Weißeste Farbe

· Lifestyle-Team
Im Allgemeinen betrachten wir einen Gegenstand als weiß, wenn er 80 % oder mehr der Wellenlängen im sichtbaren Spektrum reflektiert.
Je weißer eine Substanz ist, desto mehr Licht kann sie reflektieren – und desto weniger wahrscheinlich ist es, dass sie sich aufheizt.
Dieses wissenschaftliche Wissen wurde über Generationen hinweg auch in Form praktischer Erfahrungen weitergegeben. Menschen in tropischen Regionen streichen ihre Häuser häufig weiß, und die weißen Gebäude auf der griechischen Insel Santorini dienen nicht nur ästhetischen Zwecken.
Im Jahr 2021 entwickelte die Purdue University eine ultraweiße Farbe, die Bariumsulfat-Partikel enthält und eine Reflektivität von 98,1 % erreicht.
Im September desselben Jahres wurde sie in die Ausgabe 2022 des Guinness-Buchs der Rekorde aufgenommen und gilt seitdem offiziell als die weißeste Farbe der Welt.
Wenn diese Farbe auf Dächer oder Gehwege aufgetragen wird, kann sie Außenflächen um mehr als 4,5 °C unter die Umgebungstemperatur abkühlen. Dadurch sinkt der Bedarf an Klimaanlagen, und der sogenannte städtische Wärmeinseleffekt wird reduziert – ein Vorteil, der auch im Winter hilfreich sein kann.
Wenn man beispielsweise 1.000 Quadratfuß Dachfläche mit dieser Farbe beschichtet, könnte laut Schätzungen eine Kühlleistung von bis zu 10 Kilowatt erreicht werden. Das entspricht mehr Kühlleistung als bei vielen herkömmlichen Klimaanlagen.
Forscher sagen sogar, dass nur 0,5–1 % der Erdoberfläche mit dieser Farbe beschichtet werden müssten, um den Trend der globalen Erwärmung umzukehren.
Vor Kurzem haben dieselben Wissenschaftler eine neue, dünnere und leichtere Version entwickelt – gewissermaßen die weißeste Farbe 2.0 –, die ebenfalls dazu beiträgt, Oberflächentemperaturen zu senken.
Als Version 1.0 vorgestellt wurde, musste die Beschichtung mindestens 0,4 mm dick sein, um ausreichende Strahlungskühlung zu erreichen. Für Bauwerke wie Hausdächer war das problemlos.
Bei Objekten mit strengen Anforderungen an Größe und Gewicht – etwa Autos, Züge oder Flugzeuge – müssen Beschichtungen jedoch dünner und leichter sein. Genau hier kommt Version 2.0 ins Spiel.
2.0 ist eine nanoporöse Beschichtung, die nur 0,15 mm Dicke benötigt, um eine Reflektivität von 97,9 % zu erreichen – fast genauso viel wie die 98,1 % von Version 1.0.
Zudem besitzt 2.0 eine stark poröse Nanostruktur. Dadurch ist sie weniger dicht und deutlich dünner – insgesamt 80 % leichter als Version 1.0.
Die leichtere Version 2.0 eignet sich daher für viele gewichtssensible Anwendungen. Wird sie beispielsweise auf die Außenflächen von Flugzeugen, Autos oder Zügen aufgesprüht, kann sie die Oberflächentemperatur um etwa 5,6 °C senken.
Der Unterschied in der Reflektivität zwischen der weißesten Farbe 1.0 und 2.0 ist praktisch vernachlässigbar.
Denn das Ziel der Wissenschaftler ist nicht, lediglich den Rekord für die weißeste Farbe zu brechen. Ihr eigentliches Ziel ist es, die globale Erwärmung einzudämmen und Energie zu sparen.
Mit dem fortschreitenden technologischen Fortschritt können wir vielleicht tatsächlich auf den Tag hoffen, an dem die globale Erwärmung umgekehrt wird.