Pflanzen vermehren
Lars
Lars
| 28-05-2026
Lifestyle-Team · Lifestyle-Team
Es hat etwas still Zufriedenstellendes: ein einziger Schnitt von einer bestehenden Pflanze, ein Glas Wasser auf der sonnigen Fensterbank — und drei Wochen später sind da plötzlich Wurzeln.
Neues Leben aus etwas, das man ohnehin abgeschnitten hätte. Pflanzen durch Stecklinge zu vermehren wirkt kompliziert, bis man es einmal ausprobiert. Danach wird es fast automatisch.

Warum Stecklinge statt Samen?

Die Anzucht aus Samen dauert länger und bringt oft Pflanzen hervor, die sich von der Mutterpflanze unterscheiden. Stecklinge dagegen erzeugen einen Klon — genetisch identisch mit der Pflanze, von der sie stammen.
Hat eine Pflanze besondere Blattmuster, außergewöhnliche Farben oder eine Wuchsform, die du liebst, bleibt all das durch Stecklinge exakt erhalten. Bei vielen Zimmerpflanzen und beliebten Gartenpflanzen wie Efeutute, Philodendron, Buntnessel oder Kräutern ist diese Methode außerdem deutlich schneller und zuverlässiger als die Aussaat.
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Den richtigen Steckling schneiden

Für die meisten Zimmerpflanzen und weichstieligen Gartenpflanzen eignet sich ein gesunder Trieb mit zwei bis drei Blättern. Der Steckling sollte etwa 10 bis 15 Zentimeter lang sein.
Länger ist nicht besser — zu große Stecklinge wurzeln oft schlechter und entwickeln später eher lange, instabile Triebe statt einer kompakten Pflanze.
Achte auf den sogenannten Knotenpunkt am Stängel, also die leicht verdickte Stelle, an der Blätter oder neue Triebe wachsen. Schneide den Steckling sauber und schräg direkt unterhalb des untersten Knotens ab.
Entferne anschließend die Blätter im unteren Drittel, da Blätter in Erde oder Wasser schnell faulen können.

Zuerst im Wasser bewurzeln

Für viele gängige Zimmerpflanzen ist die Vermehrung im Wasser der einfachste Einstieg.
Stelle den Steckling in ein sauberes Glas oder Gefäß mit ausreichend Wasser bei Zimmertemperatur, sodass mindestens ein Knoten bedeckt ist. Der Standort sollte hell sein, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung.
Wechsle das Wasser alle drei bis fünf Tage, da abgestandenes Wasser gelblich wird und Bakterien fördern kann.
Bei unkomplizierten Pflanzen wie Efeututen oder Tradeskantien zeigen sich oft schon nach einer Woche erste Wurzeln, andere brauchen deutlich länger. Sobald die Wurzeln etwa 7 bis 12 Zentimeter lang sind, kann der Steckling in Erde gesetzt werden.

Direkt in Erde bewurzeln für kräftigere Wurzeln

Im Wasser gebildete Wurzeln sind oft empfindlicher und haben manchmal Schwierigkeiten, sich später an Erde anzupassen.
Werden Stecklinge direkt in ein erdloses Substrat wie Sand, Perlite oder spezielle Anzuchterde gesetzt, entwickeln sich von Anfang an kräftigere und feinere Wurzeln.
Hilfreich ist es, die Schnittstelle vorher in Bewurzelungspulver zu tauchen. Das beschleunigt die Wurzelbildung und erhöht besonders bei langsam wurzelnden Pflanzen die Erfolgschancen.
Stecke den Steckling etwa fünf Zentimeter tief in das Substrat und drücke es leicht an. Die Erde sollte gleichmäßig feucht, aber niemals nass sein.
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Während der Bewurzelung hohe Luftfeuchtigkeit halten

Die größte Herausforderung bei Stecklingen besteht darin, dass sie über ihre Blätter Feuchtigkeit verlieren, obwohl sie noch keine Wurzeln haben, um Wasser aufzunehmen.
Eine transparente Plastiktüte, eine abgeschnittene Plastikflasche oder eine spezielle Feuchtigkeitshaube helfen dabei, die Luftfeuchtigkeit hoch zu halten und verhindern, dass der Steckling verwelkt, bevor sich Wurzeln bilden.
Lasse jedoch eine kleine Öffnung für die Luftzirkulation und entferne die Abdeckung alle paar Tage kurz, damit sich kein Schimmel bildet.
Der Steckling sollte in dieser Zeit hell stehen, jedoch ohne direkte Sonne — sonst kann sich die Luft unter der Abdeckung zu stark aufheizen.

Langsam an normale Bedingungen gewöhnen

Sobald sich Wurzeln und neue Triebe zeigen, ist aus dem Steckling technisch gesehen eine eigenständige Pflanze geworden. Trotzdem braucht sie Zeit, um sich an normale Bedingungen zu gewöhnen.
Bis dahin befand sie sich in einer geschützten Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit. Zu schnelle Veränderungen durch trockene Luft oder intensiveres Licht können Stress verursachen.
Öffne die Abdeckung zunächst nur einige Stunden pro Tag und verlängere diesen Zeitraum über etwa eine Woche hinweg schrittweise.
Danach kann die junge Pflanze an ihren endgültigen Standort umziehen und wie jede andere etablierte Pflanze gepflegt werden.
Pflanzen aus Stecklingen zu ziehen ist eine wunderbare Möglichkeit, eine engere Verbindung zu den eigenen Pflanzen aufzubauen. Wer die Grundlagen versteht — gesunde Stecklinge auswählen, die richtigen Bedingungen schaffen und geduldig pflegen — kann viele verschiedene Pflanzen erfolgreich vermehren.
Mit etwas Geduld und Aufmerksamkeit wird aus einem kleinen abgeschnittenen Trieb eine kräftige neue Pflanze — und genau darin liegt die besondere Freude am Wachsen und Pflegen neuen Lebens.