederherzustellen, die biologische Vielfalt zu fördern und die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen.
Die Autoren der Studie fordern außerdem, die Zahl der Bodenarten auf der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN – dem weltweit maßgeblichen Maßstab für das Aussterberisiko – drastisch zu erhöhen und ihnen dieselbe Dringlichkeit beizumessen wie anderen bedrohten Arten wie Tigern, Elefanten oder Korallen.
„Die Rote Liste hilft der Welt dabei zu entscheiden, was geschützt wird“, sagte Cox. „Bodenarten halten ganze Ökosysteme zusammen, tauchen auf ihr jedoch kaum auf. Das ist eine grundlegende Lücke in unserem Verständnis des Lebens auf der Erde.“