Dein Auto spioniert dich aus
Leon
Leon
| 24-06-2026
Fahrzeugteam · Fahrzeugteam
Hallo zusammen! Kommt es euch auch so vor, als ob euer Auto euch etwas zu gut kennt? Ich meine nicht, dass es sich euren Lieblingsplatz oder euren Lieblingsradiosender merkt. Ich meine das unheimliche Wissen: Wo ihr hinfahrt, wie schnell ihr fahrt, wen ihr anruft und sogar, was ihr in einem leisen Gespräch über die Überraschungsparty sagt. Ja,
Dein Auto spioniert dich aus
euer Auto ist im Grunde ein neugieriger Nachbar auf Rädern und sammelt Daten, als ob es eine Biografie über euch schreiben wollte. Moderne Autos sind rollende Computer mit mehr Sensoren als eine Intensivstation. Sie erfassen eure Geschwindigkeit, euer Bremsverhalten, euren Standort und sogar die Kontakte eures Handys, wenn ihr es synchronisiert. Diese Daten werden an den Hersteller gesendet, oft ohne dass ihr es merkt. Und jetzt kommt der Clou: Wem gehören diese Informationen? Euch? Dem Autohersteller? Der Versicherungsvertreter,
der im Verborgenen lauert? Die Antwort ist so undurchsichtig wie Kaffeereste, die eine Woche lang im Getränkehalter gestanden haben. Sprechen wir über die „Blackbox“ in Ihrem Auto, offiziell Ereignisdatenschreiber genannt. Sie funktioniert wie ein Diktiergerät für Unfälle und speichert Details wie Geschwindigkeit, Gaspedalstellung und Gurtanlegung. Das ist gut für die Sicherheit, aber wussten Sie, dass diese Daten in manchen Ländern ohne Ihre Zustimmung an die Polizei weitergegeben werden können? Ihr Auto wird zum Zeugen gegen Sie, und Sie können nicht einmal mit ihm verhandeln. Dann ist da noch das Infotainmentsystem, der Bildschirm, der Ihre Musik abspielt und Karten anzeigt. Dieses Ding ist eine leckende Kiste. Es speichert Ihre Telefonkontakte, Nachrichten und sogar SMS-Inhalte, wenn Sie nicht aufpassen. Zahlreiche Hersteller wurden dabei erwischt, wie sie diese Daten für gezielte Werbung an Dritte weitergaben. Also die Pop-up-Werbung für einen Burgerladen, nachdem Sie daran vorbeigefahren sind? Ja, Ihr Auto hat Sie für ein paar Cent verraten.
Dein Auto spioniert dich aus

Wer schaut in Ihr Armaturenbrett?

Autohersteller argumentieren, sie bräuchten diese Daten, um Funktionen zu verbessern, Wartungshinweise zu geben und in Notfällen zu helfen. Das klingt nobel, bis man das Kleingedruckte in der Datenschutzerklärung liest. Dort steht oft, dass Ihre Daten an „verbundene Unternehmen“ und „Geschäftspartner“ weitergegeben werden dürfen. Diese Partner können Versicherungen, Datenhändler oder sogar Marketingunternehmen sein, die Ihre Fahrgewohnheiten analysieren wollen, um zu erraten, ob Sie für eine neue Kreditkarte in Frage kommen. Das ist, als würden Sie einem Schlüsseldienst Ihre Hausschlüssel geben und hoffen, dass er sie nicht kopiert. Eine Studie der Mozilla Foundation ergab, dass fast alle großen Automarken in puncto Datenschutz ein „Albtraum“ sind. Tesla beispielsweise wurde dafür kritisiert, dass das Unternehmen Videos von Außenkameras aufzeichnet, selbst wenn das Auto geparkt ist, und diese Aufnahmen angeblich an die Strafverfolgungsbehörden weitergibt. Andere Marken wie Ford und BMW sammeln Daten zum Fahrverhalten, die zur Anpassung Ihrer Versicherungsprämien verwendet werden können. Starkes Bremsen kann Sie also teuer zu stehen kommen, selbst wenn Sie nur einem Eichhörnchen ausweichen wollen.

Was können Sie dagegen tun?

Erstens: Sie müssen nicht wie ein Datendieb leben. Es gibt ein paar einfache Maßnahmen. Überprüfen Sie die Datenschutzeinstellungen Ihres Autos, die oft im Infotainment-Menü oder in der Bedienungsanleitung versteckt sind. Sie können in der Regel einige Datenerfassungen deaktivieren, wie z. B. Standortverfolgung oder Cloud-Dienste. Aber Achtung: Einige Funktionen (wie der Notrufassistent) funktionieren dann möglicherweise nicht mehr. Das ist ein Kompromiss.
Zweitens: Synchronisieren Sie nicht Ihre gesamte Kontaktliste und Ihren Nachrichtenverlauf mit dem Auto. Beschränken Sie sich auf das Nötigste. Verbinden Sie nur das, was Sie für Navigation oder Musik benötigen. Behandeln Sie Ihr Auto wie einen Bekannten, dem Sie halbwegs vertrauen, nicht wie Ihren Therapeuten.
Drittens: Informieren Sie sich vor dem Kauf über den Ruf des Herstellers in Sachen Datenschutz.
Einige Hersteller, wie Toyota und Volvo, sind in Bezug auf ihre Datenpraktiken transparenter. Andere sind da völlig undurchsichtig. Bewertungen finden Sie beispielsweise bei der Electronic Frontier Foundation oder bei Consumer Reports.

Die Zukunft

Datenschutz im Auto ist kein Thema für Technikbegeisterte; es geht darum, ob Sie möchten, dass Ihre Fahrentscheidungen Ihre Kreditzinsen, Ihre Jobchancen oder sogar Gerichtsverfahren beeinflussen. Je intelligenter Autos werden und je autonomer sie schließlich fahren, desto größer wird das Datenproblem. Stellen Sie sich eine Zukunft vor, in der Ihr Auto Sie in Echtzeit bei der Versicherung meldet, wenn Sie zu schnell fahren. Toll, oder?
Denken Sie also daran, wenn Sie das nächste Mal hinter dem Steuer sitzen: Sie übernehmen nicht nur das Steuer, sondern geben auch eine Menge persönlicher Daten preis. Seien Sie sich dessen bewusst, passen Sie Ihre Einstellungen an und führen Sie vielleicht ein kurzes Gespräch mit Ihrem Auto über Grenzen. Es kann Ihnen zwar nicht versprechen, nicht zu reden, aber zumindest wissen Sie, wer zuhört. Fahren Sie vorsichtig und datenbewusst!