Impfungen erklärt

· Astronomieteam
Der menschliche Körper verfügt über mehrere Abwehrmechanismen, die zusammenarbeiten, um Infektionen zu verhindern.
Physische Barrieren wie die Haut, Schleimhäute und feine Flimmerhärchen in den Atemwegen halten viele Krankheitserreger davon ab, in den Körper einzudringen.
Gelingt es einem Erreger dennoch, diese Schutzmechanismen zu überwinden, erkennt das Immunsystem die Bedrohung und startet eine gezielte Abwehrreaktion. Impfstoffe unterstützen diesen natürlichen Prozess, indem sie das Immunsystem darauf vorbereiten, bestimmte Krankheitserreger bereits vor einer natürlichen Ansteckung zu erkennen.
Dadurch kann der Körper im Ernstfall schneller und wirksamer reagieren.
Die Rolle von Antigenen und Antikörpern
Jeder Krankheitserreger – darunter Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze – enthält Bestandteile, die eine Immunreaktion auslösen können. Diese Bestandteile werden als Antigene bezeichnet.
Trifft das Immunsystem auf ein unbekanntes Antigen, bildet es Antikörper. Dabei handelt es sich um spezialisierte Proteine, die genau auf dieses Antigen abgestimmt sind und daran binden können.
Jeder Antikörper erkennt ein ganz bestimmtes Ziel. Im Laufe des Lebens entwickelt der Körper Tausende verschiedener Antikörper – als Folge früherer Infektionen und Impfungen.
Beim ersten Kontakt mit einem neuen Krankheitserreger benötigt das Immunsystem Zeit, um genügend Antikörper zu bilden. Je nach Erreger kann dies mehrere Tage bis Wochen dauern. Während dieser Zeit können Krankheitssymptome auftreten.
Nach einer erfolgreich überwundenen Infektion entstehen Gedächtniszellen, die die Informationen über das Antigen speichern. Kommt der Körper später erneut mit demselben Erreger in Kontakt, ermöglichen diese Gedächtniszellen eine deutlich schnellere und wirksamere Immunantwort.
Wie Impfstoffe ein Immungedächtnis aufbauen
Impfstoffe bringen das Immunsystem mit einem Antigen in Kontakt, ohne einen vollständig funktionsfähigen krankheitsauslösenden Erreger einzuschleusen. Dadurch kann der Körper ein schützendes Immungedächtnis aufbauen, ohne die Krankheit zu entwickeln, vor der die Impfung schützen soll.
Je nach Impfstofftyp geschieht dies auf unterschiedliche Weise. Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte Formen eines Krankheitserregers. Sie lösen eine starke Immunreaktion aus, ohne bei gesunden Menschen in der Regel die Erkrankung selbst hervorzurufen.
Totimpfstoffe enthalten inaktivierte Erreger, deren Antigene vom Immunsystem weiterhin erkannt werden. Subunit-Impfstoffe enthalten nur ausgewählte Bestandteile eines Erregers, die ausreichen, damit das Immunsystem den Erreger später wiedererkennen kann.
Einige moderne Impfstoffe nutzen genetische Informationen, die den Körper vorübergehend dazu anregen, selbst ein bestimmtes Antigen herzustellen. Daraufhin bildet das Immunsystem Antikörper und Gedächtniszellen. Anschließend werden diese genetischen Informationen vom Körper wieder abgebaut.
Das erzeugte Antigen selbst kann die Krankheit, vor der der Impfstoff schützt, nicht auslösen.
Obwohl diese Impfstoffarten auf unterschiedlichen Technologien beruhen, verfolgen sie alle dasselbe Ziel: das Immunsystem darauf vorzubereiten, bei einem späteren Kontakt mit dem tatsächlichen Krankheitserreger schnell und wirksam zu reagieren.
„Impfstoffe trainieren Ihr Immunsystem, Antikörper zu bilden – genauso wie nach dem Kontakt mit einer Krankheit. Da Impfstoffe jedoch nur abgetötete oder abgeschwächte Formen von Krankheitserregern wie Viren oder Bakterien enthalten, verursachen sie weder die Krankheit noch setzen sie Sie dem Risiko ihrer Komplikationen aus.“ – Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Warum manche Impfstoffe mehrere Dosen benötigen
Nicht alle Impfstoffe vermitteln bereits nach einer einzigen Dosis einen langfristigen Schutz. Wie viele Impfungen empfohlen werden, hängt von der Art des Impfstoffs und der Stärke der ausgelösten Immunantwort ab.
Lebendimpfstoffe bieten häufig bereits nach einer oder zwei Dosen einen lang anhaltenden Schutz, da sie eine besonders starke Immunreaktion hervorrufen. Totimpfstoffe und Subunit-Impfstoffe benötigen meist mehrere Impfungen in bestimmten Zeitabständen, um einen ausreichenden Schutz aufzubauen.
Zusätzlich können Auffrischungsimpfungen empfohlen werden, um das Immungedächtnis zu stärken und den Schutz langfristig aufrechtzuerhalten.
Die wiederholte Begegnung mit einem Antigen durch Impfungen stärkt das Immungedächtnis und ermöglicht dem Körper, bei einem späteren Kontakt mit dem Krankheitserreger schneller und effektiver zu reagieren.
Gemeinschaftsschutz und seine Bedeutung
Manche Menschen können bestimmte Impfstoffe aufgrund medizinischer Gründe oder anderer gesundheitlicher Voraussetzungen nicht erhalten. Sie profitieren vom sogenannten Gemeinschaftsschutz.
Ist ein großer Teil der Bevölkerung gegen eine Krankheit immun, kann sich der Erreger deutlich schlechter ausbreiten. Dadurch sinkt das Risiko, dass besonders gefährdete Personen mit ihm in Kontakt kommen. Wie hoch die notwendige Immunitätsrate sein muss, hängt davon ab, wie leicht sich der jeweilige Krankheitserreger verbreitet.
Eine hohe Impfquote bei impffähigen Menschen stärkt daher sowohl den individuellen Schutz als auch die Gesundheit der gesamten Bevölkerung.
Impfstoffe bereiten das Immunsystem auf den Kontakt mit Infektionserregern vor, noch bevor eine natürliche Ansteckung erfolgt. Indem sie Antigene oder die Informationen zu deren Herstellung sicher bereitstellen, ermöglichen sie den Aufbau eines langfristigen Immungedächtnisses.
Gemeinsam mit den natürlichen Abwehrmechanismen des Körpers tragen Impfungen dazu bei, die Gesundheit des Einzelnen zu schützen und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten innerhalb der Gemeinschaft zu verringern.